Serie Jakob Fischer im Garten: Besser als gekauft

Von Inge Sälzle-Ranz 21.08.2018

Annelies Loop drückt den Behälter, ihr Gatte Heiner dreht die Mühle: Arbeit ist angesagt. Doch man erkennt sofort: Es ist viel Vorfreude dabei auf den eigenen Saft. Denn: „Da weiß ich, was ich hab“, sagt Annelies Loop.

„Der August ist für uns der Startmonat zur Verwertung unseres Obstes“, erklärt Heiner Loop und verweist auf zentnerweise Reineclauden, die bereits geerntet und verschenkt wurden. Auch die Früh­zwetschgen sind längst gegessen. Der August-Apfel, auch Klarapfel genannt, erinnert Loop immer wieder an die Kindheit in Deutschlands Norden, doch in Tiefenbach steht jetzt die Ernte von Jakob Fischer an. Später folgen noch andere, deren Namen er gar nicht kennt. Sie sind ein wenig kleiner als sonst, haben aber schon rote Backen. Die Apfelernte hat es heuer in sich. „So volle Bäume hatten wir noch nie“, sagt Annelies Loop und zeigt auf die Stützen, die notwendig waren, damit die Äste nicht abbrechen.

Annelies Loop pasteurisiert den Saft nicht, sondern friert ihn ein. Doch der Reihe nach. Damit sie mit der Qualität zufrieden ist, wäscht sie die Äpfel zuerst. Dann schneidet sie Wurmiges und Fauliges raus und teilt die Früchte in kleinere Stücke. So ist es leichter, sie durch die Mühle zu drehen, wo mehrere Walzen Maische aus dem Obst machen. Diese kommt in eine Presse, die Heiner Loop kräftig drückt, bis der braune Saft fließt. Anschließend wird er in PET-Flaschen abgefüllt und tiefgefroren. „So haben wir im Winter frischen Apfelsaft für unser Schorle. Wenn man die Flasche über Nacht in den Kühlschrank stellt, ist der Saft am nächsten Morgen aufgetaut und trinkbar“, erklärt Annelies Loop. „Der schmeckt ganz anders als gekaufter“, bestätigt Heiner Loop und meint damit: „um Klassen besser.“

Bei Insekten begehrt

Der Garten der Familie Loop hat sich verändert in den vergangenen vier Wochen. Der August schafft anderes Licht, die Königskerzen sind verblüht, dafür zieren riesige blaue Schmucklilien schon den Eingang zum Garten. Spätsommerliche Stauden rücken ins Blickfeld, darunter zarte Herbstanemonen und Phlox. Auf dem mit einer fünfjährigen Samenmischung extra für die Insekten geschaffenen Blumenbeet leuchten nur noch gelbe Ringelblumen, blauer gemeiner Natternkopf und etwas Weißes, Kleines, für das kein Name parat ist. Ein bisschen enttäuscht ist Heiner Loop von dem Projekt, es hat nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Aber bei den Insekten ist es weiterhin begehrt. Am Teich spielt Annelies Loop mit Gelenkblumen, dreht die Blüten nach links und nach rechts. Die Minze ist nach wie vor bevölkert von tausenden Insekten, doch die Gräser haben überhandgenommen, so dass Heiner Loop demnächst mit der Schere angreifen möchte. „Der Wildwuchs muss eingedämmt werden, der Teich braucht eine Generalkur“, sagt er „Alles, was zu weit ins Wasser sackt, muss weg.“

Auf dem Gemüsebeet sind noch sechs Gurken von überdimensionaler Größe übrig. „So viele wie dieses Jahr hatten wir noch nie“, erzählt Annelies Loop. „Wir essen jeden Tag eine.“ Die Buschbohnen und Erbsen sind  abgeerntet, die neuen Endivienpflänzchen bereits gesetzt, dazwischen Fallen mit einem regenfesten Schneckenkorn, das Igel und andere Haustiere schont, aber eine sehr gute Lockwirkung haben soll. Der Mangold steht in voller Farbenpracht und bereichert so manches Mittagessen. Leckeres Lauchgemüse gab es auch schon, und die Schmelzkohlrabi sind eine Wucht.

Im Hochbeet hat sie bereits Ackersalat gesät, den sie in diesem Winter auch im Gewächshaus unterbringen möchte. Der Vorteil: Wenn draußen Schnee liegt, kann man trotzdem Salat ernten. Nicht ganz glücklich sind die Hobbygärtner heuer mit dem Ergebnis ihrer Tomatenzucht. Zwar reicht es locker dafür, dass sie jeden Tag naschen oder gar Salat essen können, doch ein paar Pflanzen mussten ausgemustert werden. „Wahrscheinlich standen sie zu dicht“, vermutet Heiner Loop.

Dafür gedeihen die Paprika prächtig, und Herbsthimbeeren und Brombeeren locken im Vorbeigehen.

Genießen und gleichzeitig vorsorgen

Karussell Fallobst sollte aufgesammelt werden, denn viele halbreife Äpfel tragen einen Gast in sich: die Raupe des Apfelwicklers. Lässt man die Früchte liegen, verlassen die Tiere den Apfel, verpuppen sich im Boden und entwickeln die nächste Faltergeneration, die dann im kommenden Jahr wieder ihre Eier in den Äpfeln ablegt.

Doppelt Feldsalat sollte zwischen Anfang August, spätestens Ende August gesät werden. Wer erst im Frühjahr ernten möchte, der hat noch Zeit bis September. Die Samen werden breit in Reihe gestreut und einen bis eineinhalb Zentimeter tief in die Erde gerecht. Später werden die Sämlinge auf zehn bis 15 Zentimeter in der Reihe vereinzelt, Reihenabstand etwa 15 bis 20 Zentimeter. Doppelte Wirkung: Feldsalat ist auch ideale Gründüngung für abgeerntete freie Beete.

Erdbeeren Im August werden auch Erdbeeren gepflegt, das heißt, die abgestorbenen und kranken Blätter müssen entfernt werden, wenn die Pflanzen ein weiteres Jahr im Beet bleiben sollen. Danach mit Kompost versorgen. Vorgezogene Ableger werden jetzt eingesetzt. Bei Trockenheit gießen!

Nährstoffe Wenn Bohnen und Erbsen geerntet sind, bleiben die Wurzeln in der Erde. Sie versorgen den Boden mit Stickstoff. Bis zum Frühjahr sind die Wurzeln dann von allein verrottet.

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