Musiknacht Illertissser Innenstadt wird zur Partyzone

Von Manuela Rapp 04.10.2018

Als Mike van Hyke „Du bis mein Feuer in der Eiszeit“ ins Mikrophon schmachtet, schmelzen die Herzen seiner Fans. Es ist kurz vor 23 Uhr und recht frisch draußen. Wer sich an den Hits des schillernden Schlagersängers nicht so erwärmen kann, der braucht nur von der Gaststätte Oberland ein Zelt weiter zu „Pils Bar Eck“ zu schlüpfen – vorausgesetzt er kommt überhaupt rein. Hier wackelt der Boden. „Big Gunz“ ist eine AC/DC-Tribute-Band, und zieht eine respektable Show ab. Die Zuhörer gehören in der Mehrheit zu der Generation, die die originalen australischen Hard-Rock-Haudegen noch aus ihrer Jugend kennen. Ob man will oder nicht: Man gerät ins Schwitzen. Zur Abkühlung am Besten wieder aus dem Gedränge raus, etwas trinken oder weiterziehen. Immerhin stehen bei der 4. Illertisser Musiknacht weitere 24 Locations offen. Ob rockiger Blasmusiksound oder italienische Klassiker, ob Kammermusik oder Jazz – mehr geht eigentlich nicht.

„Wer wo hingeht, das ist Geschmacksache“, sagt Organisatorin Susanne Schewetzky von der Stadt. Bei 34 Gruppen und DJs, verteilt über die ganze Innenstadt, findet jeder seine Nische. Partytime für Tausende aus der weiten Umgebung. Jedes Lokal sucht sich nach den Worten der Kulturamtsleiterin seine Künstler selber aus. „Es muss sich auch rechnen.“ Mehrere Komponenten machen für sie die Attraktivität der Veranstaltung aus: „Sie ist kostenlos, hat eine unglaubliche Bandbreite und zieht komplett gemischte Besucher an, ist für jung und alt.“ Vielen sei es egal, wer spielt, vielmehr sei die Musik eine schöne Begleiterscheinung. Flanieren in der gesperrten Innenstadt, Leute treffen, die man vielleicht  schon lange nicht mehr gesehen habe: „Das macht die Stimmung und das Flair des Abends aus!“

Im Mehrgenerationenhaus haben „Moltke & Mörike“ ihren Auftritt beendet. Die Besetzung ist klassisch: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Die Lautstärke stellt die Ohren durchaus auf eine Bewährungsprobe. Die Musik der drei Langenauer Newcomer: „Wir spielen Indie- und Hard-Rock, da gehört ein gewisser Grundpegel dazu“, findet Matthis, der Drummer. Doch sie sind nicht die einzigen, die das Jugendhaus zu bieten hat: Nach „Odd Fuzzy Head“ betritt mit Maximilian Jäger zu späterer Stunde noch ein echter Fernseh-Star die Bühne. Die Casting-Show „X-Factor“ macht’s möglich. „Meine Musik ist deutschsprachiger Pop-Rock“, erklärt der Altenstadter. „Deutsch ist voll im Kommen.“ In seiner Muttersprache fühle er sich am wohlsten, könne so in seinen Texten am besten und tiefgründigsten ausdrücken, was er fühle. „Für uns ist das heute ein cooles Heimspiel“, freuen sich er und seine Band.

Heiße Herbstnacht

Auch bei diesem jungen Aufgebot an Gruppen schauen alle Altersstufen vorbei, hat Stadtjugendpfleger Harry Heckenberger beobachtet. Was ihn echt freut: „Vor unserem Gebäude liegt kein Müll herum.“ Dies, obgleich viele Leute immer wieder mal draußen stehen. Und noch eines hebt er hervor: „Wir verkaufen Alkohol mit 25 Prozent Aufpreis, sodass er teurer ist als nichtalkoholische Getränke.“

Auf dem Weg zur „WunderBar“ strömen die Besucher durch Hauptstraße und Marktplatz. Auffallend viele junge Gesichter sind dabei – vor allem, als es auf Mitternacht zugeht. Wer sich im Hof der neuen Location nach Kuba versetzt fühlt, der irrt sich nicht. Mit heißen Latin Beats und Chart-Hits lässt sich die deutsche Herbstnacht – auch unter Zuhilfenahme von Heizpilzen – erfolgreich verdrängen. Hier amüsieren sich Sarah und Dima Boger sowie Serena Urru. Dem Trio aus Dietenheim gefällt’s. „Es ist warm und die Musik ist gut“, meint Sarah. „Wir sind jedes Jahr dabei“, fügt sie hinzu. „Wenn schon so etwas angeboten wird.“ Sie gingen dorthin, wo es am besten sei.

Das Kontrastprogramm dazu bietet die Stadtpfarrkirche. Dort singt zunächst der Kammerchor von St. Martin Gospels und Spirituals, dann sind Jugendbands unter dem Motto „Praise und Worship“ an der Reihe. Unter den Zuhörern ist Edwin Sannwald. Er hebt die Ruhe und Besinnung hervor, die er hier erleben darf. „Der Kammerchor erreicht mit seiner Darbietung mehr Menschen als mancher festliche Gottesdienst mit Chor und Orchester.“

Shuttle-Busse werden gut angenommen

Erfolg Mit Shuttle-Bussen konnten sich die Besucher der Kulturnacht  kostenlos aus den Stadtteilen und aus dem Umland nach Illertissen chauffieren lassen. Die Verbindung zwischen dem benachbarten Dietenheim und dem Veranstaltungsort kam heuer erstmals zustande und wurde von der Volksbank-Ulm-Biberach gesponsert. Die Buslinie wurde von den Dietenheimern denn auch rege in Anspruch genommen.  Illertissen und Altenstadt teilen sich die Kosten für den Pendelbus in die Marktgemeinde.

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