Weißenhorn Gelber Sack unerwünscht

Da fliegt sie davon, die Idee von der Einführung des gelben Sacks in Weißenhorn. Der Stadtrat hat sich erneut gegen das Abholsystem für Verpackungsmüll ausgesprochen.
Da fliegt sie davon, die Idee von der Einführung des gelben Sacks in Weißenhorn. Der Stadtrat hat sich erneut gegen das Abholsystem für Verpackungsmüll ausgesprochen. © Foto: Oliver Schulz
Weißenhorn / CARSTEN MUTH 22.07.2015
Es bleibt dabei: Wer in Weißenhorn seinen Verpackungsmüll los werden will, muss zum Wertstoffhof fahren. Der Stadtrat hat die Einführung des Abholsystems "Gelber Sack" abgelehnt. Wieder einmal.

Beinahe hätten die Weißenhorner doch noch den gelben Sack bekommen. Auf Antrag der Grünen hat sich der Stadtrat am Montagabend mit den Vor- und Nachteilen des Abholsystems für Verpackungsmüll beschäftigt. Am Ende gab gerade einmal eine Stimme den Ausschlag. Mit 13:12 lehnte das Gremium die Einführung des gelben Sacks in der Fuggerstadt ab.

Seit mehr als 20 Jahren streiten sich Befürworter und Gegner des Systems. Wie schon bei den Abstimmungen nach diversen Anträgen in den vergangenen Jahren behielten auch diesmal die Gegner die Oberhand. Das wiederum heißt: Wer seinen Verpackungsmüll loswerden will, muss auch künftig zum Wertstoffhof fahren.

Dabei hatte sich die Stadtverwaltung dem Grünen-Antrag angeschlossen und den Räten die Einführung des gelben Sacks empfohlen. Bürgermeister Wolfgang Fendt jedoch stimmte gegen den Vorschlag.

Befürworter In der Aussprache im Stadtrat warb Grünen-Rat Ulrich Fliegel nachdrücklich für den gelben Sack. Zwar sei die Mülltrennung in der Fuggerstadt schon weit fortgeschritten. "Allerdings besteht ein deutlicher Nachholbedarf im Bereich Wertstoffe." Nach wie vor landeten in Weißenhorn zu viele Wertstoffe in den Restmülltonnen. Das müsse sich dringend ändern. "Wir sollten mit unseren Rohstoffen sparsam umgehen. Das würde einer beliebten Stadt gut tun", und das Image Weißenhorns verbessern.

Unterstützung erhielten die Grünen von Franz-Josef Niebling, Marcus Biberacher und Michael Schrodi, allesamt von der CSU. Niebling betonte, dass vor allem ältere Menschen von einem Abholsystem profitierten. Viele Bürger würden sich gerne den Weg zum Wertstoffhof sparen. Biberacher brachte einen Bürgerentscheid ins Spiel, schlug vor, alle Weißenhorner über die Einführung entscheiden zu lassen. Der CSU-Mann betonte: "Die meisten Weißenhorner wollen den gelben Sack. Ich werde immer wieder darauf angesprochen." Michael Schrodi bekannte: "Ich bin zu faul und schmeiße derzeit alles in die Restmülltonne. Wenn wir den gelben Sack bekommen, werde auch ich Müll trennen."

Gegner Die Fraktion der Weißenhorner Überparteilichen Wähler (WÜW) stimmte geschlossen gegen den Grünen-Antrag. WÜW-Sprecher Werner Weiss riet seinen Ratskollegen zu einem Besuch in Senden. Dort könne man sehen, wohin die Einführung des gelben Sacks führe: zu unschönen Anblicken und bedenklichen Umständen, "wenn Ratten und Katzen die Säcke am Straßenrand aufgerissen haben". Das müsse man nicht haben.

Günter Hogrefe (CSU) sagte klipp und klar: "Ich bin total dagegen." Gelbe Säcke seien "einfach nur hässlich" und verschandelten das Stadtbild. Die Einführung des Systems führe zu höheren Rattenbeständen. "Weißenhorn und die Müllentsorgung - das ist schon eine besondere Geschichte", räumte SPD-Fraktionssprecher Herbert Richter ein. Die Stadt lebe alles in allem gut mit ihrem Wertstoff-Bringsystem. Richter lehnte den Grünen-Antrag ab. "Weil die Nachteile die Vorteile überwiegen."