Das Grün der Start- und Landebahn des Erbacher Flugplatzes verschwindet dieser Tage zuweilen unter einem Meer weißer Tragflächen. 73 Flieger heben bei der Deutschen Segelflugmeisterschaft des Deutschen Aero Clubs in der Standard- und der Rennklasse ab. An insgesamt elf Wettbewerbstagen wollen die Piloten in die Luft gebracht und am Boden verköstigt werden. Dazu braucht es ein bestens eingespieltes Team des Ulmer Sportflieger Clubs (SFC) als Ausrichter. Der SFC nutzt das Gelände des Erbacher Luftsportvereins seit der Eröffnung 1961. Bis dahin war der SFC auf dem Lerchenfeld zu Hause.

Wenn das fünfköpfige Rennleiter-Team um den SFC-Vorsitzenden Georg Unseld morgens um 8 Uhr Wetterprognosen und Satellitenbilder mit einem Meteorologen bespricht, um eine sportlich ehrgeizige, aber machbare Tagesaufgabe zu erstellen, haben Helfer bereits Brötchen verteilt. Piloten und Begleiter, insgesamt etwa 200 Personen, wollen gestärkt in den Tag gehen. In der Vereinsküche wird kannenweise Kaffee aufgebrüht und Essen vorbereitet. Die meisten Teilnehmer campen zwar am Rand des Flugfelds, die wenigsten haben aber Lust, den Gaskocher anzuwerfen.

Heiß geht es auch in dem zur Wettbewerbszentrale umfunktionierten Teil des Hangars her. Am Dienstag zum Beispiel überschlagen sich die Wetterprognosen, Winde aus wechselnden Richtungen statt Thermik. Mehrmals müssen die Aufgaben geändert werden, doch die Piloten der Standardklasse haben sich bereits in die Kanzel ihres Fliegers gezwängt, die ersten hängen schon am Schleppseil.

Kann in dieser Phase das Versorgungsteam wieder durchatmen, kommen jetzt die Helfer auf dem Flugfeld ins Schwitzen. Sieben motorisierte Schleppflugzeuge stehen bereit, die Segler bis zu 600 Meter in die Höhe zu ziehen. Eineinhalb Stunden bis alle in der Luft sind, eineinhalb Stunden Schleppseil anklinken und die Tragflächen startender Maschinen im Sprint vor unsanftem Bodenkontakt bewahren.

Am Himmel über Erbach wird es bisweilen voll, von den Piloten ist größte Konzentration gefordert. Denn die Schleppflugzeuge mit den Seglern an der Leine müssen die vielen Segelflieger im Auge behalten, die bereits am Himmel ihre Kreise ziehen und nach einer vorteilhaften Thermik suchen. Der Start des Wettkampfs erfolgt 20 Minuten nachdem der letzte Teilnehmer im Himmel ist. „Bis dahin ist höchste Konzentration gefordert“, sagt Unseld über das Spektakel vor dem Start. Danach löst sich das Gedränge am Himmel deutlich.

Am Boden kehrt derweil Ruhe ein. Manche Helfer notieren Funksprüche oder veröffentlichen Ereignisse wie Außenlandungen auf der Internetseite der Meisterschaft. Umtriebig wird es nach etwa vier Stunden wieder, wenn die ersten Rückkehrer landen, Wertungen erfasst werden müssen und die Küche auf Hochtouren arbeitet. Jeder der 25 Helfer sei unverzichtbar, sagt Unseld. „Das ist wie ein Räderwerk: Fehlt ein Teil, funktioniert es nicht mehr.“

Das kleine SFC-Team arbeite „extrem effizient und mit großem Sachverstand“, lobt Michael Eisele von der Fliegergruppe Neckartal-Köngen die Organisatoren. „Die machen einen tollen Job und eine klasse Werbung für unseren Verband“, sagt der Präsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands, Eberhard Laur.

Heute ist der letzte Wertungstag. Beim Abschlussfest am Abend werden Teilnehmer und Veranstalter auf einen gelungenen Wettbewerb zurückschauen. Unseld: „Wir sind dankbar für die Meisterschaft und haben versucht, das Beste daraus zu machen. Einiges ist uns bestimmt gelungen.“