Moment mal Illertissen: Tierarzt päppelt Storch auf

Zu stehen und gehen hat Storchi schon gelernt.
Zu stehen und gehen hat Storchi schon gelernt. © Foto: Tobias Friz
Kreis Neu-Ulm / Bianca Frieß 09.07.2018

Einen ungewöhnlichen Patienten hat Tierarzt Tobias Friz zurzeit: Er päppelt in seinem Garten in Illertissen einen jungen Storch auf. Der Vogel war Anfang Juni aus seinem Nest auf dem Weißenhorner Fuggerschloss gefallen und hing in einem Schneegitter fest. Die Feuerwehr befreite ihn aus seiner misslichen Lage und brachte ihn in Friz’ Tierarztpraxis nach Vöhringen.

„Als er zu mir kam war er richtig geschwächt, hatte auch einen Sonnenstich“, erzählt Friz. Außerdem fiel ihm auf, dass der Storch etwas im Hals stecken hatte. Er röntgte das Tier, zog das Teil heraus: Eine riesige Ratte kam zum Vorschein. „Da hatten es die Eltern beim Füttern ein bisschen zu gut gemeint.“

Jetzt ist Training angesagt

Danach ging es dem Storch viel besser. Eine Woche lang blieb er noch in der Praxis, bekam täglich Infusionen und Medikamente. Dann zog er in den Garten des Tierarztes um, der dafür extra einen Kunst-Horst eingerichtet hatte: ein Nest, geschützt durch ein Gitter. Dort sitzt das Tier – von den Kindern liebevoll Storchi genannt – nun auf Stroh. Sobald sein Ziehvater näher kommt, fängt der Storch laut zu krächzen an. „Jetzt bettelt er nach Essen – er bettelt immer“, sagt der Tierarzt lachend. Auf Storchis Menüplan stehen verschiedene Mahlzeiten: Küken, Fisch, Muscheln, Tintenfisch – aufgewertet mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Inzwischen habe sich der etwa sieben Wochen alte Vogel „super erholt“. Er hat einen Großteil seines Gefieders bekommen, Schnabel und Beine färben sich rot – es fehlen nur noch ein paar Schwanzfedern. „Dann ist er ein fertiger Storch“, sagt Friz. Außerdem stehen jetzt Trainingseinheiten auf dem Programm: Storchi hat gelernt, zu gehen und zu stehen. „Er kann jetzt auf einem Bein stehen und sich mit dem anderen kratzen“, sagt Fritz. „Das sieht ganz süß aus.“ Seit kurzem startet sein Schützling erste Flugversuche, trainiert die Flugmuskulatur.

Noch bis Anfang August hat er damit Zeit, dann muss alles klappen – damit er zusammen mit den anderen jungen Störchen in der Region gen Süden ziehen kann.

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