Elchingen Helfer auf dem letzten Weg

Die neuen Hospizbegleiter gemeinsam mit Einsatzleiterin Marion Deml (vorne Mitte), Ausbilderin Hilde Rothmund (dritte Reihe ganz rechts) und dem ersten Vereinsvorsitzenden Ralf Waidner (letzte Reihe Mitte). Foto: Amrei Groß
Die neuen Hospizbegleiter gemeinsam mit Einsatzleiterin Marion Deml (vorne Mitte), Ausbilderin Hilde Rothmund (dritte Reihe ganz rechts) und dem ersten Vereinsvorsitzenden Ralf Waidner (letzte Reihe Mitte). Foto: Amrei Groß
Elchingen / AMREI GROSS 06.08.2013
Sie haben keine leichte, dafür aber eine sehr wichtige Aufgabe übernommen: Zwölf Hospizbegleiter haben beim Ökumenischen Hildegard-Hospizverein Nersingen-Elchingen ihre Ausbildung abgeschlossen.

Sie haben es geschafft. Nach 120 Stunden theoretischer Ausbildung und einer Praxisphase aus einem zehnstündigen Besuchs- und einem zweitägigen Pflegepraktikum konnte der Ökumenische Hildegard-Hospizverein Nersingen-Elchingen zwölf weitere ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter in die Region entsenden. Fünf von ihnen entstammen befreundeten Hospizvereinen aus Langenau und Blaustein; sieben verstärken das Team des im März des vergangenen Jahres gegründeten Hospizvereins für Nersingen und Elchingen.

Hinter den Frauen und Männern liegt eine intensive Zeit. Gemeinsam mit ihrer Ausbilderin Hilde Rothmund und Hildegard-Einsatzleiterin Marion Deml haben sie sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit Sterben und Trauer befasst; sie lernten, wie man eine Beziehung zu Menschen aufbauen kann, die sich nicht mehr artikulieren können, wie Demenzpatienten würdevoll begleitet werden und wie Angehörigen Trost gespendet werden kann. Ergänzt wurde die Ausbildung durch die eigenen, ganz individuellen Begegnungen der Teilnehmer mit Sterben und Tod.

Am Samstag wurden die frischgebackenen Hospizbegleiter mit einer Feierstunde im Thalfinger Seniorenzentrum Haus Tobit in die Region entsendet. "Wir sind dankbar, dass wir Menschen wie Sie gefunden haben", sagte der erste Vorsitzende des Hildegard-Hospizvereins, Ralf Waidner. "Die Hospizbewegung ist eine Herzensbewegung", betonte Einsatzleiterin Deml. Wer Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleite, lasse sich ganz bewusst berühren vom Leid und ermögliche mit Empathie und Einfühlungsvermögen sterbenden Menschen und ihren Angehörigen einen würdevollen Abschied.

Hilde Rothmund bekannte den Frauen und Männern gegenüber: "Ganz spurlos geht es nicht an uns vorüber, was wir sehen und was wir erleben." Sie ermunterte die neuen Hospizbegleiter daher, jederzeit die Unterstützung der Gruppe, der Einsatzleitung und auch Gottes zu suchen. "Ihr seid auf eurem Weg nicht alleine."

Zur Aussendungsfeier gaben Rothmund und Deml jedem ihrer Schützlinge einen persönlichen Segenswunsch mit auf den Weg. Mit dem Abschluss ihrer Ausbildung sind die Frauen und Männer einsatzfähige Hospizbegleiter geworden. Für sie folgt nun ein zeitnahes Vereinbarungsgespräch, in dem sie ihre Möglichkeiten und Grenzen zusammen mit der Einsatzleitung abstecken. "Jeder bestimmt selbst, wie stark er sich engagiert", sagte Deml. Kommt es danach zu einer Begleitungsanfrage, vereinbart sie einen ersten Termin, tritt mit dem Schwerkranken oder Sterbenden und dessen Angehörigen in Kontakt und spricht Art und Umfang der Betreuung sowie individuelle Wünsche und Erwartungen ab. "Wir betreuen jeden, für den wir eine Möglichkeit zur ambulanten Betreuung sehen."

Warum aber setzen sich Menschen in ihrer Freizeit freiwillig und unentgeltlich mit Sterben und Tod auseinander? "Ich möchte versuchen, mit meinem Leben ein bisschen Gutes in diese Welt zu bringen", sagte Natascha Starke aus Pfuhl, die am Samstag ihre Ausbildung zur Hospizbegleiterin beendete. Sie will Menschen in ihren letzten Stunden begleiten, Sterbenden ihre Ängste nehmen und Angehörigen Wege aus der Trauer aufzeigen. "Oftmals kann man einem Fremden mehr sagen als jemandem, der einem nahesteht", ist sie überzeugt.

"Ich wollte in meinem Leben etwas Sinnvolles und Positives tun", berichtete Daniel Pfeiffer aus Blaustein. Er sei bereits während seiner Zeit als Zivildienstleistender in der mobilen Alten- und Behindertenpflege mit Sterbenden und ihren Angehörigen in Kontakt gekommen, habe unter anderem Nachtwachen übernommen. "Nun habe ich die Zeit und die Gelegenheit, mich stärker in diesem Bereich zu engagieren."

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