Energie Gemeinsam für Fernwärme

Viel ist zurzeit im Umbruch beim Müllheizkraftwerk in Weißenhorn: Zurzeit wird die Servicestelle für das Kleinanlieferzentrum umgebaut und erweitert. Die Vorbereitungen für die Nutzung der Abwärme als Energieträger für ein Fernwärmenetz sind in vollem Gange.
Viel ist zurzeit im Umbruch beim Müllheizkraftwerk in Weißenhorn: Zurzeit wird die Servicestelle für das Kleinanlieferzentrum umgebaut und erweitert. Die Vorbereitungen für die Nutzung der Abwärme als Energieträger für ein Fernwärmenetz sind in vollem Gange. © Foto: Patrick Fauß
Weißenhorn / CARSTEN MUTH MICHAEL JANJANIN 22.07.2015
Beim geplanten Fernwärmenetz gehen Kreis und Stadt Weißenhorn Hand in Hand. Eine Entwicklungsgesellschaft soll prüfen, ob die Nutzung der Abwärme aus der Müllverbrennung wirtschaftlich Sinn ergibt.

Die Pläne für den Aufbau eines Fernwärmenetzes in Weißenhorn werden immer konkreter. Landkreis und die Stadt werden eine Projekt-Entwicklungsgesellschaft gründen. In der vergangenen Woche hatte, wie berichtet, der Kreistag dem Vorhaben zugestimmt. Am Montagabend gaben nun auch die Weißenhorner Stadträte den Plänen ihren Segen.

Einstimmig stimmten sie für die Gründung der Gesellschaft. Die Rechtsaufsicht wird nun den entsprechenden Vertrag prüfen. Sollte die Behörde keine Einwände haben, werden Landrat Thorsten Freudenberger und Bürgermeister Wolfgang Fendt das Werk unterschreiben.

Ihre Sitz wird die Entwicklungsgesellschaft in Weißenhorn haben. Das Stammkapital beträgt 100.000 Euro. Die Summe bringen Stadt und Landkreis paritätisch ein, wie Bürgermeister Fendt sagte. Offen ist, wer Geschäftsführer der Gesellschaft wird. Darüber wollten die Weißenhorner Räte am Montag in interner Sitzung beraten.

Die Entwicklungsgesellschaft soll prüfen, wie groß das Interesse bei möglichen Fernwärme-Kunden ist, Vorverträge abschließen und prüfen, ob eine solche Infrastruktur wirtschaftlich betrieben werden kann. Sollte dies der Fall sein, müsste auch eine Betreibergesellschaft gegründet werden.

Worum geht's? Wie berichtet, wollen Landkreis und Stadt Weißenhorn die Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage im Weißenhorner Industriegebiet Eschach nutzen, um damit Gebäude zu beheizen - öffentliche - und, wenn möglich, private. Das Umweltinstitut Bifa aus Augsburg hat im Auftrag des Landkreises ein Konzept erstellt und schlägt den Bau einer 3,4 Kilometer langen Leitung vor. Diese soll von der Müllverbrennungsanlage über die Illerberger Straße in die Weißenhorner Stadtmitte führen und von dort aus weiter nach Norden über die Kaiser-Karl-Straße bis zur Stiftungsklinik. Das Krankenhaus etwa könnte als Großabnehmer mit Wärmeenergie versorgt werden, ebenso die Fuggerhalle und das Rathaus.

Das Weißenhorner Müllkraftwerk ist für die Entsorgung von 105.000 Tonnen Abfall im Jahr ausgelegt. Lediglich rund ein Viertel davon liefern die Landkreis-Bewohner selbst. Das wird auch in diesem Jahr so bleiben. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden bereits etwas mehr als 52.000 Tonnen am Müllkraftwerk angeliefert, berichtete die Werkleitung bei der gestrigen Sitzung des Kreis-Werkausschusses. Das ist etwas mehr als geplant. "Auch die Umsatzerlöse und die Verfügbarkeit der Anlage liegen leicht über dem Plan, das zeigt, dass die Anlage in einem guten Zustand ist", ergänzte Landrat Freudenberger. Bis Ende Juni wurden 22 000 Megawattstunden Strom produziert und ins öffentliche Netz eingespeist. 405 Megawattstunden bringen die Photovoltaikanlagen auf der ehemaligen Hausmülldeponie in Pfuhl. Insgesamt wurden in den ersten Monaten rund 290.000 Euro mehr eingenommen als geplant.

Für das künftige Kleinanlieferzentrum am Müllkraftwerk, das zurzeit in Bau ist, hat der Werkausschuss das Personal um zwei Stellen aufgestockt. Zunächst war geplant gewesen, mit der Lebenshilfe Ulm/Neu-Ulm zusammenzuarbeiten, um Stellen zur Wiedereingliederung ins Berufsleben zu ermöglichen. Doch habe die Lebenshilfe zurzeit keine geeigneten Bewerber. Die beiden benötigten Vollzeitstellen werden zum Teil dadurch geschaffen, "dass Teilzeitkräfte kurzfristig aufstocken", sagte Werkleiter Thomas Moritz auf Anfrage des Grünen-Kreisrats Heinz Peter Ehrenberg. Das Modell mit der Lebenshilfe habe man deswegen nicht aufgegeben.

Kooperation auch mit Günzburg

Neuer Partner Der Landkreis Neu-Ulm entsorgt künftig auch den Großteil der Abfälle aus dem Kreis Günzburg. Voraussichtlich zum Januar 2016, sobald die Pyrolyse-Anlage des Nachbarkreises in Burgau stillgelegt wird. Im vergangenen Jahr hatte Günzburg 14.000 Tonnen Haus- oder Sperrmüll und 4000 Tonnen Gewerbemüll.

Alte Partner Etwas mehr als 52.000 Tonnen Hausmüll aus anderen Kommunen sind vergangenes Jahr im Müllkraftwerk in Weißenhorn verbrannt worden: aus dem Kreis Unterallgäu und der Stadt Kaufbeuren. Weitere Kooperationspartner sind der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten mit dem Kreis Ravensburg und der Abfallwirtschaftsverbund Nordschwaben - mit den Kreisen Dillingen und Donau-Ries.

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