Nersingen Immer wieder auf Opfer eingeschlagen

THOMAS LIERSCH 16.11.2012
Weil er geschlagen worden sei, trommelte ein Jugendlicher seine Freunde zusammen. Die Gruppe verfolgte den angeblichen Angreifer, trat ihn und schlug ihn mit Krücken. Nun wurden die Täter verurteilt.

In seinem Urteil sprach der Richter von einem "Rachefeldzug". Am Amtsgericht Neu-Ulm verurteilte er gestern fünf von sechs Angeklagten zu Jugendstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung, beziehungsweise Beihilfe dazu. Sie hatten ihr Opfer verfolgt, zu Boden geschlagen und dort mit Faustschlägen, Tritten und Krückenhieben malträtiert.

Der Haupttäter erhielt ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und muss 1500 Euro Geldbuße zahlen. Die anderen müssen gemeinnützige Arbeit zwischen 40 und 60 Stunden leisten, beziehungsweise eine Geldauflage von 800 Euro begleichen. Alle Beteiligten sind um die 18 Jahre alt, bei der Tat im Sommer vergangenen Jahres waren einige von ihnen also noch minderjährig.

Es war in der Nacht auf den 25. Juni 2012. Am Rande des Festes eines Fußball-Freizeitturniers in Nersingen. Das Opfer erklärte, der Haupttäter habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen, ohne konkreten Grund - offenbar, weil er meinte, so eine alte Rechnung begleichen zu müssen. Der Haupttäter und seine Clique hätten schon öfter mit ihm Streit angefangen und auch Schläge ausgeteilt, sagte das Opfer. "Sie kommen immer in Überzahl und haben mir auch schon Geld und Handy gestohlen." Zwar habe er versucht, zurückzuschlagen, er habe aber nicht richtig getroffen.

Als der Angreifer verschwand, sei klar gewesen, dass dieser nun seine Freunde zusammenrufen werde, erklärte der junge Mann weiter. Er habe sich deshalb mit seinem Kumpel, der auch als Zeuge aussagte, in den Wald geflüchtet. Die beiden versuchten dann, zu Fuß nach Straß zu gelangen. Unterdessen berichtete der Haupttäter seinen Freunden, er sei von dem Opfer mit einem Bierkrug geschlagen worden. Eine Gruppe von etwa zehn Leuten nahm nun in drei Autos die Verfolgung der beiden auf, die zu Fuß nach Straß flüchten wollten.

Am Ortseingang von Straß stellten die Verfolger das Opfer und seinen Kumpel. Der Freund sagte, er habe einen Hieb mit einer Eisenstange und einen Faustschlag abbekommen. Dann habe er beobachten müssen, wie sein Freund am Boden lag und von der Gruppe verprügelt wurde. Der Haupttäter habe dabei auf seinem Opfer gelegen und immer wieder zugeschlagen.

Der Haupttäter war weitgehend geständig. Zwei der Mitangeklagten gaben zu, mit Krücken auf das Opfer eingeschlagen zu haben. "Ich habe auch immer wieder Schuhspitzen zwischen meinen Armen gespürt", berichtete der Geschädigte. Dem Gericht lag ein nach der Tat aufgenommenes Polizeifoto vor, auf dem das Profil einer Schuhsohle auf der Stirn des Opfers zu erkennen ist. Der Verprügelte hat keine schlimmeren Verletzungen erlitten: Er trug keine Knochenbrüche davon und konnte nach der Tat sogar aufstehen und gehen.

Der Haupttäter war bereits vorbestraft. Außerdem wurde die Anklage gegen ihn wegen der gefährlichen Körperverletzung mit einer zweiten Anklage wegen einer anderen Körperverletzung verbunden. In der Zwischenzeit hatte er nämlich einem anderen Opfer das Nasenbein gebrochen. Dass der Angeklagte eine Bewährungsstrafe bekam, begründete der Richter mit dessen Geständnis, seiner Bereitschaft für ein Anti-Aggressionstraining und seiner Entschuldigung gegenüber dem Opfer.

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer gesagt, diese "Treibjagd" sei so nicht beabsichtigt und nicht vorhersehbar gewesen. Sein Mandant habe damals Probleme bei seiner Ausbildung gehabt.