Wir haben nichts gegen die Energiewende“, das betonten die Umweltschützer gleich am Anfang des Pressegesprächs. Trotzdem haben der bayerische und der baden-württembergische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen eine Klage gegen ein Schachtkraftwerk in der Iller bei Dietenheim eingereicht. Schützenhilfe erhalten sie vom Landesfischereiverband Bayern, der ebenfalls gegen das Kleinkraftwerk klagt, für das das Landratsamt Alb-Donau am 6. Dezember 2016 die Genehmigung erteilt hatte (wir berichteten).

Insgesamt plant die Münchner Firma Fontin & Company acht Schachtkraftwerke zwischen Memmingen und Illertissen an bestehenden Querbauten in der Iller. Teils auf baden-württembergischer, teils auf bayerischer Gemarkung. Der BUND läuft dagegen Sturm, will auch gegen alle weiteren vorgehen. Das Projekt sei „eine Bereicherung von bereits reichen Leuten im Raum München“, sagte Bernd Kurus-Nägele, Geschäftsführer der Kreisgruppe Neu-Ulm. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz verheiße einen konstanten Geldstrom.

Aus dem Blickwinkel des Naturschutzes sei das Vorhaben abzulehnen, eine „ökologische Katastrophe“, so Daniela Fischer, Regionalgeschäftsführerin des BUND-Regionalverbands Donau-Iller. Die geplanten Kraftwerke an den Querbauten zementierten über Jahrzehnte hinweg den Status quo; zunächst bis 2056 laufe die Genehmigung des Dietenheimer Kraftwerks. Renaturierung? In diesem Bereich dann unmöglich. „Die Querbauten müssen weg“, erklärte Kurus-Nägele. „Sie haben den Fließgewässercharakter komplett zerstört.“ Mit schlimmen Folgen für das Fauna-Flora-Habitat zwischen Vöhringen und der Illermündung bei Ulm, so die Naturschützer. Dort fielen wertvolle Flussauen trocken. Das Vorhaben verstoße gegen die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie gegen die europäische Wasserrahmenrichtline, heißt es in der vorläufigen Klagebegründung.

Keine Gründe für Ablehnung

Es hätten schlicht keine Gründe vorgelegen, das Bauvorhaben bei Dietenheim abzulehnen, erklärte hingegen Reinhold Ranz, Fachdienstleiter Umwelt- und Arbeitsschutz im Landratsamt Alb-Donau, auf Anfrage. Zudem sei der genehmigte Betriebszeitraum deutlich geringer, als die „Restlebensdauer“ des ohnehin vorhandenen Querbauwerks. Derzeit liegen im Landratsamt Neu-Ulm zwei Fontin-Anträge – für Kleinkraftwerke bei Balzheim und Altenstadt. Jeder Antrag werde einzeln geprüft. Ranz: „Wir haben keinen Präzedenzfall geschaffen.“

Strom für 400 Haushalte will Fontin in Dietenheim produzieren. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe der Umweltschützer. Die Klage sei bislang nur „rudimentär“ begründet, heißt es in einer Mitteilung. Projektleiterin Susanne Adams weist auf die „ökologischen Vorteile“ des Schachtkraftwerks hin, das an der TU München entwickelt wurde und eine bereits bestehende Wehrschwelle nutzen wird. Mit einem Fischauf- und  Fischabstieg „auf aktuellem Stand der Technik“ werde die Iller für Wassertiere besser passierbar, der Fischschutz sei gegeben. Und das Kraftwerk könne ohne weiteres in ein Revitalisierungskonzept integriert werden. Der geplante Baubeginn ist im Herbst, dann führt die Iller Niedrigwasser.