Oberelchingen Josef Seitz chauffierte einst den Oberelchinger Bürgermeister Konstantin Vidal

Josef Seitz fährt auch heute noch gerne Auto. Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre war er Fahrer des damaligen Oberelchinger Bürgermeisters Konstantin Vidal.
Josef Seitz fährt auch heute noch gerne Auto. Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre war er Fahrer des damaligen Oberelchinger Bürgermeisters Konstantin Vidal. © Foto: Barbara Hinzpeter
Oberelchingen / BARBARA HINZPETER 17.10.2014
Er fährt immer noch gerne Auto. Und wenn es sein muss, nimmt Josef Seitz auch den Bulldog. Kürzlich feierte der Oberelchinger, der einst Bürgermeister Konstantin Vidal chauffierte, seinen 90. Geburtstag.

"Konstantin Vidal war ein feiner Mann", sagt Josef Seitz. Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre gab es noch wenige Autos im Dorf. Seitz besaß einen kleinen Opel, und der Oberelchinger Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landrat Konstantin Vidal ließ sich gerne von ihm fahren. Seitz chauffierte ihn ins Maximilianeum nach München oder zum Gemeindetag nach Augsburg, aber auch ins Rheinland.

"Wir sind viel herumgekommen. Konstantin Vidal hat viel erzählt und er wusste, wo Adenauer gespeist und Strauß übernachtet hat." Manchmal kehrten die Oberelchinger in diesen Gasthöfen ein, erinnert sich Seitz. Der gelernte Sattler war nach dem Krieg im Hauptberuf Landwirt. Der heute 90-Jährige ist ein wandelndes Geschichts- und Geschichtenbuch. Lebhaft und spannend erzählt er von seinem abenteuerlichen Fluchtversuch aus der Kriegsgefangenschaft durch Polen, als obs gestern gewesen wäre. Am Schmerzensfreitag 1946 kehrte Josef Seitz heim - ausgerechnet an jenem hohen Feiertag der Oberelchinger Wallfahrt und Bruderschaft, an dem der sieben Schmerzen Mariens gedacht wird. Die Muttergottes bedeutet ihm viel, er besucht häufig Stätten der Marien-Erscheinungen.

Viele Jahre lang hat er in Oberelchingen am ehemaligen Prozessionsweg zu Fronleichnam den Altar geschmückt. Der frühere Mesner Karl Rösch hatte ihm dazu ein samtenes Altartuch überlassen, ein mit Goldfäden besticktes Antependium. Pfarrer Ralf Gührer staunte nicht schlecht, als Seitz in diesem Jahr an einem Sommertag mit dem Bulldog die Klostersteige hochtuckerte und ihm das kostbare Stück brachte. "Fürs Auto war es zu groß", sagt Seitz. Zufällig war an diesem Tag die Textilexpertin Anna Szubert vom Landesdenkmalamt vor Ort. Sie sah sofort: Das Samttuch ist äußerst wertvoll und gehört zum Festgewand der Oberelchinger Madonna, das die Bruderschaft um 1730 gestiftet hat. Es ist sehr gut erhalten, anders als die Fahnen, die ebenfalls Teile des Ensembles sind und auf dem Dachboden der Kirche vor sich hin bröselten. Deshalb ist es für Gührer ein "großer Glücksfall, dass das Antependium bei Josef Seitz so sorgfältig aufbewahrt worden ist".

Seitz sähe es gerne, wenn sein Namenstag am 19. März wieder ein Feiertag wäre. Dafür setzt sich die "Königlich-Bayerische Josefspartei" ein. Sie ist keine Partei, eher ein Brauchtumsverein, dem Seitz ein paar Jahre nach der Gründung beitrat. Er hat heute mehr als 6000 Mitglieder, Seitz Ausweis trägt die Nummer 697. Er zeigt ihn vor, wenn er sich im Verein als Schwabe diskriminiert fühlt. "Dann schauen alle ehrfürchtig, weil ich schon so lange dabei bin", sagt der Oberelchinger. "Konstantin Vidal war auch drin."

Schon von 1926 an war Vidal Bürgermeister von Oberelchingen. Die Nationalsozialisten setzten ihn 1933 ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wieder Bürgermeister (1945 bis 1972), CSU-Landtagsabgeordneter und Vize-Landrat. Seitz hebt Vidals Menschlichkeit hervor. Dieser sei ein eleganter Mann gewesen. Das trifft auch auf Josef Seitz zu, der ein schickes grünes Hemd zur schwarzen Hose trägt. "Ich bin ein bisschen eitel", sagt er augenzwinkernd.

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