Kreis Neu-Ulm / Claudia Schäfer

Im Landkreis wird über die finanzielle Misere der Kreiskliniken debattiert, auf Bundesebene sorgen Vorschläge von Gesundheitsminister Jens Spahn zur Pflege für Gesprächsstoff. Angesichts dieser brisanten Debatte hat sich die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Iller-Donau klar auf die Seite der Beschäftigten in den Krankenhäusern und Pflegeheimen gestellt. Ihr Ziel: Den Pflegenden ein Gefühl der Wertschätzung zu geben und ihre Situation konkret zu verbessern.

Unter dem Motto „Ihre Arbeit ist Gold wert“ haben KAB-Vertreter in den vergangenen Monaten Krankenhäuser und Altenheime in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg, darunter die Kliniken in Weißenhorn, Neu-Ulm und Illertissen aufgesucht und mehr als tausend  in Goldpapier verpackte Süßigkeiten verteilt. Bis zum Halbjahr folgen Besuche in den restlichen Einrichtungen.

Wie KAB-Betriebsseelsorgerin Martina Berndt-Hoffmann bei einem Pressegespräch in Weißenhorn sagte, sei die Aktion auf eine sehr positive Resonanz gestoßen und es hätten sich viele gute Gespräche ergeben: „Vielen hat diese Geste einfach gut getan.“ Laut Berndt-Hoffmann sorgten immer umfangreichere Dokumentationspflichten, ein hoher Arbeitsdruck und ein hoher Krankenstand für immensen Frust bei den Beschäftigten. Trotzdem versuchten die meisten, den im Alltag erlebten Druck nicht an die Patienten weiter zu geben, sagte KAB-Sekretär Kai Kaiser.

Einfache Lösungen, so die KAB, werde es nicht geben. Laut Präses Ulrich Hoffmann sind eine gesellschaftliche Debatte und ein Umbau des Systems notwendig. Das derzeitige System funktioniere nur noch „durch die Ausbeutung gutmeinender Menschen“. Über das Thema Pflege wird Hoffmann in seiner Funktion als Präsident des Katholischen Familienbundes in der kommenden Woche mit Gesundheitsminister Jens Spahn sprechen. Vor Ort soll es interne Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises geben.

Um die Beschäftigten in der Pflege zu stärken, unterstützt die KAB die Mitarbeiter dabei, sich besser zu vernetzen. Und sie bietet Kurse an, etwa ein Resilienztraining. Versucht werde, eine Art betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen, um Kurse auch während der Arbeitszeiten anbieten zu können, sagte Kai Kaiser. Die Schichtarbeit und die hohe Belastung mache es den Mitarbeitern ohnehin schwer, noch etwas für eine Verbesserung ihrer Arbeitsumstände zu unternehmen. Kaiser betonte, auch die Arbeitgeber würden eingebunden. Auch sie seien ja  im bestehenden System gefangen.

Eine weitere Aktion der KAB Iller-Donau stellt die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt und greift damit globale Themen wie Flucht und Vertreibung, Energieverbrauch, Ressourcenverschwendung und Menschenrechte auf. Ab kommende Woche ist die Karikaturenausstellung „Glänzende Aussichten“ erst in Senden (14. März bis 1. April), Thalfingen (7. bis 22. April), Pfaffenhofen und Holzheim (27. April bis 15. Mai) sowie Weißenhorn (17. Mai bis 14. Juni) zu sehen.

„Mit einem Schmunzeln“

In den 99 Bildern steckten mehr als 20 Themen, sagte Reinhold Reibl, zusammen mit Ingrid Sommer paritätisch gewählter Vorsitzender des KAB-Kreisverbands. Präsentiert würden diese „nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern mit einem Schmunzeln“. Auch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit mehr als 20 Veranstaltungen wird es geben, dazu hat die KAB vom Bund Naturschutz bis zu mehreren katholischen und evangelischen Pfarreien viele Bündnispartner gefunden, eine „tolle Sache“, wie Reibl findet.

In Weißenhorn, wo „Glänzende Aussichten“ im Vorjahr schon kurz zu sehen war, wird die Ausstellung von Aktionen der Schulen begleitet. Sie glaube, dass viele Jugendliche mehr sensibilisiert seien für die Themen der Ausstellung als manche Erwachsene, erzählte Ingrid Sommer. So hat die Kunst-AG des Gymnasiums eigene Karikaturen gefertigt. Die Arbeiten der Schulen sollen bei der Kulturnacht im Mai präsentiert werden.

Kreisverband hat 650 Mitglieder

Ausstellung Infos zur Ausstellung „Glänzende Aussichten“ und zum Rahmenprogramm gibt es im Internet unter www.kab-illerdonau.de/99.

Kurzportrait Sitz des KAB-Kreisverbands Iller-Donau ist das Arbeitnehmerzentrum im Weißenhorn. Derzeit hat der Kreisverband 650 Mitglieder. Er unterstützt die Aktivitäten der acht Ortsverbände (Neu-Ulm, Thalfingen, Vöhringen, Senden, Witzighausen-Wullenstetten, Weißenhorn, Günzburg, Jettingen-Scheppach).