Region Geld weg statt sagenhafter Rendite

Region / WILLI BÖHMER 05.08.2013
Er versprach Geldanlegern Renditen von stolzen zehn Prozent - und verbrauchte das Geld für sich. Jetzt wurde ein 76-Jähriger dafür verurteilt.

Der Angeklagte machte keinen Hehl daraus: Ja, er ist schuldig. Und ja, er hat die 90 000 Euro anderer Leute, die er gewinnbringend mit einer Rendite von zehn Prozent anzulegen versprochen hatte, für sich selbst verbraucht und bis heute nicht zurückbezahlt. Das Schöffengericht Neu-Ulm verurteilte den 76-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Obendrein muss er 180 Arbeitsstunden für eine gemeinnützige Einrichtung leisten. Eine Geldbuße hätte er gar nicht bezahlen können, denn er und seine Frau leben von minimalen Einkünften.

Das war wahrlich nicht immer so. Einst war der Mann der angesehene Konrektor einer Schule im Alb-Donau-Kreis, später Rektor einer Schule in Ulm. In den 1980er Jahren musste der Pädagoge gehen, angeblich wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. Er bekam einen Job im Außendienst einer Firma. Diese Vorgeschichte kam beim Prozess vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht nur noch kurz zur Sprache.

Irgendwann begann er mit Geldanlagegeschäften. Ein Zeuge aus Weißenhorn berichtete, seine Frau habe ihm 200 000 Euro überlassen, weil sie die traumhafte Rendite von zehn Prozent lockte. Von den zehn Prozent könne keine Rede sein, und vom eingesetzten Betrag fehlen ihm immer noch 107 000 Euro. Ein Bekannter von ihm berichtete, er habe etwa 300 000 Euro verloren. Beide sagten, insgesamt gehe die Schadenshöhe in die Millionen. Aber vor Gericht waren lediglich die 90 000 Euro angeklagt. Ein Teil der Straftaten war bereits verjährt und spielte deshalb in der Hauptverhandlung keine Rolle mehr.

Das nutzt dem 76-Jährigen freilich nur bedingt. Einige der gutgläubigen Geldanleger haben bereits Titel gegen ihn erwirkt. Das heißt, es ist amtlich festgestellt, dass der Mann ihnen Geld schuldet. Zurückholen können sie es trotzdem nicht, weil dem Verurteilten lediglich ein Existenzminimum zum Leben zur Verfügung steht. Er hat Privatinsolvenz angemeldet.

Richterin Gabriele Buck wunderte sich über die Arglosigkeit der Geldanleger, die sich vom versprochenen Gewinn von zehn Prozent blenden ließen, trotz vieler negativer Beispiele. "Es kann aber nicht sein, dass der Angeklagte das ausnutzt, um seine privaten Finanzlöcher zu stopfen."

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