Veranstaltung Jetzt sind auch noch die Narren sauer

Sieht doch ganz begeistert aus: Der Sendener Bürgermeister Raphael Bögge (im blauen Kostüm) beim Rathaussturm vor zwei Jahren. Heuer könnte die Veranstaltung ausfallen.
Sieht doch ganz begeistert aus: Der Sendener Bürgermeister Raphael Bögge (im blauen Kostüm) beim Rathaussturm vor zwei Jahren. Heuer könnte die Veranstaltung ausfallen. © Foto: Thomas Vogel
Niko Dirner 14.01.2019

Hat es sich der Sendener Bürgermeiste Raphael Bögge – den alle Stadträte, wie berichtet, loswerden wollen – jetzt auch mit den Narren verscherzt? Dafür gibt es einige Hinweise. Er selbst spricht von „Missverständnissen in der Kommunikation innerhalb der Faschingsvereine” und macht einen Kompromissvorschlag. Es geht um den Rathaussturm. Doch der Reihe nach.

Die sechs Sendener Faschingsgesellschaften hatten zunächst einen Plan: Sie wollten heuer erstmals eine gemeinsame, große Veranstaltung auf die Beine stellen, um Bögge symbolisch und mit den Bürgern – vor allem den Schulkindern und den Jugendlichen – zusammen den Rathausschlüssel abzunehmen. Imbisshütten sollten vor dem Verwaltungssitz aufgestellt werden, Tanzaufführungen waren geplant, nach dem Sturm sollte bis 22 Uhr ein DJ für Musik sorgen.

Zu große Dimension

Security-Leute sollten für Sicherheit sorgen. Bögge habe, so Sprecher der Vereine, diesem Vorhaben zunächst auch zugestimmt. Dann aber habe er einen Rückzieher gemacht und 400 Hästräger, Guggenmusiker und Karnevalisten ziemlich verärgert. Grund: Die Sause am Rathaus schien ihm plötzlich zu groß, an der vielbefahrenen Kreuzung Kemptner Straße/Hauptstaße nicht mehr gefahrlos zu bewerkstelligen.

So richtig auf die Palme gebracht hat die Faschingsfreunde aber offenbar erst der Gegenvorschlag des Stadtoberhauptes. Statt das Rathaus zu stürmen, sollten die Narren und Hästräger doch das Bürgerhaus stürmen. Er würde davor für ein Foto zur Verfügung stehen. Damit, so die Vereinsvorsitzenden, habe Bögge gezeigt, dass er die hiesigen Traditionen nicht kenne oder nicht verstehe. Für die Faschingsfreunde steht fest: Bögge habe keine Lust auf Fasching, deshalb habe er das Konzept „Rathaussturm und Narrenparty“ abserviert.

Dieser widerspricht per Facebook-Eintrag: Zum einen habe er den Rathaussturm nicht abgesagt. Es habe ein Gespräch gegeben, an dem er anfangs teilgenommen habe. Hinterher habe er ein Protokoll zur Entscheidung vorgelegt bekommen und daraufhin um Klärung von Punkten gebeten. „Diese wurden zwischen Verwaltung und Vereinen angesprochen, konnten aber nicht geklärt werden, worauf die Absage durch die Vereine erfolgte.“ Zum anderen hätten die Faschingsvereine sich offenbar intern nicht gut abgestimmt und zuerst mit der Presse statt mit dem Rathaus geredet.

Bögge serviert aber gleich ein ausgetüfteltes Kompromissangebot: Das Rathaus könne natürlich wie üblich und geplant gestürmt werden. Die Uhrzeit könnten die Vereine festlegen. Alle Sendener seien „selbstverständlich“ vors Rathaus eingeladen. Danach könnte es einen gemeinsamen Umzug der gesamten Festgesellschaft zum Bürgerhaus in der Stadtmitte geben, vor welchem dann die geplante Party stattfinden könnte. „Dies sollte ein guter Kompromiss sein, der allen entgegenkommt“, schreibt Bögge.

Sperrung nicht möglich

Vor dem Rathaus die Party zu machen, sei schlicht nicht möglich, weil die „Hauptkreuzung“, gemeint ist vermutlich die so genannte Rathaus-Kreuzung, „aus Sicherheitsgründen” nicht gesperrt werden könne. Außerdem fehle es vor und im Rathaus an den notwendigen „öffentlichen sanitären Anlagen” für eine größere Veranstaltung. Diesbezüglich habe es im vergangenen Jahr „sehr unschöne Szenen” beim Rathaussturm gegeben, „deren Wiederholung Vereine und Verwaltung nicht wünschen”. Es geht dabei, wie zu hören ist, um total verdreckte Toiletten.

Bürgermeister Bögge teilt weiter mit, er habe die Vorsitzenden aller Fastnachtsvereine zu einem Gespräch eingeladen. Er hoffe nun auf „einen gemeinsamen Rathaussturm 2019”. Von den Vereinen gab es gestern zunächst gegenüber der SÜDWEST PRESSE keine Reaktion zum neuen Angebot der Stadtverwaltung.

Die sechs Faschings-Gruppierungen in Senden

Vielfalt Senden ist zwar nicht so eine Faschings-Hochburg, wie etwa Weißenhorn. Doch haben sich hier über die Jahre auch zahlreiche Gruppierungen und Vereine gebildet. Mit die längste Tradition hat sicherlich der bereits 1969 gegründete CCI, der Carneval Club Illertal. Die Narrenzunft „D’Illerstoi Senden“ wurde 1980/81 Ins Leben gerufen – sie ist seit 1998 ein eingetragener Verein. Seit 2104 erst dabei sind die „Illertal Dämonen“. Außerdem gibt es noch den Schalmeien-Express „Illertal“ Senden. Von der Narrenzunft Senden kommen die Grenzstoi-Hexa. Und in den beiden kleineren Stadtteilen sind die Faschingsfreunde Hi-Wi (Hittistetten-Witzighausen) aktiv.

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