Prozess Gericht: Frau mit Ochsenziemer verprügelt?

Neu-Ulm / Bernd Rindle 09.11.2018

Was Richterin Gabriele Buck da mit spitzen Fingern aus der Plastikhülle zog, hing in früheren Zeiten gerne mal als „Hausordnung“ in einschlägigen Spelunken an der Wand hinter der Theke: ein Ochsenziemer. Allein die Gefahr, mit diesem getrockneten wie gefürchteten Ochsenpenis bei ungebührlichem Benehmen eine übergezogen zu bekommen, sorgte zumeist für Wohlverhalten.

Mit einer derartigen Schlagwaffe soll ein Mann aus dem südlichen Kreis Neu-Ulm seine Nachbarin im Verlauf eines Streits verprügelt haben. Deshalb fand er sich vor Gabriele Buck im Sitzungssaal 103 des Neu-Ulmer Amtsgerichts wieder. Da der Metzger stets bestritten hatte, einen Ochsenziemer eingesetzt zu haben, sah sich das Gericht gehalten, ein entsprechendes Anschauungsobjekt in das Verfahren einzuführen und es einem Gutachter an die Hand zu geben. Dieser machte deutlich, dass eine solche Schlagwaffe die schlimmsten Verletzungen hervorrufen könne. Er ging im vorliegenden Fall aber „von einem dünneren, elastischen Gegenstand“ und einer „dynamischen Schlageinwirkung aus“, zumal das Opfer keine Platzwunden davontrug, sondern Striemen auf der Stirn und ein blaues Auge mit Einblutungen. Aber er ließ keinen Zweifel an der Gefährlichkeit der Tat: „Ein Treffer weiter versetzt am Jochbogen hätte zum Verlust des Augapfels führen können.“

Keine Ohrfeigen

Die Einlassung des Angeklagten, der Frau lediglich zwei Backpfeifen verpasst zu haben, ließ der Gutachter anhand des Verletzungsbilds nicht gelten: „Das passt zu zwei Ohrfeigen gar nicht.“ Die Geschädigte selbst vermochte zur weiteren Erhellung der Angelegenheit nicht allzu viel beizutragen. Zum Tatzeitpunkt sei sie mit „3,6 Promille im Delirium“ gewesen, hätte nur noch 48 Kilogramm gewogen, „drei Tage nichts gegessen und Alkohol getrunken. Ich weiß nichts mehr“. Nur, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, von einem Partner geschlagen worden zu sein. Wobei sie ihren Beitrag zur Eskalation nicht herunterspielte. „Ich bin nicht immer der Engel“, räumte sie ein, bei Eifersucht könne sie zur Furie werden. Unter anderem hatte sie die Tür des Angeklagten beschmiert.

Was keine Legitimation sei, handgreiflich zu werden, stellte die Richterin klar: „Es kann im Grundsatz nicht toleriert werden, dass jemand geschlagen wird. Es gibt null Berechtigung eine Frau so zuzurichten, da ist die Toleranzgrenze relativ niedrig.“ Im Gegensatz zum Verteidiger, der auf Freispruch plädiert hatte, war die Richterin nicht zuletzt aufgrund des Gutachtens von der Schuld des Angeklagten und dem Einsatz eines „langen flexiblen Gegenstands“ überzeugt. Sie verurteilte den 51-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zur einer Freiheitsstrafe von elf Monaten ohne Bewährung. Eine Bewährung kam für die Richterin aufgrund des Vorlebens des Angeklagten nicht mehr in Frage – zumal er die Tat inmitten einer anderen Bewährungszeit begangen hatte.

Täter war schon auf Bewährung

Vorleben Eine Strafaussetzung zur Bewährung kam für Richterin Gabriele Buck aufgrund des Vorlebens des Angeklagten nicht mehr in Frage – zumal er die Tat inmitten einer anderweitigen Bewährungszeit begangen hatte.

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