Weißenhorn / Niko Dirner  Uhr
Das Genehmigungsverfahren für die Verbrennung in Weißenhorn zieht sich hin. Bisher ist noch kein Müll aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen angekommen.

Angepeilt war der März: Im dritten Kalendermonat dieses Jahres sollte im Müllheizkraftwerk in Weißenhorn wieder so genannter freigemessener Abfall aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen verbrannt werden. Im Januar und im Februar war eine heiße Debatte darüber entbrannt, dass solcher Müll in Weißenhorn landet und wie künftig mit diesen schwach radioaktiven Abfällen umgegangen werden soll.

Letztlich beschlossen die Neu-Ulmer Kreisräte – das Müllheizkraftwerk gehört dem kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) –, dass die Verbrennung fortgesetzt werden darf. Allerdings begleitet vom Öko-Institut Freiburg und vorbehaltlich unauffälliger Messungen nach dem Neustart.

Bis heute aber ist in Weißenhorn kein neuer Müll aus Gund­remmingen angeliefert worden. Seit November 2018 wird dort also kein solcher Abfall mehr verbrannt. Das bestätigt auf Anfrage AWB-Werkleiter Thomas Moritz. Dabei hatte der Technische Geschäftsführer des Atomkraftwerkes, Heiko Ringel, beim Jahrespressegespräch am 21. März gesagt, es sei bereits im Februar eine Charge von 1,8 Tonnen für Weißenhorn beim bayerischen Umweltministerium angemeldet worden. Dieser Genehmigungsprozess ist das übliche Verfahren.

Antrag in Prüfung

Auf Nachfrage im Atomkraftwerk teilt die Pressesprecherin mit: Der Freigabeantrag werde derzeit noch von der Behörde bearbeitet. „Die Genehmigung liegt uns noch nicht vor, so dass ein Termin zur Anlieferung nicht genannt werden kann.“ Auf die Frage nach möglichen Gründen für die Verzögerung verweist die Sprecherin nach München weiter: Man solle sich „bezüglich der Arbeitsabläufe des Genehmigungsverfahrens“ ans Umweltministerium wenden.

Der Landkreis Neu-Ulm schaltet Fachleute in der Diskussion um Abfälle aus dem Gundremminger Atomkraftwerk ein.

Von dort heißt es nur: „Bei der bayerischen Atom- und Strahlenschutzaufsicht gehen regelmäßig Freigabeanträge von mehreren Antragstellern und mit verschiedenen Entsorgungs- bzw. Verwertungszielen ein. Der von Ihnen angesprochene Antrag befindet sich derzeit in der Prüfung.“

Werkleiter Thomas Moritz ist auch ratlos. Ob es einen Zusammenhang gibt mit den Beschlüssen der Kreisräte? Naheliegend wäre das, aber niemand mag es bestätigen. Konkret vorgesehen ist, dass das Öko-Institut ein Gutachten zur Entsorgung freigemessener Abfälle aus dem Atomkraftwerk erstellt. Zudem soll das Öko-Institut die nächste Anlieferung von freigegebenen Abfällen am Müllheizkraftwerk begleiten und dabei Optimierungsvorschläge für die künftige Annahme solchen Mülls erstellen.

Die Messungen in der Abluft, in den Filterstäuben und in der Schlacke, also der Asche, sollen vom Landesamt für Umwelt analysiert werden. Geplant ist außerdem, dass der Landkreis mit der Stadt Weißenhorn und der Bürgerinitiative gegen das Müllkraftwerk eine Messstation für Radioaktivität aufstellt. Seitens des Atomkraftwerkes wird immer wieder betont, von den Abfällen gehe keine Gefahr aus. Kritische Ärzte sehen das aber anders.

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Abfallwirtschaftsbetrieb um Transparenz bemüht

Information „Hier wird kein Atommüll verbrannt!“ Unter dieser Überschrift informiert der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Neu-Ulm auf seiner Internetseite über die Verbrennung von Abfällen aus Gundremmingen. Ausführlich werden dort die gesetzlichen Grundlagen, das Freigabeverfahren und die weiteren Planungen dargestellt. Zu finden sind diese Informationen im Internet unter www.awb-neu-ulm.de.