Laut Einladung sollte es um Dorferneuerung gehen beim Bürgerinformationsabend in Witzighausen. Ging es dann aber nicht, weil zunächst im Stadtrat über das Thema zu diskutieren und zu beschließen sei, sagte Bürgermeister Raphael Bögge. Da es nichts bringe, „Konfrontationslinien aufzubauen“, habe die Verwaltung „in aller Demut“ beschlossen, die Dorferneuerung zunächst außen vor zu lassen. Auch das dazu angekündigte Seminar in Thierhaupten falle aus.

Dafür stand das Thema Dorfladen auf der Agenda. Um zu klären, ob die Witzighausener einen Nahversorger wollen, wurde die Bevölkerung schriftlich befragt. 150 Fragebögen sind laut Bögge zurückgekommen. 142 davon wünschen sich einen Dorfladen. Knapp 100 Einwohner gaben an, ein bis zweimal die Woche dort einkaufen zu wollen, 20 wären bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren oder in einem Arbeitskreis mitzuarbeiten. Diese positive Resonanz könnte der erste ganz kleine Schritt sein, sagte Bögge. Als möglichen Standort sei eine 150 Quadratmeter große Fläche in einem der geplanten Neubauten am Gänsäcker vorgesehen, möglich sei eine Eröffnung Ende 2019.

Der Kellmünzer Bürgermeister Michael Obst berichtete vom dortigen Dorfladen, der 2015 eingerichtet wurde und erfolgreich laufe. Die „leichte schwarze Null“ stehe allerdings nur vorn, weil sich vier ehrenamtliche Geschäftsführer die Verwaltungsarbeit teilen. Der eigentliche Verkauf würde von vier sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und zwei 450-Euro-Kräften bestritten. „Wir haben sechs Arbeitsplätze geschaffen“, sagte Obst. Rein rechtlich würde der Laden als „Unternehmensgesellschaft mit stillen Teilhabern“ geführt, 224 Einwohner seien Anteilseigner. Wichtig sei der Nahversorger auch als sozialer Treffpunkt. „Es ist toll, wenn sich am Samstag hinter der Kasse eine Traube bildet und die Leute gar nicht gehen wollen.“

Wolfgang Neidlinger aus Witzighausen, der sich schon länger für einen Dorfladen einsetzt, träume von einer Kasse, an der die Käufer Geld abheben können, und von einer Ladestation für E-Bikes, sagte er. Er animierte die rund 80 Besucher, darunter viele jüngere Leute und Familien, gemeinsam Ideen zu sammeln.

Bis Ende des Jahres solle eine grundsätzliche Entscheidung fallen, sagte Bögge. Ein erstes Treffen von Interessierten könne nach Ostern stattfinden.