Kirchberg Kein Fracking im Illertal

Unter den Feldern bei Kirchberg wird Erdgas vermutet. Foto: Kurt Högerle
Unter den Feldern bei Kirchberg wird Erdgas vermutet. Foto: Kurt Högerle
Kirchberg / KURT HÖGERLE 08.08.2013
Im Antrag eines Projektions-Unternehmens vermutet der Kirchberger Gemeinderat den ersten Schritt zum Fracking. Er lehnte ab. Der Mauchenbach soll dagegen bis zum nächsten Frühjahr renaturiert sein

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Bei der Sitzung des Kirchberger Gemeinderates standen am Dienstagabend zwei Themen im Mittelpunkt: die Renaturierung des Mauchenbachs und der Antrag der Firma Parkyn Energy, im Boden weiter nach Gas und Öl suchen zu dürfen.

Mit der Vergabe des großen Mauchenbach-Prokjekts an das Unternehmen Max Wild fand die lange Planungsphase nun ihren Abschluss. Ab September soll der Mauchenbach, der die längste Strecke in Rohren unter der Erde verläuft, renaturiert werden. Diese Maßnahme ließ sich kaum länger aufschieben, da der Bach bei Starkregen große Wassermengen in den Gießen spült.1999 kam es gießenabwärts in Dietenheim nach einem Starkregen bekanntlich zu einem bedrohlichen Hochwasser, auf das das Bett des künstlich angelegten Illerkanals nie ausgelegt war.

Bürgermeister Jochen Stuber erinnerte die Gemeinderäte noch einmal daran, dass seither die Verdohlung des Mauchenbachs, also die unterirdische Führung des Wassers, nur noch geduldet sei, nicht aber genehmigt.

Durch die Renaturierung soll die Fließgeschwindigkeit des Baches deutlich gesenkt und damit das Hochwasserrisiko minimiert werden.

Die Angebote für diesen Großauftrag reichten von knapp 600 000 Euro bis zu mehr als 1,5 Millionen Kosten. Renaturiert werden 1,4 Kilometer Bachlauf. Ingenieurin Marion Keyl von der Björnsen Beratende Ingenieure GmbH, die im Auftrag der Gemeinde das Projekt planerisch betreut, empfahl dem Gemeinderat das Unternehmen Max Wild aus Berkheim als den wirtschaftlichsten Anbieter. Dem folgten die Gemeindevertreter auch. Baubeginn soll schon im September sein, kommenden Februar soll der Mauchenbach wieder frei fließen.

Zu Diskussionen führte der Antrag eines Projekt-Unternehmens, das in der Region Öl und Gas vermutet. Die Parkin Energy Germany (PEG) hatte bisher das Recht, als einziges Unternehmen im Feld "Biberach" nach diesen Rohstoffen zu suchen und beantragte beim zuständigen Regierungspräsidium Freiburg, die Verlängerung um zwei weitere Jahre.

Das Feld "Biberach" erstreckt sich von Laupheim im Norden und Vöhringen im Osten bis hinauf nach Kisslegg im Süden. Das in Freiburg angesiedelte Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau will den betroffenen Gemeinden die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen; ein Mitspracherecht haben die Kommunen aber nicht.

Es sei weder eine Erkundungsbohrung vorgesehen noch damit eine Vorentscheidung zugunsten des so genannten Frackings verbunden, zitierte Bürgermeister Jochen Stuber aus dem ihm vorliegenden Schreiben. Gudrun Diebold bemerkte, dass schlussendlich die ganze Geschichte sehr wohl auf Fracking hinauslaufe.

So sahen es auch ihre Kollegen. Obwohl im Schreiben des Landesamts die Bezeichnung "Fracking" nirgendwo zu finden ist, vermutet der Kirchberger Gemeinderat, dass diese Art der Förderung am Ende des Prozesses stehen wird. Thomas Kassner verwies auf die technischen Risiken, die mit einer Bohrung verbunden seien. Er nannte die Gefährdung des Grundwassers und der Häuser, die über solchen horizontal verlaufenden Bohrlöchern stünden.

Weil der Gemeinderat der Technologie skeptisch gegenübersteht, appellierte er an das Regierungspräsidium, keine Genehmigung für das Vorhaben der PEG zu erteilen. "Die Gemeinde Kirchberg an der Iller lehnt schon heute Anträge auf Probebohrungen und für das Erdgas-Förderverfahren Fracking im Feld Biberach ab, da die Risiken für die Umwelt für nicht überschaubar gehalten werden", heißt es aus diesem Grund im einmütig verabschiedeten Beschluss.

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