Energie Holzgas-Heizkraftwerk schon seit einem halben Jahr in Betrieb

Holzgas-Heizkraftwerk der SWU in Senden läuft. Netzausbau geht voran
Holzgas-Heizkraftwerk der SWU in Senden läuft. Netzausbau geht voran © Foto: Stefan Puchner/dpa
Senden / NIKO DIRNER 07.07.2015
Das Holzgas-Heizkraftwerk in Senden ist seit rund einem halben Jahr im Normalbetrieb. Die höchsten Hürden sind laut Betreiber überwunden. Und die Abnahmemenge soll bald um 50 Prozent gesteigert werden.

Die nächsten Anschlüsse werden im Herbst gebaut. Dann erhalten auch Wohnhäuser in der Sendener Lortzing- und der Beethovenstraße Fernwärme aus dem örtlichen Holzgas-Heizkraftwerk der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Das teilt SWU-Pressesprecher Bernd Jünke auf Anfrage mit. Seine Botschaft lautet: Die Nachfrage nach Fernwärme ist da. Und die Anlage kann endlich auch verlässlich Wärme und Strom liefern.

Wie berichtet, hatte die deutschlandweit einmalige Pilotanlage massive Anlaufprobleme. Diese scheinen nach einer dreijährigen Phase der Inbetriebnahme überwunden zu sein, Jünke: „Das Heizkraftwerk läuft seit Ende 2014 im Normalbetrieb und stabil.“ Das zeigten die Einsatzzeiten, sagt Jünke: In den ersten vier Monaten dieses Jahres brachte es das Kraftwerk im monatlichen Schnitt auf rund 500 Betriebsstunden, vergangenes Jahr lag der Monatsschnitt bei 300 Stunden. Ausgelegt sei das Heizkraftwerk auf 7300 Betriebsstunden im Jahr, was einem Monatsschnitt von 600 Betriebsstunden entspricht. Die Wärmeleistung werde in den 500 Stunden pro Monat zu 100 Prozent ausgeschöpft. Die elektrische Energieerzeugung werde zu etwa zwei Dritteln erreicht. „Wobei in der Spitze schon mit nahezu voller Leistung Strom erzeugt wird“, sagt Jünke. Die Stromerzeugung müsse im Durchschnitt weiter gesteigert werden. Bis zum Herbst dieses Jahres wolle man auf einen Wert von 80 Prozent kommen. Sprich: „Die Probleme sind noch nicht restlos beseitigt.“

Jünke weist darauf hin, dass die Idee der Wirbelschicht-Vergasung auch in den Niederlanden, Schweden und Frankreich verfolgt werde. Es gebe weitere „konkrete Vorhaben“ zur Umsetzung des Prinzips. Die Fachwelt zeige Interesse an der Sendener Holzvergasungstechnik. Experten aus dem In- und Ausland suchten den Kontakt, „um durch die dort gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse die Holzvergasungstechnik zu verbessern“.

Der SWU-Sprecher tritt dem Eindruck entgegen, dass es eine zu geringe Nachfrage nach Heizen mit Fernwärme gebe. Zuletzt hatte die Stadt Neu-Ulm entschieden: Für das Neubaugebiet „Ulmer Hofgut“ am Ostrand von Ludwigsfeld lohne sich Fernwärme nicht. Jünke: Das Gebiet liege abseits des Fernwärmenetzes Ludwigsfeld. Also sei die Leitung zum Anschluss des Baugebiets relativ lang. Das koste Geld, das sich schwerlich zurückverdienen lasse, weil dort ausschließlich Einfamilien-Häuser entstehen sollen. „Der Wärmeverkauf wäre zu gering.“

Senden sei mit dem „Ulmer Hofgut“ nicht vergleichbar: In der Illerstadt seien rund um das Kraftwerk Betriebe und große Wohnkomplexen vorhanden. „Es kommen ganz andere Wärmemengen zusammen.“ In Senden gebe es acht Anschlüsse ans Fernwärmenetz. Die Anschlussleistung betrage rund 900 Kilowatt. Für weitere 400 Kilowatt liegen laut Jünke Aufträge vor. Die SWU habe weiteren „Interessenten aus dem Geschoss-Wohnungsbau“ Angebote unterbreitet. Auch die Stadt wolle „mittel- bis langfristig“ Wohnparks und öffentliche Einrichtungen ans Netz anschließen.

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