Umwelt Illertissen will glyphosatfrei werden

Glyphosat wird zur Unkrautvernichtung auf Feldern eingesetzt.
Glyphosat wird zur Unkrautvernichtung auf Feldern eingesetzt. © Foto: Julian Stratenschulte
Illertissen / Bianca Frieß 14.06.2018

Illertissen will glyphosatfrei werden. Verwendet der städtische Bauhof das Pestizid schon seit vier Jahren nicht mehr, soll in Zukunft auch auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen darauf verzichtet werden. Das hat der Bau- und Umweltausschuss nach reger Diskussion einstimmig beschlossen. Dafür soll nun ein Ausstiegsszenario entwickelt werden. Der erste Schritt: Landwirte, die auf ihren von der Stadt gepachteten Flächen auf Glyphosat verzichten, sollen einen Zuschuss bekommen.

Wie genau das dann abläuft und wie hoch diese Zuschüsse sein werden, ist noch nicht klar. „Wir werden uns jetzt mal zusammensetzen und das absprechen“, sagte Klimaschutzmanager Simon Ziegler. Auch die Landwirte werden in die Diskussion miteinbezogen. „Dann hoffen wir, eine Lösung zu finden, die alle zufrieden stellt.“ Es geht um 75 Hektar Ackerland, die die Stadt verpachtet. Dazu kommen 36 Hektar Grünland. Es bestehen derzeit rund 60 Verträge mit Landwirten.

Den Ausschlag für die Diskussion hat die SPD-Fraktion gegeben. Sie beantragte bei der Verpachtung kommunaler Flächen gleich ein Glyphosat-Verbot im Pachtvertrag zu verankern. Das fand so allerdings keine Mehrheit im Ausschuss. „Wir müssen mit unseren Landwirten erstmal reden“, sagte Bürgermeister Jürgen Eisen (CSU). Um den Ausstieg trotzdem so schnell wie möglich voranzutreiben, schlug Ansgar Batzner (Freie Wähler) vor, für glyphosatfreien Anbau einen finanziellen Ausgleich zu zahlen. „Wir müssen jetzt handeln“, sagte er. Und so könne trotzdem noch jeder Betrieb selbst entscheiden, ob er das Pestizid einsetzt oder nicht.

„Bauern mit Herzblut“

Was ein Verzicht für die Landwirte bedeutet, davon berichtete in der Sitzung Illertissens Bauern-Obmann Franz Sedelmaier. Er setze Glyphosat nur gelegentlich ein. Etwa, wenn die Winterbegrünung im Frühjahr noch nicht ganz abgestorben ist. Diese Pflanzen werden dann durch das Pestizid vernichtet. „Dann müssen wir nicht umackern“, sagt er. Das spare Zeit, außerdem werde das Unkraut so gründlicher entfernt. Oft kommt das Mittel bei Sedelmaiers Betrieb nicht zum Einsatz – in den vergangenen zwei Jahren genau einmal auf einem Feld. „Es ist auch in unserem Interesse, dass das ökologisch sinnvoll eingesetzt wird“, sagte der Landwirt. „Wir sind Bauern mit Herzblut.“

Ansgar Bauer (Freie Wähler) appellierte, die Interessen der Landwirte im Blick zu behalten. Viele Betriebe hätten schon aufgegeben, weil es ständig neue Auflagen gebe. „Wir können das nicht vorschreiben, sonst haben wir irgendwann gar keine Landwirte mehr“, sagte er.

Die SPD-Fraktion nannte mehrere Gründe für den Glyphosat-Ausstieg: Es stehe im Verdacht, krebserregend zu sein, belaste die Lebensräume von Insekten, Feldvögeln und Wildtieren. Außerdem trage das Mittel zum Bienensterben bei, sagte Fraktionsvorsitzender Andreas Fleischer. „Und wenn die Biene nicht mehr ist, wird auch der Mensch nicht mehr lange da sein.“

Einsatz wird kontrovers diskutiert

Zulassung Der Einsatz von Glyphosat wird in ganz Europa kontrovers diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation stuft das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Andere Behörden, etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung, sagt, dass keine Gefahr für Verbraucher besteht. Im November 2017 hat die EU-Kommission die Zulassung des Pestizids um fünf Jahre verlängert.

Bauhof Der Illertisser Bauhof verwendet für die Pflege öffentlicher Flächen nicht nur kein Glyphosat, sondern gar keine Pestizide mehr, berichtete Leiter Michael Kienast. „Wir bringen da definitiv nichts aus.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel