Theater Inszenierung mit feinem Witz und Schwung

Von Manuela Rapp 09.08.2018

Peppone alias Georg Strang ist klatschnass. Sein Hemd könnte er auswinden. Nicht etwa, weil er sich in seiner Rolle mal wieder zu intensiv mit Don Camillo gekabbelt hat. Diesmal macht’s die Hitze. Dennoch bleiben die Darsteller bei diesem ersten kompletten Durchlauf ihrer neuesten Produktion cool – selbst Werner Denzel im Pelzmantel. Er gibt den großspurigen Großgrundbesitzer und Führer der Konservativen, Cagnola. „Don Camillo und seine Herde“ lassen sich an ihrer Spielfreude auch von tropischen Temperaturen nicht aus dem Konzept bringen: ein Probenbesuch auf der Illertisser Schwabenbühne.

Wiedererstanden ist es also, das kleine Dorf in der Poebene – italienisches Flair an der Iller. Es herrscht Wahlkampfzeit. Da laufen die Gemüter schon mal heiß: Die beiden Streithähne Don Camillo und der kommunistische Bürgermeister Peppone als Anführer der jeweiligen politischen Richtungen sind selbstredend mittendrin. Gefochten wird dabei nicht nur mit Worten. Wie soll da bei all der erhitzten Stimmung ein junges Paar über die verfeindeten Parteigrenzen hinweg zueinander finden? Als ob das nicht schon reichen würde, nein, es kommt noch schlimmer für seine Schäfchen: Don Camillo wird strafversetzt.

„In diesem kleinen Dorf stoßen zwei Ideen aufeinander“, analysiert Regisseurin Franziska-Theresa Schütz die Handlung, die auf dem Buch von Giovannino Guareschi beruht. „Alle wollen friedlich, glücklich miteinander leben.“ Menschen seien Rudeltiere und müssten sich einigen. Bleibe man gegenüber dem Fremden, Unbekannten nicht offen, komme es zu Konflikten. Werde aus einer Überzeugung, aus einem Glauben Fanatismus, „dann wird alles ausgeklammert“. Ein aktuelles Thema für die gebürtige Berlinerin: „Deswegen werden immer noch Kriege geführt.“ Dann schmunzelt sie: „Aber wir wissen, dass alle Wege nach Rom führen.“ Letzten Endes versuchten die Figuren im Stück, das Beste für alle zu erreichen. Finale Botschaft für die 47-Jährige ist ein Satz, der am Ende des Stückes fällt: „Höre auf die Stimme deines Herzens!“ Zeigten die Menschen mehr Herz, wäre die Welt ihrer Ansicht nach ein schönerer Platz.

Die Handlung mit 20 Mimen, darunter 13 Sprechrollen, könne nicht ganz ins Hier und Heute transponiert werden – die Kostüme schon, so die Regisseurin. Ihrer Inszenierung wohne eine gewisse Zeitlosigkeit inne. Dass Jesus am Kreuz von drei Frauen verkörpert wird, eine Dreifaltigkeit also, mache alles sehr lebendig. „Ich sehe den Glauben sehr pragmatisch.“

Josef Hutzler feiert in der Rolle des streitbaren Gottesmanns fröhliche Urständ, sein Widerpart als Peppone ist erneut Georg Strang. 2013 standen sie das erste Mal in dieser Konstellation gemeinsam auf der Bühne. Schütz’ Kollege Thomas Bayer hatte damals das Italien der Nachkriegszeit wiederaufleben lassen. „Mein Vorgänger hielt sich mehr ans Textbuch“, sagt die aktuelle Regisseurin. Bei ihr werde das Publikum „ein bisschen in die andere Richtung geschubst“.

Peppone-Akteur Georg Strang hat dafür ein Beispiel: „In Bezug auf seine Frau steht er jetzt unter dem Pantoffel.“ Vor fünf Jahren sei die Rolle seiner Ehefrau nicht so präsent gewesen. Für Strang ist es eine Traumrolle mit spannendem Charakter: „Immer aufbrausend nach außen, ziemlich hart, aber wenn etwas wäre, wäre er immer für Don Camillo da.“ Sei seine Frau im Spiel, dann werde er zahm. „Grundsätzlich ist es immer schwierig, bekannte Figuren zu spielen“, antwortet Josef Hutzler auf den obligatorischen Vergleich mit den unverwüstlichen Filmdarstellern Fernandel und Gino Cervi. „Vor fünf Jahren hat man mir’s abgenommen.“ Franziska-Theresa Schütz macht klar: „Das eine ist das Fernsehen, das andere das Theater.“ Jeder Regisseur habe seine eigene Handschrift.

Zehn Vorstellungen sind terminiert

Die Termine „Don Camillo und seine Herde“ wird an folgenden Tagen auf der Illertisser Schwabenbühne gespielt: Freitag, 10. August (Premiere), Samstag, 11., Mittwoch, 15., Donnerstag, 16., Freitag, 17., Samstag, 18., Mittwoch, 22., Donnerstag, 23., Freitag, 24., sowie Samstag, 25. August, jeweils um 20 Uhr. Am Sonntag, 19. August, wird schon um 17 Uhr gespielt.

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