Arbeitswelt Handelsriese Lidl schließt Lager in Pfaffenhofen

Keine Lieferwagen zu sehen. Das wird bald ein alltägliches Bild im Gewerbegebiet sein, Lidl macht sein Lager dicht.
Keine Lieferwagen zu sehen. Das wird bald ein alltägliches Bild im Gewerbegebiet sein, Lidl macht sein Lager dicht. © Foto: Patrick Fauß
Pfaffenhofen / Stefan Czernin 21.08.2018
Die Online-Tochter des Konzerns zieht sich aus der Gemeinde zurück. Die Technik am Standort sei veraltet. 23 Mitarbeiter brauchen neue Jobs.

Vor nicht einmal zwei Jahren ist die Online-Tochter Lidl Digital in die Halle des vormaligen Zentrallagers des Handelskonzerns in Pfaffenhofen im Landkreis Neu-Ulm eingezogen. Nun gibt das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung bekannt, dass der Standort für den Versand von Online-Shop-Artikeln, beispielsweise Gartenmöbel, Ende Oktober geschlossen wird.

Neues Logistikzentrum bei Berlin

Als Grund gibt der Handelskonzern „veraltete Strukturen und Technologien“ am Pfaffenhofener Standort mit seinen 23 festangestellten Mitarbeitern an. Deswegen habe sich Lidl Digital dazu entschieden, ein neues, teilautomatisiertes Logistikzentrum in Ludwigsfelde nahe Berlin zu errichten sowie die Logistikaktivitäten insgesamt im Großraum Berlin zu bündeln.

Hälfte der Mitarbeiter haben neuen Job

Bereits im Mai habe Lidl Digital die Mitarbeiter über die anstehende Schließung informiert, teilt Melanie Pöter von der Lidl-Pressestelle mit. So sollte diesen genügend Zeit gegeben werden, sich nach einem neuen Job umzuschauen. Dabei unterstütze der Konzern die Mitarbeiter durch eine Veranstaltung mit Vertretern aus anderen Unternehmen und Informationen über Einsatzmöglichkeiten in den Filialen der Lidl-Regionalgesellschaft Dettingen. Etwa die Hälfte des Personals habe bereits einen neuen Job gefunden. Einige Mitarbeiter werden laut Pressestelle zu anderen Standorten von Lidl Digital oder Lidl Deutschland wechseln.

Thomas Gürlebeck, bei Verdi Bayern für den Bereich Handel zuständig, hofft auf „sozialverträgliche Lösungen“ für die Mitarbeiter – sei es über eine Weiter­beschäftigung an einem anderen Standort, sei es über angemessene Abfindungen. In dem Pfaffenhofener Lager gebe es keinen Betriebsrat, auch die Gewerkschaft sei bei den nun anstehenden Verhandlungen außen vor. So bleibe den Angestellten im Zweifel nur der Versuch, vor dem Arbeitsgericht für ihre Forderungen zu streiten. Zudem bezweifelt Gürlebeck, ob es für Lidl Sinn ergebe, den Versand fernab der Region zu zentralisieren. Weil im Online-Handel umgehende Lieferungen immer mehr zum Standard würden.

Künftige Nutzung interessiert

Im Pfaffenhofener Rathaus war der Weggang von Lidl bisher nicht bekannt, sagt Hauptamtsleiter Konrad Müller. Bürgermeister Josef Walz ist derzeit im Urlaub. Interessant für die Gemeinde sei, ob und wie die große Lagerhalle im Gewerbegebiet künftig genutzt wird, sagt Müller. Nach dem Umzug des Zentrallagers nach Dettingen habe es übergangsweise schon einen Leerstand gegeben (siehe Infokasten).

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Zentrallager zog wegen Platzmangel nach Dettingen

Betrieb Rund 30 Jahre lang betrieb Lidl in der Marktgemeinde Pfaffenhofen ein großes Zentrallager mit 180 Mitarbeitern. Bis zu 100 Lastwagen fuhren das Lager täglich an, 75.000 Quadratmeter umfasst das Gelände.

Umzug  Die Fläche war Lidl jedoch irgendwann viel zu klein. 2011 verkündete das Unternehmen, dass das Zentrallager aus Pfaffenhofen  wegziehen wird. Die Wahl für den neuen Standort fiel nach längerer Suche auf Dettingen südlich von Altenstadt. Im Januar 2016 nahm das neue Zentrallager seinen Betrieb auf; Mitarbeitern aus Pfaffenhofen wurden dort Stellen angeboten. Von Anfang 2017 an nutzt Lidl Digital das Pfaffenhofener Lager.

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