Neu-Ulm Integration und Arbeit für Flüchtlinge

Ehrenamtliche aus den Helferkreisen, Flüchtlinge und Fachleute aus den Ämtern haben beim Dialogforum über das Thema Asyl diskutiert.
Ehrenamtliche aus den Helferkreisen, Flüchtlinge und Fachleute aus den Ämtern haben beim Dialogforum über das Thema Asyl diskutiert. © Foto: LISA MARIA SPORER
Neu-Ulm / LISA MARIA SPORRER 19.02.2016
Bereits zum dritten Mal hat der Landkreis Neu-Ulm das Dialogforum Asyl veranstaltet. Diesmal im Vordergrund der Diskussion der Helferkreise: Integration und Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge.

Warum er Mali verlassen habe, was er dort in der Schule gelernt habe und welche Hilfe er sich hier in Deutschland wünsche. Das hat Romy Schlachter-Zeh vom Helferkreis Vöhringen Cena Tore aus Mali beim jüngsten Dialogforum Asyl in Neu-Ulm gefragt. Der junge Mann beantwortete die Fragen in nahezu perfektem Deutsch: Zweieinhalb Jahre sei er nun schon hier, die Rebellen im Norden seines Landes hätten seine Flucht notwendig gemacht, eine Ausbildung habe er in seinem Land nicht genossen. Nun lernt er an der Valckenburgschule Altenpflegehelfer und arbeitet parallel in einem Caritas-Altenheim. Auf die Frage nach seinen Zukunftswünschen folgt eine lange Pause.

Dann sagt er: „Das kann ich mir nicht vorstellen, weil ich nicht weiß, ob ich bleiben darf.“ Ob es für solche Leute wie den jungen Mann aus Mali nicht verbesserte Bleibemöglichkeiten gebe, wollte Schlachter-Zeh wissen. Denn bisher müsse er alle vier Wochen seine Duldung verlängern lassen. Auch Mitglieder des Helferkreises in Elchingen fragten, ob es nicht einen unbürokratischeren Weg gäbe, bis Asylsuchende arbeiten dürften. „Wir können Flüchtlinge nicht bevorzugt behandeln gegenüber den Asylsuchenden, die hier schon lange leben“, sagte Werner Möritz, operativer Geschäftsführer für die Agentur für Arbeit in Donauwörth. Sowohl er als auch die Leiterin des Jobcenters in Neu-Ulm, Ingrid Mallon, stellten Sprachkursangebote und Modellversuchsprojekte vor, durch die berufliche Integration gelingen soll. 300 Asylbewerber konnten, so Möritz, bereits Sprachkurse im Landkreis Neu-Ulm besuchen. „Wir können aber nur solange fördern, bis ihre Anerkennung vorliegt. Dann ist das Jobcenter zuständig.“ Für das Jahr 2016 lege die Bundesagentur ein zusätzliches, mit 45 Millionen Euro dotiertes Arbeitsmarktprogramm „Flucht“ auf, sagte Möritz. Denn auch nach der Anerkennung sei die Vermittlung in Arbeit schwierig, meinte auch Mallon. Von den 224 dieser Menschen, die momentan im Jobcenter Neu-Ulm betreut würden, hätten 176 nur sehr geringe Sprachkenntnisse. Das entspreche auch der Qualifikationsprognose, die Möritz vorlegte. Demnach hätten acht Prozent der Flüchtlinge im Landkreis eine akademische Ausbildung, weitere acht Prozent eine berufliche Ausbildung, und ganze 71 Prozent kämen ohne formale Qualifikationen. „Die Qualifikation wird mehr zu einem Marathonlauf als zu einem Sprint“, sagte Möritz.

Bewahrheitet sich die Prognose der Bundesregierung, dass 2016 eine weitere Million Menschen nach Deutschland kommen, würde das für den Landkreis Neu-Ulm eine erneute Zuweisungsrate von etwa 2000 Flüchtlingen im laufenden Jahr bedeuten, sagte Martin Mommers von der Kreisverwaltung. Obwohl an Großprojekten zur Unterbringung gearbeitet werde, sei man auch weiterhin auf der Suche nach Unterkünften, sagte Mommers. Außerdem arbeite der Landkreis unter Hochdruck daran, die Turnhallen nach und nach wieder freizugeben. Es sei wichtig die Frage aufzuwerfen, „nicht nur dass wir es schaffen, sondern wie wir das schaffen können“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger. Er jedenfalls sehe zu, „dass es hier im Landkreis gut funktioniert“, ergänzte er.

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