Weißenhorn Hilfe für Bedürftige

PATRICK FAUSS CARSTEN MUTH 16.11.2012
Seit Mai ist der Weißenhorner Tafelladen in Betrieb. Etwa 100 Kunden kaufen dort pro Woche ein. Unterstützung für das ehrenamtliche Engagement kam nun auch von der Regierung aus Augsburg.

"Das Engagement für die, denen es nicht so gut geht, ist vorbildlich", sagte Karl Michael Scheufele, Regierungspräsident von Schwaben. Er war gestern Vormittag zu Besuch in Weißenhorn, um die Arbeit der Rot-Kreuz-Helfer im Tafelladen in der Hauptstraße zu würdigen. Die Einrichtung neben den Unteren Tor im Herzen der Altstadt wird, wie berichtet, vom Bayerischen Roten Kreuz betrieben. Der Laden wurde im vergangenen Mai eröffnet und hat jeweils mittwochs und freitags geöffnet. Wer einen Berechtigungsschein seiner Kommune hat, darf dort preiswert einkaufen.

Und so funktioniert der Betrieb: Helfer sammeln bei Supermärkten, Bäckern und Herstellern von Milchprodukten Waren ein, die diese nicht mehr verkaufen. Im Tafelladen kommen sie dann Bedürftigen zugute. Zum Preis von zwei Euro können die Kunden in dem Laden ihren Korb füllen. Obst und Gemüse sind zumeist reichlich vorhanden. "Knappe Artikel", typischerweise Wurst und Fleisch, werden in begrenztem Umfang abgegeben, damit jeder etwas davon abbekommt.

Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, eine Vergütung für die Arbeit im Tafelladen gibt es nicht. 22 Mitarbeiter waren es bei der Eröffnung im Mai. Nun sind noch 15 dabei. Es dürften gerne wieder einige mehr sein, sagen die Macher. "Fünf bis zehn Helfer mehr wären super", bestätigt Michael Heinrich, Chef der Weißenhorner Rot-Kreuz-Bereitschaft. Es werden deshalb Freiwillige gesucht, die bei den Lebensmittel-Spendern vorbeifahren oder den Laden führen.

Die Einkaufszeiten sind inzwischen verändert worden. Statt drei Stunden hat der Laden in der Hauptstraße nur noch eineinhalb Stunden auf - und zwar zwischen 15.30 und 17 Uhr. "Gegen Ende der Einkaufszeit hat es immer viel Leerlauf gegeben", erläutert Heinrich den Grund, warum die Öffnungszeiten verkürzt wurden.

Was die Kunden am Weißenhorner Laden besonders schätzen, sei die Tatsache, dass sie selbst aussuchen können, was sie mitnehmen möchten. Vorgefertigte Pakete gibt es in Weißenhorn nicht. Bei den Waren handelt es ich um Produkte, deren Mindesthaltbarkeit bald abläuft. Außerdem um Brote vom Vortag oder Waren, die zu viel produziert wurden. Etwa 100 Bedürftige kaufen pro Woche im Tafelladen ein. Michael Heinrich vermutet, dass der Laden rund 300 Personen erreicht, weil viele Kunden auch für ihre Angehörigen einkaufen.

Von dem Laden im Stadtzentrum profitieren etwa Menschen, die von Sozialhilfe leben, die sich einen Einkauf in herkömmlichen Supermärkten nicht leisten können. Alleine in Weißenhorn leben derzeit offiziellen Angaben zufolge rund 330 Menschen von Hartz IV, früher Sozialhilfe genannt. Hinzu kommen viele in der gut 13 000-Einwohner-Stadt inklusive der Stadtteile, die Zuschüsse zur Miete erhalten. Auch sie bekommen wie Familien mit geringem Einkommen in der Regel bei der Verwaltung eine Einkaufsberechtigung für den Tafelladen.

Weil Regierungspräsident Scheufele nicht nur sein Interesse bekunden, sondern auch etwas beitragen wollte, hatte er einen Scheck über 2500 Euro dabei, den er den Tafelladen-Betreibern überreichte. Das Geld stammt aus dem Topf der "Gewinnspar-Lotterie" der Raiffeisen- und Volksbanken. Die Summe soll nun in den Betrieb des Ladens fließen.