Besitzer großer Hunde müssen ihre Vierbeiner in Weißenhorn an die Leine nehmen. Der Stadtrat hat kürzlich den Weg für einen neuen Erlass freigemacht, der Hundehalter in die Pflicht nimmt. Demnach dürfen ihre Vierbeiner fortan nicht mehr frei herumlaufen. Die Verordnung, die jetzt in Kraft getreten ist, gilt allerdings aus tierrechtlichen Gründen nur innerorts, also in bebauten Gebieten, in der Kernstadt und in den Weißenhorner Stadtteilen. Feldwege, Nordic-Walking- und Wanderstrecken fallen nicht unter die neue Regelung. Und, ganz wichtig: An die Leine genommen werden müssen nur Hunde mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern.

Zu diesen großen Hunden werden nach Angaben der Stadtverwaltung etwa Schäferhunde, Boxer, Dobermänner und Deutsche Doggen gezählt. Etwa die Hälfte der in Weißenhorn gemeldeten Hunde fallen in diese Kategorie, heißt es in einer Sitzungsvorlage der Verwaltung für die Stadträte.

30 Jahre lang waren Hundebesitzer in Weißenhorn nicht verpflichtet, ihre Vierbeiner in der Stadt an die Leine zu nehmen. 20 Jahre lang, von 1961 bis 1981, hatte es in der Fuggerstadt eine entsprechende Verordnung gegeben, ehe sie vom Stadtrat aufgehoben wurde. Anfang der 90er Jahre kam das Thema erneut auf. Weißenhorner Bürger hatten Unterschriften für eine Leinenpflicht gesammelt. Das Stadtparlament, den Stadtrat, aber erreichte die Diskussion damals nicht.

Die Debatte über die Leinenpflicht wurde wegen eines Vorfalls ausgelöst, der sich bereits im vergangenen Jahr nahe des Freibads ereignet hatte. Ein Familienvater aus Weißenhorn berichtete daraufhin der Verwaltung von einer unliebsamen Begegnung mit einem großen, freilaufenden Hund. Dieser habe seine Frau, die mit einem 14 Monate alten Kind unterwegs war, aufdringlich beschnuppert. Die Hundehalterin habe sich "uneinsichtig und hochnäsig" gezeigt, sich geweigert, ihr Tier an die Leine zu nehmen. Die Familie beschwerte sich zudem darüber, dass Hunde in ihrem Garten immer wieder "stinkende Haufen" hinterlassen.

Der Bericht hinterließ Eindruck im Stadtrat. Viele Räte zeigten Verständnis für die Beschwerden. Wie Werner Weiß (WÜW). Er forderte die Bürger auf, Vorfälle dieser Art im Rathaus zu melden. Lediglich Hundebesitzer Michael Schrodi von der CSU stimmte gegen den neuen Erlass. Bürgermeister Wolfgang Fendt gab sich diplomatisch. Die Debatte um einen Leinenpflicht ist für ihn ein leidige Angelegenheit. "Die meisten Hundehalter sind sehr vernünftig." Nur "einige Wenige" würden die Regeln eines fairen sozialen Miteinanders missachten.