Verkehr Keine A-7-Ausfahrt für Lehm-Lkw?

Niko Dirner 02.08.2018

Mit Lehm beladene Lastwagen sollten eigentlich bereits seit Mitte dieses Jahres von den S21-Baustellen direkt von der A 7 zum Ziegelwerk Bellenberg rollen. Wie berichtet, war geplant, am Autobahnparkplatz „Reudelberger Forst-West“ eine temporäre Sonderausfahrt anzulegen und die angrenzenden Feldwege auszubauen. Mit dieser Lösung sollten Bellenberg, Tiefenbach und Emershofen vom Lkw-Verkehr entlastet werden. Allein: Bis heute ist die neue Strecke nicht gebaut. Warum? Dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

CSU-Bundestagsabgeordneter Georg Nüßlein meint, es würde noch eine Genehmigung aus Berlin fehlen. Er hat deshalb Verkehrsminister Andreas Scheuer angeschrieben – und diesen Brief auch der Presse zugeleitet (siehe Info-Kasten). Sein Büromitarbeiter erklärt auf Anfrage: „Ich sehe in den Akten, dass eine offizielle Freigabe nicht vorliegt.“

Diese Darstellung bedürfe „einer Richtigstellung“, sagt dazu aber auf Anfrage Roland Immerz von der Autobahndirektion Südbayern. „Wir haben da nichts dagegen!“ Dass die Ausfahrt noch fehlt, liege nicht an Bedenken seiner Behörde. Nüßleins Schreiben sei denn auch „mit großer Verwunderung“ registriert worden. Seines Wissens nach gebe es eher ein „Grunderwerbsproblem“.

Diese Einschätzung bestätigt die Bellenberger Bürgermeisterin Simone Vogt-Keller: Die Sache sei zunächst „ins Stocken geraten“, da bei einer ersten Variante die Naturschützer nicht mitgespielt hätten. Bei der dann geplanten Alternativroute „wäre Grunderwerb erforderlich gewesen, der bisher wegen der mangelnden Verkaufsbereitschaft einiger Landwirte scheiterte“. Wie berichtet, müssten die vorhandenen schmalen Feldwege auf 6,50 Meter verbreitert und asphaltiert werden. Die benötigten Flächen seien einfach nicht zu bekommen, sagt Ziegelwerk-Geschäftsführer Markus Wiest. „Das Vorhaben liegt deshalb erstmal auf Eis.“ Einen Zeitplan für den Bau der Sonderausfahrt habe er derzeit nicht.

Derzeit nur wenige Fahrten

Die Verzögerung regt die Bürgermeisterin indes nicht übermäßig auf, denn derzeit würden „nur wenige oder gar keine“ Lehm-Transporte durch Bellenberg, Tiefenbach und Emershofen zum Ziegelwerk rollen. Das bestätigt Peter Dieling, der seitens des Landratsamtes die Planungen mit vorbereitet hat. Derzeit seien längst nicht die maximal pro Tag genehmigten 100 Lehm-Lastwagen unterwegs. Um die betroffenen Orte zu entlasten, habe man zudem für Schwerverkehr Tempo 30 neu eingeführt.

Dieling weist allerdings darauf hin, dass auch noch eine emissionsschutzrechtliche Genehmigung für das Ziegelwerk aussteht. Dieses hatte beantragt, 50 000 Tonnen mit Tensiden belasteter Tone und Lehme von S21-Tunnelbaustellen für fünf Jahre auf dem Firmengelände lagern zu dürfen. Der Bellenberger Gemeinderat war dafür, die Behörden sind es offenbar noch nicht. Schließlich würde verunreinigtes Wasser aus dem Lehmberg austreten. Es müsste unter Umständen entsorgt werden. Das sei „ein laufendes Verfahren“, sagt Wiest.

Georg Nüßlein schreibt an den „lieben Andi“

Brief Um eine schriftliche Genehmigung für eine „Sonderausfahrt am A 7-Parkplatz „Reudelberg West“ bei Bellenberg für Lehmtransporte bittet der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein seinen Parteifreund und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in einem Brief. „Ich bitte Dich, lieber Andi, Dich der Sache anzunehmen und der Autobahndirektion Südbayern grünes Licht zu geben.“

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