Vöhringen In Semperoper gesungen

INGRID WEICHSBERGER 03.07.2013
Vor 125 Jahre wurde in Vöhringen der Männergesangverein "Liederkranz" gegründet. Die Geburtstagsfeier findet an diesem Sonntag statt. Dazu gehört unter anderem eine Matinée im Vöhringer Kulturzentrum.

32 Männer folgten am 21. Oktober 1888 dem Aufruf des Lehrers Anton Schwaiger, einen Gesangverein zu gründen - so wurde der "Liederkranz Vöhringen" geboren. Schwaiger führte auch den Taktstock. Ihm folgten weitere Lehrer nach, und später Heiner Jaumann. Der Weißenhorner hatte dieses Amt 32 Jahre lang inne. Ab 1949 gab Heinrich Tittus den Ton an. Er war Kapellmeister des Heeresmusikkorps in Leipheim. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit brachte Tittus die Operette "Meine Herzenskönigin" auf die Bühne des Adlersaals. Ergänzt wurde der Männerchor von Frauen des katholischen Kirchenchores, vom Kirchenorchester und einigen Mitgliedern des Theatervereins. Sogar junge Damen aus den Büros der Wieland-Werke wirkten mit.

Mit dabei war auch der Vater von Werner Hiller. Er spielte Violine, der damalige Pfarrer Adalbert Städele hatte ihm sein Instrument geliehen. Städele äußerte allerdings im Gegenzug den Wunsch, dass der Musiker auch beim Kirchenorchester mitspielen möge. Dieses Erlebnis ermunterte den heute 85-jährigen Werner Hiller, dem Männergesangverein beizutreten. Vorher musste er aber Tittus vorsingen. Er teilte ihn zu den 1. Bassstimmen ein.

Hiller stammt aus einer sehr musikalischen Familie und fand nach der Vertreibung aus dem Egerland Arbeit und eine neue Heimat in Vöhringen. Er ist dem Liederkranz treu geblieben und singt dort seit 64 Jahren. Geübt wurde damals in der Kantine der Wieland-Werke, danach ging es ins Vereinslokal "Zum Engel". "Bis wir kamen, war der Leberkäs bereits hergerichtet", erinnert sich der älteste aktive Sänger im Liederkranz. "Mit rund 60 Aktiven waren wir ein stattlicher Chor", erzählt er stolz. Für die passenden Bühnenbilder bei den Aufführungen im Adlersaal sorgte damals Oskar Ficker. "Er war sehr ein begabter Künstler", erinnert sich Hiller. Dessen Nachfolger wurde Sänger Hans Kuhn.

Auf Tittus folgte Johann Gutter. Er gibt noch heute den Ton an. Allerdings legte der Leiter der Johannes - von-La-Salle-Realschule in Illertissen um die Jahrtausendwende aus beruflichen Gründen eine kurze künstlerische Pause ein. Diese Lücke versuchte der Dirigent Stefan Hirteis zu schließen, dafür blieben ihm nur knapp zwei Jahre. Danach übernahm Gutter wieder den Taktstock. Unter dessen Regie wurde aus dem Männerchor ein gemischter Chor. Als Gutter 1981 erstmals den Taktstock übernahm, wurde in Vöhringen ein Frauenchor gegründet. Geübt wurde anfangs in der Uli-Wieland-Schule. Für die Auftritte stand die Aula der Realschule zur Verfügung. Seit über 20 Jahren sind die derzeit rund 70 Sängerinnen und Sänger unter dem Dach des "Schwarzen Adlers" daheim.

Passend zum stattlichen gemischten Chor gibt es seit zwei Jahrzehnten eine große Bühne im Kulturzentrum. Die von Gutter arrangierte Version des Musicals "Cats - Vöhringer Katzen" war damals eine gelungene Auftaktveranstaltung in der guten Stube der Stadt, weitere sehr gut besuchte Arrangements folgten.

Dieses enorme Engagement erfordert eine gute und harmonische Zusammenarbeit. Deshalb gibt es immer wieder Vereinsausflüge. Einer führte den Chor vor wenigen Jahren nach Dresden, dort wurde unter anderem die Semperoper besichtigt. Und zur Freude der übrigen Touristen lieferten die Vöhringer auf Wunsch der Fremdenführerin gleich eine Kostprobe ihres Könnens ab. Diese ist den Beteiligten bis heute in bester Erinnerung.

Beginn mit Gottesdienst