Integration In Weißenhorn unterstützen drei Flüchtlinge die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs

Medina A. (rechts) bei der Pflege alter Bücher im Archiv des Heimatmuseums in Weißenhorn.
Medina A. (rechts) bei der Pflege alter Bücher im Archiv des Heimatmuseums in Weißenhorn. © Foto: Claudia Schäfer
Weißenhorn / CLAUDIA SCHÄFER 24.07.2015
Gleich mehrfache Verstärkung hat der Weißenhorner Bauhof am vergangenen Montag bekommen: Drei Flüchtlinge aus Afghanistan packen seitdem bei der Grünflächenpflege und anderen Arbeiten mit an.

"Arbeit gut, alles gut." So bringen die drei Asylbewerber in noch etwas gebrochenem Deutsch ihre neue Beschäftigung im Weißenhorner Bauhof auf den Punkt. Auf Initiative des örtlichen Helferkreises unterstützen eine junge Frau und zwei Männer die Bauhofmitarbeiter bei allen anfallenden Arbeiten. Mit ihrem Eifer haben sie sich schon innerhalb weniger Tagen den Respekt ihrer neuen Kollegen erworben.

Für die Afghanin Medina A. ist es eine völlig neue Erfahrung, gemeinsam mit Männern und Frauen in einem Team zu arbeiten. Zu Hause hatte die 20-Jährige kaum Möglichkeiten, sich weiterzubilden oder überhaupt nur aus dem Haus zu kommen. Seit Januar lebt sie in Weißenhorn, hat schon ein bisschen Deutsch gelernt und kümmert sich nun als Teil des Bauhof-Grünpflege-Trupps darum, dass das Unkraut in der Stadt keine Chance hat. Von 7 Uhr früh bis 12 Uhr hackt sie Beete, jätet und zupft. 1,05 Euro pro Stunde bekommt sie für ihre Arbeit, selbst verdientes Geld, auf das sie stolz ist. Wenn es - so wie am Donnerstag - regnet, pflegt sie alte Bücher aus dem Weißenhorner Museumsarchiv.

Ihre Kollegin Gisela Kühner findet, dass die 20-jährige Afghanin ihre Arbeit zuverlässig und fleißig erledigt. Ein bisschen schüchtern sei sie noch, und geredet werde meist "mit Händen und Füßen", aber das sei schon in Ordnung, sagt Kühner. Was die Bauhof-Arbeiterin beschäftigt: Manchmal weine die junge Afghanin - warum, das wisse sie nicht. Petra Bohatsch vom Asyl-Helferkreis kennt dagegen die schlimmen Erlebnisse, die die junge Frau auf ihrer Flucht hatte und weiß, dass die Afghanin sehr unter der Trennung von ihrer Familie leidet, die anderswo in Deutschland untergekommen ist. Umso mehr freut es Bohatsch, dass Medina S. im Bauhof eine Aufgabe gefunden hat, die sie vom Grübeln abhält und die ihr Erfolgserlebnisse verschafft. "Zudem lernt sie noch viel schneller Deutsch, wenn sie täglich mit Deutschen zusammen ist."

Auch der 38-jährige Ibrahim S. arbeitet in der Grünflächenpflege. Er hilft Bauhof-Mitarbeiter Florian Horn beim Hecken schneiden. "Ein sehr angenehmer Typ" sei der Afghane, sagt Horn, und voll motiviert. "Der weiß gleich, wo er hinlangen muss." Das sei nicht selbstverständlich, betont der städtische Mitarbeiter.

Beliebt gemacht hat sich auch Abdulwares J., der dritte im Bunde. Der 28-jährige dreifache Familienvater, der im Januar mit Frau und drei kleinen Söhnen in die Fuggerstadt kam, ist eigentlich Schneider. Für den Bauhof packt er derzeit bei der Sanierung der Toiletten in der Grundschule Süd mit an. Sicherheitsschuhe, Gehörschutz und Arbeitskleidung bekam er wie die anderen Flüchtlinge von der Stadt. In den ersten Tagen habe der Afghane überwiegend geholfen, Bauschutt wegzuräumen, erklärt Baustellencapo Michael Wanner. Inzwischen dürfe der 28-Jährige auch mit dem schweren Gerät, also dem Bohrhammer, arbeiten. "Seitdem lacht er nur noch." Abdulwares selbst gibt das Lob zurück: "Alles gut, nette Leute", sagt er. Er sei froh, etwas tun zu können und auch noch ein bisschen Geld für die Familie zu verdienen.

Bauhofleiter Thomas Pieper freut sich über das gute Miteinander seiner Arbeiter mit den Flüchtlingen: "Da ist aus einem Asylbewerber ganz schnell ein Teammitglied geworden." Im Bauhof gebe es immer genug zu tun, da seien die drei eine willkommene Unterstützung. Petra Bohatsch denkt noch weiter: Der Einsatz im Bauhof könne den dreien später einmal auf der Jobsuche als Referenz dienen. Und bis dahin hätten sie etwas Sinnvolles zu tun und das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Zusammenarbeit des Helferkreises mit Stadt und Landratsamt bei der Genehmigung der Beschäftigung sei reibungslos verlaufen, lobt Bohatsch. Alles laufe völlig unkompliziert.

Helferkreis Asyl

Versammlung Derzeit leben in Weißenhorn 15 Asylbewerber, eine Unterkunft für rund 20 Flüchtlinge in Biberachzell wird im Laufe des kommenden Monats belegt. Betreut werden die Asylbewerber vom Helferkreis Asyl unter der der Führung von Petra Bohatsch. Die Mitgliederversammlung beginnt am Montag um 20 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.