Senden Inhofer-Brüder müssen vor Gericht

Senden / MATTHIAS STELZER 25.07.2015
Sozialbetrug und Steuerhinterziehung: Das Landgericht Augsburg verhandelt von Montag an gegen die Geschäftsführung des Möbelhauses Inhofer.

Mit etwa 100.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und rund 1000 Mitarbeitern ist das Möbelhaus Inhofer (Senden) eines der größten in Europa. Jetzt muss sich die Leitung des Familienunternehmens vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Augsburg wegen des Verdachts des Sozialbetrugs und der Steuerhinterziehung verantworten. Vier Managern – darunter die Geschäftsführer August und Edgar Inhofer – wird vorgeworfen, zwischen Januar 1999 und Mai 2012 insgesamt 49 Mitarbeiter als freie Handelsvertreter oder Subunternehmer beschäftigt zu haben, obwohl nach Einschätzung der Ermittler abhängige Beschäftigung vorlag.

Laut der Staatsanwaltschaft Augsburg sollen durch das „unternehmerische Konzept“ Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von knapp 2 Millionen Euro nicht bezahlt worden sein. Auch wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung klagen die Ermittler an, wollen mit Blick auf das Steuergeheimnis aber keine Auskunft zur Höhe des Steuerausfalls machen.

Das Landgericht Augsburg wird am Montag das Verfahren eröffnen. Insgesamt sind bis Mitte September sieben Termine angesetzt, in denen sich die Beklagten und das Möbelhaus von fünf Anwälten vertreten lassen.

Für die Interessen der Firma ist Alfred Sauter aktiv. Der CSU-Landtagsabgeordnete und ehemalige bayerische Justizminister will dem Gericht zusammen mit seinen Kollegen vermitteln, dass bei Inhofer kein Vorsatz bestand, Mitarbeiter scheinselbstständig zu beschäftigen. „Offenkundig ist, dass seitens der Geschäftsleitung kein systematisches Vorgehen erfolgte“, sagt der in München niedergelassene Anwalt und Günzburger Wahlkreisabgeordnete.

Die Verteidigung des Inhofer-Managements wird im Gerichtssaal aber wohl auch die Höhe des entstandenen Schadens bestreiten und die Zahl der Einzelfälle. Sauter sagt, die Zahl der monierten Arbeitsverhältnisse sei geringer gewesen, als in der Anklage angenommen.

Dessen ungeachtet hat das Möbelhaus, laut Sauter, die aufgerufenen Summen inzwischen nachgezahlt. Etwa 1,3 Millionen Euro Umsatzsteuer, gut 430.000 Lohnsteuer und etwa 1,9 Millionen Euro Sozialversicherungsabgaben seien beglichen. Zudem habe das Unternehmen Säumniszuschläge von knapp 1 Millionen Euro bezahlt.