Bildung Hochbegabte Schüler individuell fördern

Im normalen Unterricht gehen hochbegabte Schüler manchmal unter. Aber es gibt Abhilfe.
Im normalen Unterricht gehen hochbegabte Schüler manchmal unter. Aber es gibt Abhilfe. © Foto: dpa
Kreis Neu-Ulm / Von Sonja Fiedler 28.12.2017

Die Hausaufgaben dauerten ewig, und Proben in der Schule schrieb er einfach nicht zu Ende: Als Silvera Schmiders Sohn in die erste Klasse ging, lagen die Nerven oft blank. Doch hinter dem auffälligen Verhalten steckten weder Lernbehinderung noch Konzentrationsstörung. Bei einem Test stellte sich heraus, dass der Junge hochbegabt ist und im Unterricht unterfordert war. Er übersprang eine Klasse und lernt seitdem mit den Älteren. Für Familie Schmider, die in Langenhaslach im Landkreis Günzburg wohnt, ein guter Weg, doch keiner, die zu jedem hochbegabten Kind passe, sagt die Mutter: „Es braucht individuelle Lösungen.“

Weil Eltern von Kindern mit hoher Intelligenz oft viele Fragen hätten und von den Erfahrungen anderer profitieren könnten, hat die 41-Jährige einen Stammtisch für Eltern hochbegabter Kinder und Jugendlicher im Kreis Neu-Ulm und Günzburg ins Leben gerufen. Zum ersten Treffen im Oktober seien rund zwanzig Eltern gekommen, sagt Schmider. „Der Bedarf ist groß.“

Möglichkeiten sich auszutauschen und zu vernetzen habe es bisher in der Region nicht gegeben. Auch eine Schulpsychologin sei unter den Gästen gewesen, was Schmider sehr begrüßt: „Wir wollen nicht gegen die Schule arbeiten, wir suchen nach guten Lösungen für unsere Kinder und wollen sensibilisieren.“

Rund zwei Prozent der Bevölkerung hätten einen Intelligenzquotienten (IQ) von über 130 und gelten damit als hochbegabt, sagt Schmider. Etwa ebenso viele verfügten über einen IQ von unter 70. Das Schulsystem sei in der Regel auf die Kinder ausgerichtet, die zwischen den beiden Extremen liegen.

Während es für lernschwache Schüler Fördermöglichkeiten gäbe, würden Hochbegabte oft übersehen oder falsch eingeschätzt. „Manche Kinder passen sich an, vor allem die Mädchen“, sagt Schmider. Andere hingegen würden verhaltensauffällig oder depressiv.

Lernatmosphäre wichtig

Vor allem in der Grundschulzeit hinge es sehr vom einzelnen Lehrer an, ob er mit der Hochbegabung umgehen könne. „Eine gute Lernatmosphäre bringt schon viel“, sagt Schmider. Die Kinder bräuchten Lernbegleiter, die ihnen helfen, ihr Potential auszuschöpfen. Beispielsweise hätten Hochbegabte oft Probleme, beim Rechnen Zwischenschritte zu notieren oder Jahreszahlen und Vokabeln zu pauken. „Sie gehen mit weitem Blick an ein Thema heran, da sie eine intuitive Idee von der Lösung haben.“ So könne Geschichtsunterricht für einen hochbegabten Schüler uninteressant und stressig sein, wenn reine Daten abgefragt werden. Bittet der Lehrer ihn hingegen um eine Einschätzung des Lebens in einer bestimmten Zeit, könne er sein Wissen und seine Fähigkeiten ausschöpfen.

Silvera Schmider hat über die Jahre viel Erfahrung im Bereich der Hochbegabung gesammelt: Ihre drei Kinder sind alle hochbegabt und haben eine Klasse übersprungen. Durch ihren Beruf als therapeutische Seelsorgerin und Familienkinderkrankenschwester habe sie auch viele Familien mit hochbegabten Kinder getroffen und beraten.

Die Wege, die diese Buben und Mädchen gehen, seien ganz unterschiedlich: Für den einen sei eine spezielle Klasse für Hochbegabte wie am Einstein-Gymnasium in Ulm-Wiblingen die richtige Lösung, andere überspringen eine Klasse oder belegen einzelne Fächer zusammen mit Schülern höherer Jahrgangsstufen. „Wichtig ist, dass sie wertgeschätzt werden mit dem, was sie können und wollen.“

Auch ihre eigenen Kinder entwickeln sich unterschiedlich:  Während sich der 14-jährige Sohn in der Robotik auslebt und Informatiker werden möchte, träumt die 11-jährige Tochter von einer Karriere als Profifußballerin. Dies sei auch das Berufsziel des neunjährigen Sohnes, sagt Schmider. „Aber ich glaube, er wird Kabarettist.“ Bei einem aber ist sie sich sicher: „Wer gelernt hat, mit seiner Besonderheit gut umzugehen, wird seinen Weg machen, und das sehr gut.“

Nächster Termin am 9. Januar

Anmeldung Das nächste Treffen des Stammtischs für Eltern hochbegabter Kinder und Jugendlicher Günzburg/Neu-Ulm findet am 9. Januar um 20 Uhr im Autenrieder Brauereigasthof in Ichenhausen-Autenried statt. Alle Eltern, Lehrer und Fachleute sind willkommen. Um Anmeldung wird gebeten unter guenzburg@dghk-bayern.de oder Tel. (08283) 92 06 80.

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