Illertissen Integriertes Klimaschutzkonzept für Illertissen ist erarbeitet

Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 03.08.2013
Anreize zum Energie- und Geldsparen schafft das jüngst vorgelegte integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Illertissen. Stadtrat und Verwaltung sehen es als Ansporn, neue Ideen für den Klimaschutz umzusetzen.

Es ist ein Leitfaden für die Zukunft, der den Illertisser Stadträten in der letzten Sitzung vor der Sommerpause vorgelegt wurde. Ganz vollständig war er noch nicht, die Münchner Firma K. Greentech, die ihn ausgearbeitet hat, will ihn aber den Kommunalpolitikern demnächst auf mehr als 100 Seiten komplett aushändigen. Dann sind die Kommunalpolitiker am Zug. "Wir müssen das Konzept Schritt für Schritt abgehen", kommentierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Ostermann, nachdem Gerhard Reisinger (Bürgerliste) kritisiert hatte, das sei "ein schöner Bericht, der nichts bringt".

Die Stadtverwaltung sieht das anders. "Ein Jahr akribischer Bestandsaufnahme und intensiver Maßnahmenplanungen, eine aktive Bürgerbeteiligung, die Vision einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Energieversorgung bei gleichzeitiger regionaler Wertschöpfung: In diesem Rahmen nahm die Stadt Illertissen die Herausforderungen einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 in Angriff und schließt nun im August 2013 erfolgreich ihre Arbeit an einem Integrierten Klimaschutzkonzept ab", urteilt sie. Das Herzstück des Konzepts sei die Weiterentwicklung von Energieerzeugung und -verteilung unter besonderer Berücksichtigung erneuerbarer Energien aus der Region. Dabei würden energiesparende Technologien Anreize zum Energie- und Geldsparen schaffen - sowohl bei Privatleuten als auch auf kommunaler Ebene.

Ein Leitfaden als Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende, exakt angepasst an die Voraussetzungen und Möglichkeiten in Illertissen, das war das Ziel des Maßnahmenkatalogs. Er wurde zu zwei Dritteln vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert. Das Ergebnis: Bis 2030 könne Illertissen die CO2-Emissionen um 56 Prozent gegenüber dem Ausgangsjahr 1990 reduzieren, heißt es. Damit würden die Reduktionsziele übertroffen, die der Landkreis Neu- Ulm in einem eigenen, im November 2012 beschlossenen Konzept anstrebt.

Bürgermeisterin Marita Kaiser erklärt: "Die Stadt Illertissen muss sich nicht verstecken, wenn es um Klima- und Umweltschutz geht. Für einen Standort mit viel Industrie kommen wir sehr gut voran. Das Klimaschutzkonzept ist für uns ein Ansporn, unser Engagement noch zu verstärken. Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs, zur Steigerung der Effizienz und zum Ausbau der erneuerbaren Energien werden definiert und weiter vorangetrieben. Besonderen Wert legen wir darauf, das Projekt Energiewende" gemeinsam mit den Bürgern auf den Weg zu bringen."

Neben der ökologischen Bedeutung des Konzepts liegen laut Kaiser die ökonomischen Vorteile für die Stadt auf der Hand. An die Stelle teurer Energieimporte tritt Wertschöpfung innerhalb der Region. Ein Gewinn auf der sozialen Ebene sei das aktive Engagement der Bürger. Die Münchner K. Greentech GmbH, die den Leitfaden auf der Basis einer detaillierten Analyse der aktuellen Energiebilanz und der noch ungenutzten Potenziale der Stadt erstellt habe, unterstütze die Stadtverwaltung praxisorientiert und bürgernah.

Darin sind sich Marita Kaiser und ihre Verwaltungsleute Markus Weiß, Gerhard Steinle und Patrik Matzner einig. Was jetzt tatsächlich daraus umgesetzt wird, ist Aufgabe des Stadtrats. Nicht nur Jürgen Eisen (CSU) sieht das kritisch: "Eine unserer Aufgaben wird beispielsweise sein, die Bürger dazu zu bringen, ihr Haus zu dämmen. Aber 40 000 bis 50 000 Euro hat nicht jeder."