Historie Gedenken an das einmalige 36-Stunden-Wagnis

Pfaffenhofen / Patrick Fauß 16.04.2018

90 Jahre liegt der Transatlantikflug des in Neu-Ulm geborenen und in Pfaffenhofen beigesetzten Flugpioniers Hermann Köhl zurück. Mit einem Festakt am Grab auf dem Pfaffenhofener Friedhof, einem Gottesdienst und einem Festakt in der Hermann-Köhl-Schule wurde dieser Jahrestag  am Samstag in der Marktgemeinde gefeiert. „Ein 36-Stunden Flug übers Wasser, in einer einmotorigen Wellblechkiste, ausgerüstet mit Kompass und Landkarte“, fasste Staatsministerin Beate Merk (CSU) die aus heutiger Sicht haarsträubenden Umstände zusammen, unter denen  das Unternehmen stattfand. Ein Wagnis, das Köhl gemeinsam mit dem irischen  Piloten James C. Fitzmaurice und dem Bremer Finanzier Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld gewagt und vollbracht hatte.

Wie in Filmausschnitten einer Dokumentation von Roland Kleinhempel erläutert wurde, mussten die Pioniere mit ihrer Junkers W 33 „Bremen“ gegen die Windrichtung fliegen.  Oft taten sie das im Niedrigflug, nur wenige Meter über den Wellen.

Von der geplanten Route nach New York kamen die Flieger ab. Glücklicherweise nicht allzu weit. Sie mussten schließlich auf einem zugefrorenen See in Kanada auf Greeney Island eine Bruchlandung hinlegen. Per Hundeschlitten erreichte die Nachricht dann eine Telegraphenstation. Und von dort aus verbreitete sie sich dann in der ganzen Welt. Es folgten zahlreiche Ehrungen, eine Konfettiparade durch New York sowie ein Empfang beim deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

Vom Sinn dieses Fluges

Der Pfaffenhofener Bürgermeister Josef Walz hob in seiner Rede an Köhls Grab den großen Gegensatz zu den Attentätern vom 11. September 2001 hervor. Diese hatten vor 17 Jahren das New Yorker World Trade Center mit Flugzeugen zum Einsturz gebracht. Der Flug von Köhl und seinen Gefährten habe dagegen, zehn Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, genau das umgekehrte Ziel gehabt. Er habe der Völkerverständigung gedient. Hermann Köhl habe dies in seinen Memoiren zum Ausdruck gebracht.

Bürgermeister Walz zitierte eine Aussage Köhls, wonach dieser beim Anblick der zu Ehren der drei Atlantiküberquerer gehissten amerikanischen, irischen und deutschen Flaggen den Eindruck hatte: „Wir waren Werkzeuge geworden, mit denen man Brücken schlug von Nation zu Nation, von Kontinent zu Kontinent.“

Das Hermann Köhl-Museum am Kirchplatz

Flug Der Flug von Irland ins kanadische Neufundland fand von Donnerstag 12., auf Freitag, 13. April 1928 statt. Sogar einen Orkan überstanden Flugzeug und Besatzung. Es war die erste Nordatlantiküberquerung von Ost nach West in einem Flugzeug. Zuvor hatte Charles Lindbergh selbiges erstmals in umgekehrter Richtung vollbracht.

Person Hermann Köhl wurde in Neu-Ulm geboren, seine Mutter stammte aus Pfaffenhofen. Köhl starb am 7. Oktober 1938 im Alter von 50 Jahren in München an einem Nierenleiden, das er sich bei der Fliegerei zugezogen hatte. Er wurde in Pfaffenhofen beerdigt.

Museum Militärorden, Flugzeugmodelle, Postkarten, historische Fotografien, Zeitungsausschnitte, Memorabilien – eine erste Annäherung an Hermann Köhl ist in dem kleinen „Museum“ in Pfaffenhofen möglich. Geöffnet ist die Einrichtung am Kirchplatz 6 immer zu den Öffnungszeiten des Rathauses: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, Mittwoch 15 bis 17 Uhr, Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.

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