Engagement Junge Langenauerin hilft Erdbebenopfern

Langenau / Barbara Hinzpeter 23.08.2018

Erneut bebte am Wochenende die Erde auf der indonesischen Insel Lombok, zum wiederholten Male seit Anfang August. Wieder stürzten Häuser ein, wieder brachen Straßen auf. Der Strom fiel aus, und die Langenauerin Isabella Stöckle hatte eine Zeitlang keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter Sina.   Die ist als Backpackerin auf Weltreise und kam nach den ersten Beben auf die Insel. Anders als die meisten Touristen blieb sie, obwohl ein Ende der Naturkatastrophe nicht abzusehen ist. Sie fand Gleichgesinnte, die Hilfsaktionen einleiteten. Sie sammeln Spenden und verteilen sie vor Ort. Die Häuser der Einheimischen im Norden der Insel sind zerstört, die Menschen haben alles verloren.

Die indonesische Insel Lombok und die vorgelagerten Gili-Inseln sind beliebte Urlaubsziele. Reisterrassen, Traumstrände oder Partymeilen und nicht zuletzt ein Paradies für Schnorchler und Taucher locken die Touristen. Das hatte sich Sina Stöckle als letzte Station ihrer Weltreise ausgesucht. Sie hatte ihren Job an der Uni Ulm an den Nagel gehängt und war vor fünf Monaten in der Erwartung aufgebrochen, „andere Menschen, Kulturen und die faszinierende Natur kennenzulernen“. Sie habe wunderbare Begegnungen gehabt, schreibt sie. Aber immer auch das Gefühl, etwas zurückgeben zu wollen und auf eine Aufgabe zu warten. Die habe sie auf Lombok, am Ende ihrer Reise gefunden.

Eigentlich hatte sie schon Ende Juli dort sein wollen. Doch eine Krankheit hielt sie in Malaysia fest, während das erste Beben am 29. Juli den Norden der indonesischen Insel zittern ließ. Am 5. August buchte Sina Stöckle für den darauffolgenden Tag einen Flug nach Lombok – zwei Stunden vor dem großen Erdbeben. „Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht“, gesteht sie. Trotzdem stieg sie am Tag vor ihrem 25. Geburtstag planmäßig ins Flugzeug. Zumal es hieß, der Süden der Insel sei verschont geblieben und sicher. Schon bei der Ankunft konnte sie jedoch das Ausmaß der Katastrophe erahnen:  Der Flughafen war völlig überfüllt mit Menschen, „denen die Panik ins Gesicht geschrieben stand und die nur noch wegwollten“.

Es gelang der Langenauerin in all dem Chaos ein Taxi zu finden, das sie in ein Hostel im Süden brachte. Auch dort gab es nur ein Gesprächsthema: Das vorangegangene Beben und die damit verbundene Tsunami-Warnung. „Plötzlich, kurz vor Mitternacht, hat die Erde wieder angefangen zu wackeln“, schreibt sie. Panik, Entsetzen und Hilflosigkeit hätten sie ergriffen. Weitere Nachbeben folgten, und auch sie wollte im ersten Moment nur noch weg. Dennoch blieb sie, als sich die Touristenorte leerten. Dabei war ihr klar: Sie würde die Traumstrände der Inseln nicht genießen können, während die Einheimischen alles verloren haben.

Sie fuhr in den Norden und war erschüttert: „Man kann sich gar nicht vorstellen, was ein Erdbeben anrichtet.“ Trümmer, soweit das Auge reicht: Wellblechdächer liegen auf kollabierten Häusern, Krankenhäuser und Moscheen sind eingestürzt. Menschen versuchen, etwas Brauchbares aus den Trümmern ihrer Wohnungen zu retten. Sina Stöckle traf eine junge Niederländerin, die Hilfe organisierte, sowie einen Tauchlehrer, der aus Spanien stammt. Auch er und seine Kollegen packten an, sammelten Spenden. Sina Stöckle rief ebenfalls über Instagram und Facebook zu Spenden auf. Mit dem Geld kaufen die Helfer Lebensmittel, Decken und Medikamente und schaffen sie von Bali nach Lombok.

Ausgebildete Krankenschwester

Die 25-Jährige bringt vor allem auch ihre Kompetenz als Krankenschwester ein. Momentan versuchen sie und ihre Mitstreiter die individuellen Helfer und Gruppen zusammenzubringen und zu koordinieren, um effektiver zu helfen. Denn die Hilfstransporte in die Camps in den Norden verstopften bisweilen die Straßen.

Und immer wieder werden sie überrascht vom erneuten Zittern der Erde. „Aber sie schlafen draußen und sind sicher“, ist ihre Mutter Isabella Stöckle überzeugt. Sie hoffe aber, dass ihre Tochter wie geplant am 27. August nach Hause fliegen könne. Auch von daheim aus werde sie Kontakt mit den Helfern halten, schreibt Sina Stöckle, „damit ich weiß, was mit den Spenden passiert, die ich ihnen zukommen lasse“.

Erdbeben mit Hunderten Toten

Naturgewalt Am 5. August starben nach Angaben der Behörden mehr als 460 Menschen bei einem Beben auf der indonesischen Insel Lombok, das die Stärke 6,9 hatte. Der Inselstaat liegt am Pazifischen Feuerring, wo es besonders viele Vulkane und Erdbeben gibt. In der Folge gab es in der Region auch immer wieder Nachbeben, das am 19. August erreichte eine Stärke von 6,3.

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