Auf lokaler Ebene gebe es drei Themen, die die Menschen bewegten, sagte Maximilian Deisenhofer, Landtagskandidat der Grünen-Jugend aus Günzburg, bei einer Veranstaltung: Viele Menschen wollten weiter ein schnellstmögliches Abschalten der letzten Siedewasserreaktoren erreichen, die in Deutschland noch am Netz sind, auch vor dem geplanten Ende der Atomstromproduktion in Gundremmingen am 31. Dezember 2021. Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Gundremmingen bereite den Leuten große Sorgen. Und die Endlagersuche müsse forciert und transparent geführt werden. Dass eine Leistungserhöhung im Kernkraftwerk Gundremmingen beantragt wurde, dafür fehle den Menschen jegliches Verständnis, sagte Deisenhofer. "Diese Leistungserhöhung steht den Zielen der Energiewende diametral entgegen. Die Versorgungssicherheit ist auch ohne Leistungserhöhung gegeben."

Annette Weinreich, die Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Ulm/Alb-Donau, erinnerte daran, dass Ulm nur 32,5 Kilometer vom Atomkraftwerk Gundremmingen entfernt liegt. Bei einem Gau, dem größten anzunehmenden Unfall, wäre es die am stärksten betroffene Großstadt. In Zusammenarbeit der Kreisverbände Ulm, Neu-Ulm und Günzburg sei es gelungen, die Forderung nach der früheren Abschaltung des Atomreaktors aufgrund der speziellen Sicherheitsrisiken der Siedewasserreaktoren in das aktuelle Bundestagswahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen aufzunehmen. Da Siedewasserreaktoren nur einen Hauptkühlkreislauf haben, seien sie besonders störungsanfällig, sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. Sie forderte schärfere Regeln für die Stresstests der Atomkraftwerke.

Christine Kamm, bayerische Landtagsabgeordnete, berichtete von einem Dringlichkeitsantrag ihrer Fraktion, der die Leistungserhöhung von Atomkraftwerken verbieten soll. "Der viele Atomstrom im Netz macht Gaskraftwerke unrentabel und verteuert zusammen mit den vielen schwarz-gelben Ausnahmeregelungen beim EEG den Strompreis für die Normalverbraucher." Dass der Umweltausschuss des bayerischen Landtags eine Petition von 7000 Menschen gegen die Leistungserhöhung nicht sofort abgeschmettert, sondern vertagt hat, sei ein guter Teilerfolg, sagte Kamm.