Illertissen Käufer für Pfizer-Werk in Illertissen

Das Pfizer-Werk in Illertissen
Das Pfizer-Werk in Illertissen © Foto: Matthias Kessler
Illertissen / REGINA FRANK 11.02.2014
Der amerikanische Pfizer-Konzern hat nun einen Käufer für sein Werk in Illertissen gefunden: R-Pharm aus Moskau. Eine Lösung, die von allen Seiten begrüßt wird. Zumal der Übergang gut geregelt ist.

 „Das ist wahrscheinlich das Beste, was uns hat passieren können.“ Mit uns meint Markus Mahler die Belegschaft im Pfizer-Werk und den Betriebsrat, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist. Für das Produktionswerk ist ein Käufer gefunden worden: ein russisches Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Moskau.

Es gab sehr viel Applaus von den Mitarbeitern, als ihnen am Dienstag von der Standortleitung die Nachricht übermittelt wurde. Denn der neue Eigentümer R-Pharm übernimmt nicht nur alle rund 400 Pfizer-Mitarbeiter, er kommt ihnen auch entgegen und übertrifft bei den Konditionen die gesetzlichen Schutzbestimmungen bei weitem. „Das macht jemand, der motivierte Mitarbeiter haben will“, sagt Mahler. Die russische Pharmafirma setze den Wunschkatalog der Arbeitnehmervertreter voll um: Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband, Tarifbindung, Nichtantasten der Arbeitsverträge und der Altersvorsorge – um nur einige Beispiele zu nennen. „Alles wird 1:1 fortgeführt.“

Nicht zuletzt hat der Illertisser Pharma-Standort unter dem Dach von R-Pharm offenbar Zukunft. Der neue Eigentümer ist nach Mahlers Informationen in technischen Nischen unterwegs. Anders ausgedrückt: Er setze nicht auf Massenproduktion. In diesem Fall hätte langfristig Arbeitsplatzabbau gedroht. Es kam anders: Die Ausrichtung von R-Pharm passe gut zu dem innovativen Werk in Illertissen, das mit Hilfe einer einzigartigen Technologie und qualifizierten Chemielaboranten, Mechatronikern und Apothekern das Nikotin-Entwöhnungsmittel Champix herstellt.

Mindestens bis Ende 2018 produziert und verpackt der Standort noch für Pfizer. Das ist vertraglich abgesichert, sagt eine Unternehmenssprecherin. Sie spricht ebenfalls von einer guten Nachricht für den Standort, zumal die Pfizer-Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen übernommen werden und eine Stabilitätsklausel eine dreijährige Arbeitsplatzsicherheit festschreibt. Das Schicksal der wenigen Leiharbeiter ist indes noch unklar.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit R-Pharm einen starken Partner gefunden haben, der in den Standort investieren möchte und auf die hochqualifizierte, motivierte Belegschaft setzt“, sagt Dr. Holger Weyhers, der Leiter des Pfizer-Produktionswerks. R-Pharm sei eines der führenden pharmazeutischen Unternehmen in Russland und plane, sein operatives Geschäft nach Westeuropa zu erweitern. „Wir sehen der Zukunft mit R-Pharm sehr zuversichtlich entgegen, denn wir haben für das Werk, seine Mitarbeiter und den Standort Illertissen die besten Voraussetzungen geschaffen.“

Der Betriebsbetreuer der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Benjamin Freund, sieht grundsätzlich positiv, „was auf dem Tisch liegt“. Weil der Käufer seines Wissens aber in Deutschland noch keine Fußstapfen hinterlassen hat, schaltete der Gewerkschaftssekretär die internationale Abteilung der IG BCE ein – um zu prüfen, ob der neue Eigentümer verlässlich ist.

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