Gute Fotos können zeitaufwendig sein. Das weiß Architektur- und Sportfotograf Hans Stützlein aus Jahrzehnte langer Erfahrung. Fast eine Stunde lang musste sich der Blausteiner vor vier Jahren an einem Sommerabend in der Neuen Mitte Ulm gedulden, bis gegen 22 Uhr der perfekte Moment gekommen war. "Ich wollte keine Leute und möglichst wenig Autos auf dem Bild haben." Das Warten hat sich für den 80-Jährigen gelohnt: Seine Aufnahme wurde am Freitagabend bei der Eröffnung der Jahreskunstausstellung mit dem Weißenhorner Kunstpreis ausgezeichnet. 40 Künstler hatten ihre Werke zum diesjährigen Motto "Nachtlicht - Phantasien zwischen Hell und Dunkel" eingereicht.

Das Sieger-Foto entstand mit einer Nikon-D200-Kamera und zeigt einen Teil der Neuen Straße auf Höhe des Ulmer Museums Richtung Osten. "Ich möchte mit diesem Bild Freude und Farbe, aber auch Ruhe ausdrücken", sagte Stützlein. Museumsleiter Matthias Kunze lobte in seiner Ansprache das "kalkulierte Operieren mit Spiegeleffekten und die suggestive Leuchtkraft". Zu den weiteren Ausstellungsobjekten Stützleins gehörten der Lissabonner Hauptbahnhof sowie die Uferstraße von Tel Aviv. Der ehemalige Vorsitzende der Blausteiner Fotofreunde gewann nach eigenen Angaben bisher rund 220 Preise bei Wettbewerben.

Der Jugendkunstpreis ging an zwei Schülerinnen des Kunstzweigs der Weißenhorner Realschule. Zum einen überzeugte Selina Fink aus Gannertshofen mit ihrem Aquarell-Bild "Lichterfahrt" die Jury. Zu sehen ist ein junges Pärchen, das auf einem Glühbirnen-Ballon über einer Stadt der Düsternis der Dunkelheit entschwebt. "Mit diesem Bild möchte ich das Thema Freiheit ansprechen", sagte die 15-Jährige.

Zum anderen gewann Katrin Müller aus Biberberg mit einem romantischen Bild, auf dem ein riesiger Vollmond seine ganze Strahlkraft hinter Bäumen entfacht. Beim genaueren Hinsehen vereinigen sich im Vordergrund Äste der Bäume zu Tanzpaaren.

Aber auch andere Werke der Jahreskunstausstellung sind durchaus preisverdächtig. Etwa die Fotografien des Weißenhorner Künstlers Josef Feistle, der die späten Abendstunden und die Nacht für sein kreatives Schaffen bevorzugt. "Ich schreibe viele Bücher zu später Stunde, wenn es ruhiger und stiller wird." Seine ausdrucksstarken und gleichzeitig schlichten Aufnahmen in Schwarz-Weiß hat er während einer Ostsee-Schifffahrt sowie während Abendspaziergängen durch Neu-Ulm gemacht. Teils mit einer teuren Leica-Kamera, teils mit "billigen Apparaten aus der Wühlkiste". Ein Hingucker ist das hintergründige Ölgemälde "Der Kunsterzieher" von Maler Norbert Riggenmann.

Museumsleiter Kunze: "Aus den eingereichten Arbeiten ist diesmal eine besonders homogene und harmonische Schau entstanden." An den Bildern könne man spüren, wie sehr die Nacht mit ihrer aus Licht und Schatten erwachsenen Magie die Fantasie der Künstler inspiriere. Bürgermeister Wolfgang Fendt lobte vor allem die Werke der 15 Realschüler, die im Dachgeschoss ausgestellt sind. "Wir brauchen uns um den künstlerischen Nachwuchs keine Sorgen zu machen."

Info: Die Jahreskunstausstellung ist bis 3. Juli im Heimatmuseum zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr.