Altlast Giftiges Holzschutzmittel in Weißenhorner Kita

Weißenhorn / Jan-Henrik Hnida 15.05.2018

Bei Baustoffproben für Renovierungsarbeiten wurden in der Kita St. Maria im Raum der Gruppe  „Sternenzelt“ erhöhte PCP-Werte festgestellt. Nun machen sich die Eltern Sorgen, denn das Holzschutzmittel Pentachlorphenol (PCP) wurde 1989 verboten, da es in höheren Dosen gesundheitsschädigend sein kann.

Der Fertigbau in der Johannes-Brahms-Straße ist 47 Jahre alt. „Wir hatten immer Probleme mit dem Flachdach und der Nachtspeicher-Heizung“, sagt der Verwalter Alfred Haas, auf den die katholische Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt verweist. Also wurde ein Neubau geplant. Für den staatlichen Zuschuss brauchte es eine Machbarkeitsstudie, die beim Ulmer Architektenbüro Heisler in Auftrag gegeben wurde.

Für die Studie wurden auch Proben möglicher Schadstoffe in der Einrichtung genommen. Das Ergebnis: „Unauffällig“ – jedoch sei die Holzverkleidung in der Sternenzelt-Gruppe „deutlich behandelt“ worden. Das Allgäuer Labor Nano stellte eine PCP-Belastung von 1200 Milligramm pro Kilogramm Vertäfelung fest, ein deutlich zu hoher Wert. Daraufhin empfahl das Architektenbüro, den Raum zu sperren und die Holzverkleidung abzureißen. „Wir haben den Raum sofort geschlossen und die Sternenzelt-Kinder auf andere Gruppen verteilt“, sagt Haas.  Auch seien die Eltern am gleichen Abend in einer Versammlung und durch Aushänge informiert worden.

Als „arg schwach“ bezeichnet dagegen ein betroffener Vater das Verhalten der Kindertagesstätte. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen.  „Es gab keine Beratungsgespräche der Kita“, sagt der Vater einer vierjährigen Tochter. Seit mehr als 20 Jahren sei nichts gegen das Holzschutzmittel getan worden – und dann stelle sich die Leitung nach dem Befund zunächst stur, als er und andere Eltern eine zusätzliche Luftmessung verlangten. Diese Messung findet heute statt.

Dazu wollen viele Familien ihre Kinder einer Blut- und Urinuntersuchung unterziehen, um mögliche PCP-Rückstände auszuschließen. „Auf den Kosten bleiben wir sitzen“, beschwert sich der Vater. Der Kinderarzt wisse selbst nicht, wie teuer es werde. Überforderung wirft der Betroffene auch dem Kindergarten vor – und trotzdem reagiere dieser nur auf Druck

Eine Kostenübernahme hält Haas für überzogen. „Meine Tochter war vor 20 Jahren schon hier“ – und seine Enkelin besuche zurzeit St. Maria. „Ich habe keine Bedenken um ihre Gesundheit.“ Bis die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, kann es noch Wochen dauern.  

Altlasten Holzschutz: Gift der 70er und 80er

Verbot Pentachlorphenol (PCP) gehört zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe. Es wurde bis zum Verbot 1989 als Pestizid in Holzschutzmitteln verwendet. Unklar ist, wie das Teeröl auf den Körper wirkt.