Diskussionsvortrag Hilfe zur Selbsthilfe für Afrika

Podiumsdiskussion Illertissen.
Podiumsdiskussion Illertissen. © Foto: Josephine Schuster
Illerrieden / Josephine Schuster 04.05.2018

Afrikanische Trommelmusik, Fotoausstellung, Stände mit fair gehandelten Produkten, der Geruch von Kochbananen und Fleischbällchen: Der Saal am Kolleg der Schulbrüder Illertissen war getrimmt auf das Thema „Wie wir Afrika wirklich helfen können“. Bei freiem Eintritt und moderiert von Kreisrat und Leiter des Staatlichen Schulamts Neu-Ulm, Ansgar Batzner, gab es Vorträge und eine Diskussion.

Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen betonte, es sei schade, dass man im Zusammenhang mit Afrika meist nur von Hunger und Katastrophen höre. Am wichtigsten sei es, dass Afrika bessere Bildungsmöglichkeiten bekäme. Volker Seitz, ehemals deutscher Botschafter in Kamerun, war der Meinung, dass eine nachhaltige Entwicklung ausschließlich aus Afrika selbst kommen kann und Eingriffe von außen nur Schaden anrichten. Die ehemalige bayerische „Außenministerin“ Beate Merk betonte, dass Gelder aus Europa nicht in die Hände korrupter Regierungen, sondern an vertrauenswürdige Organisationen gehen müssten.

Daniela Roth, die über Globalisierungsfragen, Kulturalisierung und zeitgenössische afrikanische Kunst forscht, meinte, dass Afrika nicht gerettet werden wolle. Das müssten die Europäer begreifen. Friedrich Lien, Vorsitzender des Afrodeutschen Forums Ulm/Neu-Ulm und Sprecher des Internationalen Beirats der Stadt Neu-Ulm, wunderte sich, dass sich weiße Europäer als Experten für Afrika sähen. Korruption habe zwei Seiten: Politiker, die das Geld annehmen, und diejenigen aus Europa, die das Geld „kofferweise“ nach Afrika schicken. Lien, der selbst aus Kamerun stammt, sagte: „Die Menschen hier dürfen nicht denken, sie seien besser, intelligenter und reicher.“ Simon Haberberger, Lehrer am Kolleg und Experte im Bereich (Post-)Kolonialismus, sagte: „Wegen des Klimawandels werden die Anbauflächen zurückgehen, und die Menschen haben Angst, dass es dann nicht mehr für alle reicht. Eine Zusammenarbeit kann nur auf Augenhöhe funktionieren.“

Sylvia Rohrhirsch kritisierte das Wort „Hilfe“. Die Menschen in Afrika wollten unterstützt werden und es irgendwann allein schaffen. Sie zitierte Studien, die zeigten, dass Frauen mit mehr Bildung später und weniger Kinder bekämen und dies dem Bevölkerungswachstum entgegenwirke. Nach einer Diskussion traf man sich schließlich zur Völkerverständigung am Buffet.