Soziales Hilfe über die Stadt Senden hinaus

Senden / Sonja Fiedler 21.07.2018

Wenn die Zimmerdecken schimmeln und die Wände feucht sind, hilft kein Renovieren mehr: Dieter Stach und seine Tochter können nicht in ihrer Vöhringer Wohnung bleiben. Doch Stach ist schwer krank, hat ein Krebsleiden und nach einem Schlaganfall zusätzlich eine einseitige Lähmung. Der 56-Jährige schafft es seelisch und körperlich nicht, sich um eine neue Wohnung zu kümmern. „Aber die beiden müssen da dringend raus“, sagt Carola Lo Cicero, Vorsitzende des Vereins „Heart for Life“.

Seit der Verein von Stachs Situation gehört hat, setzen die Mitglieder alles daran, eine Wohnung für Vater und Tochter zu finden. „Drei Zimmer bis 700 Euro warm in Vöhringen oder Umgebung“, sagt Lo Cicero. Und was einfach klingt, ist es nicht: Bisher habe sie nur Absagen kassiert. Kaum Worte findet sie, als sie von dem Gespräch mit einem Eigentümer berichtet, der Stach keine Wohnung vermieten wollte, weil dieser krank sei. „Wie lange lebt der denn noch?“, habe der Vermieter gefragt. Lo Cicero schüttelt traurig den Kopf. „Was sind das eigentlich für Menschen?“

Im November vorigen Jahres hat sie den Verein „Heart for Life“ gegründet, mit dem Ziel kranken Menschen und sozial benachteiligte Familien zu unterstützen. Schnell fanden sich Mitstreiter aus nah und fern, aktuell hat der Verein 30 Mitglieder. Den Vorstand bildet Lo Cicero gemeinsam mit Kathleen Thirok aus Memmingen und Tobias Spaniol.

Wenn sie von jemandem erfahren, der Unterstützung braucht, überprüft die Vorsitzende persönlich, ob die Hilfe benötigt wird. „Ich fahre hin oder lasse mir Unterlagen schicken.“ Kürzlich hätten sie einer Frau aus Friedrichshafen helfen können, die wegen schwieriger Umstände kein Geld für eine neue Brille hatte. „Wir haben ihr 100 Euro überwiesen.“ Oft seien es kleine Summen, die viel bewirken. „Manchmal reicht es auch, zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu suchen.“

Um Geld für die Hilfsbedürftigen zusammenzubekommen, ist der Verein auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Die Bereitschaft sei vielerorts groß, sagt Ilona Voigt, seit Januar Mitglied im Verein. „Wir haben eine ganz schöne Welle ausgelöst, es zieht immer größere Kreise.“ Zusätzlich lassen die Mitglieder sich auch selbst viel einfallen, verkaufen beispielsweise Selbstgemachtes auf Sendener Märkten oder engagieren sich beim Bürgerfest.

Nächste Benefizgala steht an

Für den November ist eine große Spendengala für „Heart for Life“ im Sendener Bürgerhaus geplant, die zweite Auflage. Die erste Gala im Vorjahr hat Lo Cicero privat organisiert, dieses Mal steht der Verein dahinter. „Das macht vieles einfacher, wir können zum Beispiel Spendenquittungen ausstellen.“ Viele Künstler haben bereits zugesagt, darunter Schauspieler, Sänger und Tänzer.

Verschiedene Küchenchefs, unter anderem Tina Marcelli aus Südtirol und Marc Schumacher vom Wirtshaus im Silberwald in Neu-Ulm, sorgen für ein Buffet. Die Vorbereitungen laufen, die Hälfte der Karte ist verkauft, sagt Lo Cicero. Insgesamt laufe es gut im Verein, alle seien engagiert, die Bekanntheit wachse.

Wünschen würden sie sich mehr Mitglieder und vor allem mehr Sponsoren, damit der Verein auch künftig vielen Menschen helfen kann. „Wir können nicht jeden retten, aber manchen wieder Mut zum Leben schenken und ihnen das Lächeln zurückgeben.

Bei erster Veranstaltung 8000 Euro eingesammelt

Obdach Der Verein sucht dringend eine Bleibe für Dieter Stach und seine Tochter. Wer eine Drei-Zimmer-Wohnung zu vermieten hat, kann sich per E-Mail unter der Adresse info@heartforlife.de melden. Oder per Telefon unter (0174) 170 84 81.

Gala Unter der gleichen Handy-Nummer können Karten für die Spendengala am 24. November bestellt werden. Ticketpreis: 50 Euro inklusive Getränke und Buffet. Im vergangenen Jahr kam bei der ersten Gala eine Summe von 8000  Euro für „Fuck Cancer“ zusammen, eine Kampagne, die Aufklärung betreibt, Krebskranken Herzenswünsche erfüllt und Sterbende begleitet. 300 Gäste feierten damals im Bürgerhaus mit bekannten Sängern und Künstlern, es gab sogar einen roten Teppich.

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