Die CSU aus dem Bundestagswahlkreis Neu-Ulm/Günzburg hat erstmals die Chance, zwei Abgeordnete in den Bundestag zu entsenden: den amtierenden Abgeordneten Georg Nüßlein aus Günzburg und die aus Neu-Ulm antretende JU-Landesvorsitzende Katrin Albsteiger (29). Die CSU-Hoffnungsträgerin Albsteiger errang in einer Kampfabstimmung gegen Barbara Lanzinger, die Vorsitzende der Frauen-Union, Platz 30 auf der bayerischen Liste - den ersten reinen Listenplatz, der nicht mit einem Direktkandidaten besetzt ist. Und weil alle davor platzierten CSU-Größen die Chance haben, ihren eigenen Wahlkreis als Wahlkreiskandidat zu gewinnen und so nach Berlin zu ziehen, reicht Albsteiger ein leicht überdurchschnittliches CSU-Ergebnis bei der Wahl für den Einzug in den Bundestag. Bei den derzeitigen Wahlprognosen sehe es sogar so aus, als hätten beide gute Chancen, sagte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer nach der Entscheidung: Albsteiger und auch Lanzinger, die Platz 31 erhielt.

Die Spannung im Saal 13 der Münchner Messe war mit Händen zu greifen gewesen, als Katrin Albsteiger (29) für ihre Bewerbungsrede ans Mikrofon schritt. Bis dahin waren alle Vorschläge des CSU-Vorstands für die Bundestagsliste weitgehend kommentarlos durchgewunken worden: Die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt auf Platz 1, Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich auf Rang 2, Verkehrsminister Peter Ramsauer auf 3 . . . Um den aussichtsreichen Platz 30 traten erstmals zwei Bewerberinnen an.

Für sie stellt sich die Frage, was die CSU will, sagte Albsteiger. Die unter 30-Jährigen, die sie vertritt, sind inzwischen die zweitstärkste Wählergruppe der CSU, stellte sie fest. Und wer es bis dahin noch nicht mitgekriegt haben sollte, dass sie nicht lange außen herum schwätzt, dem sagte sie es: "Ich bin eine Verfechterin der klaren Kante." Schon bei den persönlichen Daten war das nicht zu überhören: "Verheiratet, noch keine Kinder, aber wir arbeiten daran." Die eine Hälfte der Delegierten konnte sich da ein Lachen nicht verkneifen, die andere schien eher pikiert. Darf man das sagen? Katrin Albsteiger darf, wie das Ergebnis der Abstimmung mit 144 zu 119 zeigt.

Zu ihrem offenen Umgang gehört auch, dass sie auf die Konkurrentin einging: Dass sie Barbara Lanzinger schätzt, in vielen Punkten mit ihr übereinstimmt, aber inhaltlich andere Schwerpunkte hat. Lanzinger, die nach ihr sprach, konnte da nicht mithalten. Sie sagte nichts zur halb so alten Albsteiger und wirkte eher altmodisch. Der deutliche Unterschied im Auftreten mag den Ausschlag gegeben haben, unabhängig davon, dass beide seit Wochen damit beschäftigt waren, sich ihre Unterstützer zu sichern.

Sie war schwer aufgeregt, erzählte Albsteiger, nachdem das Ergebnis bekanntgegeben worden war. Sie ist es jedesmal, wenn sie vor einer großen Zuhörerschar reden muss. "Mir klopft das Herz." Aber jetzt ist es vorbei, sie freut sich auf den Wahlkampf. Dass mit Tobias Zech ein weiterer Vertreter der Jungen Union auf den folgenden Plätzen landete, kann sie schon als einen ihrer Erfolge verbuchen. "Dafür habe ich die letzten Tage die ganze Zeit am Telefon gehangen."

Falls sie den Sprung in den Bundestag schafft, wird sie in den Sitzungswochen in Berlin sein. Aber wenn keine Sitzungen stattfinden, tourt sie durch Bayern und ihren Wahlkreis, versprach die 29-Jährige.

Schon nach ihrer Vorstellung hatte ihr die bayerische Justizministerin Beate Merk vom Sitzungspräsidium aus per SMS gratuliert: "Du hast dich super vorgestellt." Merk hatte Albsteiger auch unterstützt, als diese sich entschied, ihre Landtagskandidatur aufzugeben und sich für den Bundestag zu bewerben. Ein schwieriger Schritt, "der Wechsel war nicht für jeden nachvollziehbar". Sie freue sich, dass dieser jetzt durch das Ergebnis bestätigt werde.

Horst Seehofer schmunzelte über die junge Wilde in der CSU, nachdem er ihr gratuliert hatte. "Ich habe ihr gesagt, ich wünsche ihr alles Gute, aber nicht zu viel Eigenständigkeit." Scherzhaft, versteht sich. Was sie geantwortet hat? "Schau mer mal."

Sichtlich erleichtert war der CSU-Kreisvorsitzende Thorsten Freudenberger, der mit nach München gereist war, um Albsteiger beizustehen. Dieser Platz ist für sie noch keine Garantie für einen Einzug ins Bundesparlament, dämpfte er überzogene Erwartungen. 2009 gab es für die CSU wegen des schlechten Ergebnisses keinen einzigen Listenplatz. Aber es wäre schön, wenn sie es schaffen würde. Dann hätte der Landkreis Neu-Ulm seine eigene CSU-Abgeordnete, neben dem Direktkandidaten Georg Nüßlein aus Günzburg, dem er beste Chancen einräumt. Für ihn ist der Erfolg von Katrin Albsteiger auch ein deutliches Zeichen für die Partei selbst: Die Worte vom Vorsitzenden Horst Seehofer, dass die CSU weiblicher und jünger werden muss, würden umgesetzt.