Hin und wieder ist ein leichtes Quietschen zu hören. Michaela Kast ist mit geübten Handgriffen dabei, eine gute Anzahl bunter Luftballons zu einem Blumenstrauß zu verdrehen und zu verknoten. Allein für den Marienkäfer, am Rande des Blumentopfs platziert, braucht sie vier Stück. Was für den Beobachter faszinierend wirkt, ist für die 35-Jährige Routine. Eine halbe Stunde, dann ist sie damit fertig. Bedeutend mehr Arbeit - gut acht Stunden - steckten etwa in einen Formel-1-Rennwagen. Der war so groß, dass leicht ein Kind darin sitzen konnte. Wie viele Ballons sie dafür gebraucht hat, kann Michaela Kast nicht einmal verlässlich schätzen.

Für eine Modenschau hatte sie auch schon einmal ein Kleid nur aus Luftballons hergestellt und - zusammen mit ihrem Kollegen Tobi van Deisner - ein komplettes Bett für eine Messe .

Die Pfaffenhofenerin betreibt seit gut acht Jahren einen Luftballon-Eventservice, die zweifache Mutter hat sich damit einen Traum erfüllt. Die Geschäftsidee lieferte der Hollywood-Romantikfetzen "Plötzlich Prinzessin". "Die Ballsäle!", schwärmt Kast. Überschwänglich mit Ballons seien die dekoriert gewesen. "Das wollte ich auch machen."

Die Gelegenheit schien günstig: Wegen der Geburt ihres Sohnes Luca war es schwierig, weiter als Bürokauffrau zu arbeiten. Der Schritt in die Selbstständigkeit verschaffte der 35-Jährigen, deren Ehemann als IT-Berater arbeitet, die nötige Flexibilität. Die ersten Handgriffe erlernte sie bei einem Ballonhändler, danach bildete sie sich über Internetseminare weiter, darf sich heute "zertifizierte Ballon-Designerin" nennen. Bis dahin war es ein langer Lernprozess: Aus einem Regal in ihrem Arbeitszimmer im Wohnhaus holt Michaela Kast ein dünnes Anleitungsbüchlein hervor, "der Dackel" ist darin ein klassische Anfängerübung. Über diese Stadium ist die Ein-Mann-Unternehmerin heute weit hinaus. Ein ganzes Regal nehmen die Luftballons in allen Farben, Formen und Größen in ihrem Arbeitszimmer ein. Zu Michaela Kasts Kunden zählen Firmen, Vereine und Privatleute gleichermaßen. Kast dekoriert etwa Fest- und Ballsäle, sie bekommt Aufträge für Neueröffnungen, Firmenfeiern, Hochzeiten und Kindergeburtstage. Am Wochenende wird sie den Saal für den Pfuhler Bürgerball verschönern. Die Werbung funktioniert über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Im vergangenem Frühjahr erlebte Kast den bisherigen Höhepunkt in der Firmengeschichte: In Barcelona arbeitete sie an einem Werbespot für einen Mobilfunkanbieter mit - zusammen mit 50 weiteren Ballonprofis aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA. 250 000 Luftballons waren die Hauptdarsteller dieser Fernsehwerbung. "Wir haben 54 Stunden am Stück gearbeitet", berichtet Kast. "Völlig kaputt, aber glücklich", sei sie danach gewesen.