Eine transalpine Garten-Prinzessin auf der Sänfte, ein Birkenwäldchen als Märchenbuch, Hüte aus Heu und Seegras: Die Illertisser Gartenlust gibt sich heuer besonders kreativ. Aus gutem Grund: Die  Markttage auf der weitläufigen Jungviehweide feiern 20. Geburtstag. Am 9. und 10. September dürften also noch mehr Gartenfreunde und Naturliebhaber als sonst die bayerische Kleinstadt ansteuern, um das Ferien-Ende und den auslaufenden  Sommer mit dieser grünen Veranstaltung zu adeln.

175.000 vielleicht? Nein, das sind wohl zu wenig: Wolfgang Hundbiss muss rechnen, wenn er gefragt wird, wie viele Menschen seit 1998 Besucher der Illertisser Gartenlust waren. Am bislang schlechtesten Wochenende nach den zwei „Aufbau-Jahren“ wurden „nur“ 9400 Besucher gezählt, im besten waren es mehr als 14.000. Der Landschaftsarchitekt organisiert für den Verein „Förderer der Gartenkultur“ den zweitägigen Markt, der längst zum Aushängeschild für die Kleinstadt an der Iller geworden ist und bundesweit Beachtung findet.

Beginn war überschaubar

An die erste Veranstaltung erinnert sich der 68-Jährige noch gut. Einen Markt, bei dem sich alles ausschließlich um Garten, Pflanzen und Natur dreht, das gab es deutschlandweit seinerzeit nur noch in Freising. Der zugezogene Illertisser bekam von seinem Kumpel Dieter Gaissmayer den Auftrag, so ein Event auch auf dem Gelände der Staudengärtnerei aufzuziehen. „Drei Mal machen wir das und dann hören wir wieder auf.“ Darauf einigte sich das Duo. Im ersten Jahr war alles ziemlich überschaubar mit gerade mal 30 Ständen auf dem Teerweg beim Wald.

Fans aus Vorarlberg

Doch schnell machte die Arbeit so  viel Spaß, dass keiner mehr ans Aufhören dachte. Heute sind es 120 handverlesene Anbieter, die auf einem ständig vergrößerten Gelände ihre Pflanzen, Raritäten und Garten-Accessoires anbieten. Namhafte Gärtner, Floristen Buchautoren, Wissenschaftler und Pomologen sorgen bei Fachvorträgen für eine große Bandbreite. Husch-husch geht bei der Gartenlust nicht.  Wer als Besucher kommt, muss viel Zeit mitbringen, wer als Anbieter mitmachen will, einen ansprechenden Stand. Jedes Jahr bekommt Hundbiss Bewerbungen aus ganz Deutschland. „Ich kann neue Anbieter aber nur dann nehmen, wenn alte abspringen“, sagt er. Denn mittlerweile sei die Fläche ausgereizt.

Von weit her kommen auch die Besucher. „Manche nehmen mehrere Stunden Anfahrtsweg in Kauf“, weiß Hundbiss. Wie zum Beispiel die Fans aus Vorarlberg, die gleich in mehreren Bussen anreisen „und immer die ersten sind, die am Kassenhäuschen stehen“.

Wie es sich gehört, haben die „Eltern“ für ihr 20-jähriges Geburtstagskind eine ordentliche Sause mit einigen Überraschungen vorbereitet. So gibt es am Sonntag um 11 Uhr einen „Anachronistischen Festumzug“. Die Gutenzeller Musikkapelle führt die pflanzen- und auch sonst ziemlich verrückten Umzugsteilnehmer vom Kassenhäuschen bis zum Gartengelände. Den ganzen Tag lang sorgen der 2,40 lange Artist und Comedian Imanuel Immergrün, die Chansonsängerin Christine Tissot und die Tanzgruppe der Donau-Iller-Werkstatt für Kurzweil. Musik steuern mehrere Kapellen bei, darunter End of Scream aus Illertissens tschechischer Partnerstadt Elbogen mit Symphonic Rock. Auch die französische Partner aus Carnac sind vertreten. Sie bieten Austern und bretonische Musik. Hundbiss freut sich, dass zudem die Freunde aus Südtirol wieder mit ihrem Sortengarten vertreten sind.

Individueller Gartenlust-Hut

Ein ausgesprochen phantasievolles Geburtstagsgeschenk steuert die Grünwerkstatt bei, jene Gruppe im Gartenkultur-Verein, die für das Begleit-Programm mit verantwortlich zeichnet. Die Damen um Vereinsvorsitzende Thea Zedelmeier schaffen die Voraussetzungen dafür, dass jeder, der will, gut behütet die Gartenmesse genießen kann. In einem Workshop werden Hüte aus Naturmaterialien hergestellt. Als Unterbau  dient ein normaler Hut. Der wird mit Steckschaum, Draht und  Materialien aus der Natur getrimmt.  „Am Ende darf vom eigentlichen Hut nichts mehr zu sehen sein“, betont Zedelmaier. Helfend zur Hand steht bei dieser Hut-Binderei die europäische Floristikmeisterin Nadine Weckardt. Die anschließenden Modenschauen moderiert die deutsche Hutkönigin Janine Halder.

Wie immer dienen angrenzende Äcker als Großparkplatz. Die Feuerwehr weist die Autokarawane ein. Ob die 20. Auflage die Schallgrenze von 200.000 Besuchern wohl knacken kann?

Workshops, Modenschauen und Fachvorträge


Motto Seit dem Jahr 2000 steht die Gartenlust unter einem bestimmten Thema, nach dem sich auch die Aussteller mit ihren Ständen richten. Es gab schon „Licht und Schatten“, „Fülle und Fantasie“, „Zeit und Mode“ „Tisch und Beet“ und andere mehr. Heuer dürfen sich die Standbetreiber unter den 17 Vorgaben eines aussuchen. Das zu erraten ist dann die Aufgabe der Besucher.

Vorträge Nahezu im Stundentakt gibt es am Samstag und Sonntag Fachvorträge. So referiert der ehemalige Herausgeber von „Kraut und Rüben“, Wolfram Franke über die „Freiheit fürs Saatgut“. Gartenflüsterer Karl Ploberger ist auf der Spur nach allem, was kreucht und fleucht. „Chillen mit Chillis“: Der Hobbypomologe und Wissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Kerschbamer zeigt, wie das geht. Wie wunderbar die Kartoffelvielfalt ist, beweist der schwäbische Kartoffelkönig Christian Müller.

Grünwerkstatt Am Samstag und Sonntag gibt es von 10 bis 14 Uhr Workshops zur Gestaltung des Gartenlust-Huts aus Naturmaterialien. Modenschauen sind am Samstag um 16, am Sonntag um 15 Uhr.