Ein etwa zehnjähriger getigerter Kater ist der heimliche Star der Grundschule Unterelchingen. Nach einer Streunerzeit hat sich Charly das Schulhaus an der Hauptstraße als Zuhause ausgesucht und lebt seitdem zwischen und mit Schülern und Lehrern.

Eigentlich stammt Charly von einem Bauernhof in der Nachbarschaft. Irgendwann gefiel es ihm aber dort nicht mehr richtig und er war immer öfter in und um das Schulhaus zu finden. „Erst saß er im Pausenhof, dann in der Aula – und das auch nur stundenweise“, erinnert sich Schulleiterin Gertrud Finkbeiner.

Doch der Kater fand immer mehr Gefallen an seinem neuen Zuhause, blieb an Regentagen den ganzen Tag im Schulgebäude und irgendwann auch in den Ferien. „Er hat sich die Schule als Bleibe ausgesucht“, sagt Finkbeiner.

Inzwischen hat Charly diverse Schlafplätze in den Klassenzimmern, eine Futterschüssel in der Aula und ein Katzenklo gleich neben den Schülertoiletten. Seine Lieblingsplätze während des Unterrichts sind ein Sitzsack und der Fensterplatz neben Finkbeiners Lehrerpult in der dritten Klasse.

Die Kinder lieben den getigerten Kater. „Durch Charly lernen die Schüler Rücksichtnahme“, ist sich Finkbeiner sicher. Im Umgang mit dem Kater gelten genaue Regeln: Charly darf gestreichelt, aber nicht hochgenommen oder gejagt werden. „Das bekommen die Erstklässler oder neue Schüler ganz schnell von ihren Mitschülern gesagt“, berichtet Finkbeiner.

Ist eine Klasse zu laut, zeigt Charly sein Unbehagen auf Katerart: Dann verlässt er seinen Ruheplatz und stolziert aus dem Klassenzimmer, auf der Suche nach einer ruhigeren Bleibe. Das wissen die Unterelchinger Grundschüler und sind deshalb besonders leise, wenn Charly in ihrem Zimmer ist.

Probleme wegen des Katers habe es noch nie gegeben, sagt die Schulleiterin. Die Eltern seien vielmehr „begeistert“ über die Schulkatze: „Es gibt doch einige, die kein Haustier haben, es aber gut finden, wenn ihr Kind den Umgang mit Tieren lernt.“ Auch mögliche Katzenallergien seien noch nie ein Thema gewesen, betont Finkbeiner. „Irgendwie spürt Charly, zu wem er nicht so nah hinsollte.“

Auch in den Ferien und an den Wochenenden wird Charly umsorgt. Finkbeiner schaut jeden Tag in der Schule vorbei. Ist sie selbst einmal im Urlaub, besucht ein ehemaliges Elternbeiratsmitglied den Kater. Selbst Handwerker, die in der schulfreien Zeit Reparaturen ausführen, kümmern sich um den Vierbeiner und bringen ihm etwas zu fressen mit.

Zur guten Pflege des Schulkaters gehören auch regelmäßige Impfungen und Entwurmungskuren beim Tierarzt. Ist der Kater krank, nimmt die Schulleiterin ihn auch mal ein paar Tage mit nach Hause. Weil sie selbst einen Hund hat und Charly sich nur in der Schule zu Hause fühlt, ist das immer „nur eine Notlösung“, sagt Finkbeiner.

Sie hofft, dass Charly noch viele Jahre durch die Klassenzimmer stromert und es sich am Rand ihres Pults gemütlich macht. Ein bisschen merke man dem Schulkater sein Alter aber schon an, bedauert Finkbeiner: Um auf das Lehrerpult zu kommen, braucht Charly wegen seiner Arthrose inzwischen eine Treppe aus einem kleineren Tischchen und einem Stuhl.