In einem Brandbrief hatte sich Landrat Erich Josef Geßner auch an das evangelische Kirchendekanat in Neu-Ulm gewandt, Wohnungen für Asylbewerber seien dringend gesucht. "Der Landkreis Neu-Ulm kommt mit der alleinigen Suche nach Unterkünften an seine Grenzen und ist darauf angewiesen, dass er aktiv unterstützt wird", schrieb Geßner. Und: "Schon bald werden weitere Zuweisungen an Asylbewerbern erwartet." Derzeit sind im Kreis Neu-Ulm 59 Asylbewerber in einer Unterkunft der Regierung von Schwaben in der Neu-Ulmer Eckstraße untergebracht, 60 weitere in Pfuhl. Dort im Gebäude der ehemaligen Verkehrspolizei und in einer Pension.

Anfang November setzte sich Pfarrer Ernst Burmann mit Kirchenvorständen, Nachbarn, Elternvertretern, "Sternenschiff"-Leiterin Andrea Berroth, Dekanin Gabriele Burmann und dem Leiter des Ausländeramtes im Landratsamt, Jochen Grotz, im Oberelchinger Gemeindehaus zusammen. Dieses käme als einziges Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde für eine Asylbewerberunterkunft in Frage, so Burmann.

Allerdings befindet es sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Kindergartens "Sternenschiff", zahlreiche Eltern hatten erhebliche Bedenken. "Sie konnten sich das nicht vorstellen", sagte Burmann gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Das Gemeindehaus, das die Kirchengemeinde schon länger vermieten will, und der Kindergarten sind gemeinsam umzäunt, teilen sich einen Zugang.

Am 13. November folgte eine Sitzung des Kirchenvorstands, in der erneut kontrovers diskutiert wurde. Schließlich verständigte sich das Gremium darauf, bestimmte Bedingungen an das Landratsamt zu stellen. Sollten diese erfüllt werden, werde der neue Kirchenvorstand - ab kommendem Sonntag im Amt - erneut über die Anfrage beraten und entscheiden. So sollte das Landratsamt garantieren, dass im Gemeindehaus ausschließlich asylsuchende Familien untergebracht werden. Und die Kindergartenaufsicht des Landratsamt sollte schriftlich bestätigen, dass sie die Unterbringung der Flüchtlinge in direkter Nachbarschaft des Kindergartens für unbedenklich hält.

"Diese Bestätigung konnte das Landratsamt schlecht geben", sagte Pressesprecher Jürgen Bigelmayr auf Anfrage. "Wir können für die Asylbewerber nicht die Hand ins Feuer legen." Zudem habe die Regierung von Schwaben keinen Einfluss darauf, was für ein Kontingent an Flüchtlingen ihr zugewiesen werde. In der Folge zog Landrat Geßner am 20. November seine Anfrage zurück. Wenn schon im Vorfeld derart schwerwiegende Bedenken bei den Eltern herrschten, sei es das Beste, davon Abstand zu nehmen.

Auch von einem weiteren Vorschlag ist das Landratsamt abgerückt: Die Idee, auf dem Parkplatz des Ex-Realmarktes im Gewerbegebiet Wohncontainer für bis zu 75 Flüchtlinge aufzustellen, sei vorerst "auf Eis gelegt", so Bigelmayr. Von wem diese Initiative ausgegangen war, blieb gestern unklar. Bigelmayr vermutet, das der Grundstückseigentümer an das Landratsamt herangetreten war. Zweifelsfrei klären konnte er das aber nicht. Für die Vermieter ist die Unterbringung von Asylbewerbern ein lohnendes Geschäft: In der Regel werden für Asylbewerberunterkünfte bis zu 18 Euro pro Person und pro Tag bezahlt.

Der Elchinger Bürgermeister Joachim Eisenkolb hat eine andere Vermutung: Er glaubt, dass sich das Landratsamt aktiv auf die Suche nach einer Fläche für ein Containerdorf begeben hat. Am 9. November habe er bei der zuständigen Fachbereichsleiterin angerufen und nachgehakt. Diese habe bestätigt, dass sowohl die Containerlösung als auch das Marktgebäude selbst für eine Unterbringung geprüft worden seien. Das Gebäude habe aber zu wenige Fensteröffnungen. Auch das Containerdorf auf dem Parkplatz sei für das Landratsamt derzeit nur der "Plan B", so Eisenkolb. Die Behörde würde einen anderen Standort bevorzugen. Geßner hatte auch in seinem Schreiben vom 20. November an Pfarrer Burmann erklärt, dass der Landkreis alternativ an einer Containerlösung festhalte.