Landkreis Neu-Ulm Kinderhilfe wird ausgebaut

Landkreis Neu-Ulm / WILLI BÖHMER 07.08.2013
Das Netzwerk "Frühe Hilfen" für Säuglinge und Kleinkinder samt ihren Eltern im Landkreis Neu-Ulm wird ausgebaut. Das teilt das Landratsamt mit.

Oft sind es junge Mütter, 16-Jährige etwa, die Hilfe suchen. Manchmal melden sich auch die Fachstellen und weisen auf Notfälle hin. In 130 Fällen wurde die Kinderschutzstelle "Frühe Hilfen" des Landkreises Neu-Ulm im vergangenen Jahr aktiv. Dazu kamen 20 Fälle, in denen eine Beratung anonym angeboten wurde. Sie wollen frühzeitig eingreifen, um zu verhindern, dass eine Stresssituation aus dem Ruder läuft und Kinder darunter leiden müssen, sagt Andrea Rösch. Sie ist eine von drei Sozialpädagoginnen, die in der Kinderschutzstelle Neu-Ulm arbeiten.

Seit September 2009 gibt es dieses Netzwerk. In Fachkreisen ist es längst bekannt, inzwischen melden sich aber auch immer mehr Eltern. Die Arbeit der Stelle hat sich herumgesprochen. Manchmal sind es junge Schwangere, die finanziell in der Klemme stecken, verzweifelte Eltern, die das Schrei-Baby nicht verkraften, oder Eltern, die mit einem behinderten Kind nicht klarkommen. Oft kommt ihre Klientel aus Problemfamilien, in denen häusliche Gewalt und immer wieder auch Alkoholprobleme eine Rolle spielen, erzählt Rösch. Sie können Wege aus der Misere aufzeigen, Gesprächspartner vermitteln und Kontakt zu Ämtern knüpfen, von denen Hilfen zu erwarten sind. Immer geht es darum, Krisen frühzeitig zu vermeiden.

Jetzt soll dieses Netzwerk noch dichter geknüpft werden. Wichtige Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen werden einbezogen. Dazu zählt Rösch beispielsweise Hebammen, Entbindungs- und Kinderkrankenpflegerinnen. Es ist vorgesehen, sie zu Familienhebammen und - krankenpflegern weiterzubilden und in Familien zu schicken, in denen ein Betreuungsbedarf besteht, erklärt Rösch. Außerdem werde eine Nachschulung für bereits ausgebildete Familienhebammen angeboten. "Für die Weiterbildungskosten sowie die Kosten für Verpflegung und Unterkunft kommt die Bundesinitiative auf", teilte Jürgen Bigelmayr, Pressesprecher des Landratsamtes Neu-Ulm, mit. Die nächsten Kurse werden 2014 angeboten, die genauen Termine stehen noch nicht fest.

Die Zahl der Anfragen nach Beratung und Unterstützung nimmt mit dem Bekanntheitsgrad der Einrichtung immer mehr zu, sagt Andrea Rösch. So wie auch die Zahl der Geburten im Landkreis Neu-Ulm, anders als in vielen anderen Regionen. 2009 wurde im Kreis 4414 Geburten gezählt.

"Es ist ein großer Vorteil, dass wir beim ersten Mal einen Hausbesuch machen", erzählt Rösch. Die Sozialpädagoginnen sind dafür von Neu-Ulm bis Altenstadt im Süden des Landkreises unterwegs - mit Vorankündigung und Einverständnis der Eltern selbstverständlich. "Wir unterliegen einer Schweigepflicht, auch gegenüber dem Sozialen Dienst des Jugendamtes", sagt Rösch. Sie wollen Hilfe anbieten, um eine Eskalation zu verhindern, nicht sanktionieren. "Die Angst, dass wir jemandem das Kind wegnehmen, ist völlig unberechtigt." Gäbe es freilich Fälle schweren Missbrauchs, müssten auch sie diese weitermelden.

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