Umwelt Gemüse nicht mit Grundwasser gießen

In Teilen von Senden, Gerlenhofen und Neu-Ulm sowie von Bellenberg und Vöhringen sollte nicht mit Brunnenwasser gegossen werden, empfiehlt das Landratsamt Neu-Um.
In Teilen von Senden, Gerlenhofen und Neu-Ulm sowie von Bellenberg und Vöhringen sollte nicht mit Brunnenwasser gegossen werden, empfiehlt das Landratsamt Neu-Um. © Foto: Landratsamt
Neu-Ulm / Niko Dirner 22.06.2018
Das Landratsamt warnt Menschen im Unteren Illertal davor, sich aus Brunnen zu bedienen. Denn in dem Wasser sind gesundheitsschädliche Stoffe.

Alle Jahre wieder – verteilt das Landratsamt Neu-Ulm im Sommer keine Geschenke, sondern eine schlechte Nachricht an die Menschen im Illertal: Das unter ihnen durchfließende Grundwasser ist mit Lösungsmitteln verseucht, also giftig, nicht zu gebrauchen. Gerade hat die Behörde diese Mitteilung, Version 2018, verschickt. Und wie eine Nachfrage im Amt ergibt, geht das noch Jahre so, denn die Quelle des Übels wird nicht beseitigt.

Hauptursache für die Verunreinigung von Senden bis Ludwigsfeld ist die ehemalige Uhren-Fabrik im Sendener Süden. In den Gebäuden befindet sich heute zwar der so genannte Gewerbepark, doch die Schadensherde im Boden sind die alten. Mutmaßlich krebserregende, leichtflüchtige, halogenierte Kohlenwasserstoffen aus Entfettungsmitteln. Die Chemikalien sinken stets weiter ab und werden vom Grundwasserstrom gen Norden verbreitet.

Eine Sanierung mit einem neuartigen Verfahren wäre möglich. Doch um dieses passgenau einsetzen zu können, verlangen Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt vom Eigentümer des Areals ein vollständiges Grundwassermodell. Das Unternehmen weigert sich, das Tertiär, das tiefere Grundwasserstockwerk, untersuchen zu lassen. Als das Landratsamt kürzlich eine Anordnung erlassen hat, erhob das Unternehmen Klage beim Verwaltungsgericht. Man habe die Akten nach Augsburg übersandt, sagt Renate Pressl, Vize-Leiterin des Fachbereichs „Wasserrecht und Bodenschutz“ im Landratsamt. Einen Verhandlungstermin werde es aber so schnell wohl nicht geben.

Positiv vermerkt Pressl, dass die Gewerbepark-Firma den Boden unter der so genannten Blauen Halle hat beproben lassen. Hier liegt einer der Schadensschwerpunkte. Das sei zwar sinnvoll, reiche aber nicht aus. Der Gewerbepark-Eigentümer äußerte sich auf Anfrage nicht. Bekannt ist aber, dass er auf einen natürlichen Abbau der Altlasten setzt.

Danach sieht es derzeit sogar wieder aus, allerdings schwanken die Werte von Jahr zu Jahr: In Senden sowie in Ludwigsfeld wurden zuletzt geringere Konzentrationen an Lösungsmitteln gemessen, sagt Pressl. Dennoch sollen die Bürger in Senden nördlich der Erich-Rittinghaus-Straße zwischen Kemptener Straße und Bahnlinie, in Gerlenhofen entlang der Bahn und westlich davon sowie in Ludwigsfeld östlich der Memminger Straße während der Erntezeit ihr Gemüse und Obst nicht mit Brunnenwasser gießen. Weiterhin empfiehlt das Landratsamt, dort nicht in Brunnenwasser zu baden oder zu duschen, also Planschbecken oder Tränken von Nutztieren nur  mit Trinkwasser aus der öffentlichen Leitung zu befüllen.

Das Trinkwasser in den betroffenen Gebieten ist nämlich nicht verunreinigt, auch in den Baggerseen kann laut Landratsamt ohne Gefahr gebadet werden.

Großreinigung als zweite Altlasten-Quelle

Altlasten Leichtflüchtige, halogenierte  Kohlenwasserstoffe im Grundwasser finden sich auch in Bellenberg und Vöhringen. Hier rührt die Verunreinigung von einer ehemaligen chemischen Großreinigung her. In Bellenberg ist das Grundwasser westlich der Bachstraße und nördlich des Mühlbachs belastet. In Vöhringen gelten die empfohlenen Einschränkungen im Stadtgebiet westlich der Bahnlinie.

Info

Die Karten mit den Werten der Beprobungsstellen sind auf der Homepage des Landratsamts unter www.landkreis.neu-ulm.de eingestellt.

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