Teddybär Im Weißenhorner Heimatmuseum ist der Teddybär los

Weißenhorn / CLAUDIA SCHÄFER 25.11.2016

Der erste Teddybär im Leben der heute 75-jährigen Ruthild Straub ging im Kachelofen in Flammen auf – entsorgt von der Mutter der damals Zweijährigen, die das Kuscheltier für zu abgenutzt hielt. Den Verlust hat die Regensburgerin seither mehr als wettgemacht und über viele Jahre rund 1000 Teddybären zusammengetragen. In Weißenhorn zeigt sie ein paar hundert davon.

Darunter sind Bären aus dem frühen 20. Jahrhundert, moderne Steiff-Bären und natürlich Peter und Mohr, die beiden Teddys, die sich Ruthild Straub als Kind vom mühsam ersparten Geld kaufte. Viele Bären hat die Sammlerin von Flohmärkten, wo die besonders die abgeschabten Teddys „ihr Herz berührten“, wie sie sagt: „Die hab’ ich alle gekauft.“ Denn anders als makellose Bären, mit denen sie nicht viel anfangen kann, steckten die gebrauchten Teddys voller Geschichten.

Von diesen Geschichten habe sie „bestimmt eine Million“ gesammelt, erzählt die 75-jährige. So die Geschichte von den Max- und-Moritz-Bären einer alten Dame oder die vom weißen Bär, den Straub für ihre Sammlung nur deshalb bekam, weil sie der früheren Besitzerin regelmäßig Fotos des Stofftieres schickte. Oder die Geschichte vom Bär eines prominenten Regensburgers, der seinen Teddy gerne lesend in der Ausstellung sehen wollte. „Die Seiten in dem Buch mussten immer wieder umgeblättert werden, so wollte es der Herr.“ Und dann sei da noch das kinderlose Ehepaar gewesen, das seine eigenen Teddys in einem Korb mit in die Bärenausstellung genommen habe, um ihnen alles zu zeigen: „Das war schon hart.“

Über die Jahre ist die Regensburgerin zur Teddybären-Expertin geworden. Schon der Stoff, aus dem die Bären sind, sagt ihr viel über das Alter der kuscheligen Gesellen: Wurde früher kostbarer Mohair-Plüsch verarbeitet, sind die neueren Bären meist aus synthetischen Fasern. Auch sind sie nicht mehr wie früher fest mit Holzwolle ausgestopft, sondern mit weichen Fasern. Dazu hat sich die Länge der Gliedmaßen verändert: Modernere Bären haben kürzere Arme und Beine und sind insgesamt rundlicher.

Wichtiger Seelentröster

Dass Ruthild Straubs Bären regelmäßig für Ausstellungen auf Reisen gehen und nun in Weißenhorn landeten, ist Straubs Nachbarin Esther Gajek zu verdanken, mit der das Museumsteam bei der Weihnachtsausstellung 2015 zusammenarbeitete. Als Volkskundlerin weiß Gajek um die Faszination, die Teddybären auf alle Altersgruppen ausüben: Mit ihren Knopfaugen und dem runden Kopf laden sie zum Kuscheln ein. Und sind nicht nur für Kinder ein wichtiger Seelentröster. „In dem Maße, in dem sie aus den Wäldern verschwunden sind, sind die Bären in den Wohn- und Kinderzimmern angekommen.“

Ein Blickfang der Teddybären-Ausstellung ist die Bärenklinik. Dort lässt Straub ihre ramponierten Stofftiere von Artgenossen behandeln. Chefarzt ist ein gestreng dreinschauender Doktor-Bär, der von Kollegen und charmanten Schwestern unterstützt wird. Auch woanders steppt der Bär: Zu entdecken gibt es neben Bären-Marken im Regal eines früheren Krämerladens eine Bärenbackstube, Bärenmänner am Stammtisch, Bärenfrauen bei der Hausarbeit. Kinder können sich auf die Suche nach dem „Ausreißer-Bär“ machen, der immer wieder woanders im Museum zu finden ist. Den Wandschmuck hat die Weißenhorner Künstlerin Uli Waas-Pommer entworfen. Sie zeigt Bärenbilder, mit denen sie zahlreiche Kinderbücher illustriert hat.

„Freunde fürs Leben“

Eröffnung Die Ausstellung „Teddybären – Freunde fürs Leben“ im Heimatmuseum wird am morgigen Samstag um 15 Uhr eröffnet. Bis 26. Februar ist sie donnerstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr, geöffnet.

Rahmenprogramm An den Adventssonntagen lesen jeweils von 15 Uhr bis 15.30 Uhr stadtbekannte Persönlichkeiten Geschichten über Bären. Am Sonntag, 4. Dezember, werden im Museum Gummibärchen hergestellt, am 11. Dezember Bärenbuttons gebastelt. Am 28. Dezember ab 14 Uhr können Kinder ein Winterschlaf-Haus bauen. Am Samstag, 14. Januar, kommt um 11 Uhr ein Bärendoktor ins Heimatmuseum.