Fugger, überall Fugger in Weißenhorn!

Eine Halle mit Namen Fugger.
Eine Halle mit Namen Fugger. © Foto: Michael Janjanin
Matthias Sauter 12.01.2018

Die Weißenhorner sind stolz auf ihre Geschichte, auf die jahrhundertelange Herrschaftszeit der Fugger, die Weißenhorn im 16. Jahrhundert zu einer Handelsstadt machten. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass die Fugger nicht immer beliebt waren. Zumindest nicht beim späteren, mittlerweile ehemaligen Bürgermeister Kurz, der im Jahr 1839 den Begriff Fuggerstadt überhaupt nicht gern hörte – aber dazu später mehr.

Zunächst bleibt zu sagen, dass das Handelsgeschlecht die heimische Barchentweberei förderte, die Qualitätsprodukte der Weißenhorner Weber kamen durch die Fuggerschen Handelsniederlassungen in alle Welt. Und auch gut 500 Jahre nach der Verpfändung der Stadt an das schwäbische Kaufmannsgeschlecht sind die Fugger allgegenwärtig in dem 13 000-Einwohner-Städtchen: Zu den imposantesten Gebäuden gehört etwa das 1513/1514 unter Jakob Fugger errichtete Fuggerschloss, in dem inzwischen die Weißenhorner Verwaltung residiert.

„Irrige Meinung“

Was uns wieder zu Kurz bringt, dem das Fugger-Dasein gar nicht behagte. Er wetterte in einer Bekanntmachung gegen die „irrige Meinung, die Stadt Weißenhorn sei ein Bestandteil der Gräflich Fuggerschen Herrschaft“. „Zur Belehrung des Publikums im In- und Ausland“ betonte Kurz, dass Weißenhorn als „unmittelbare königliche Stadt“ dem Landgericht Roggenburg unterworfen sei. Veröffentlicht wurde die Bekanntmachung im „Intelligenz-Blatt“ der Königlich Bayerischen Regierung, ein Abdruck lagert im Roggenburger Gemeindearchiv. Ordnung muss sein.

Viel gebracht hat die Mitteilung des Rathauschefs nicht. Der Titel Fuggerstadt wird trotz aller Bemühungen von Kurz bis heute fleißig verwendet. Die neue Multifunktionshalle heißt Fuggerhalle, Prospekte tragen den Titel „Stadtrundgang Fugger“, sogar Partys werden als „Fuggerclubbing“ bezeichnet. Und ein Ende des Hypes ist nicht in Sicht. Auch künftig ist damit zu rechnen, dass der Name der Kaufmannsfamilie für (mehr oder wenige) kreative Marketing- und Werbezwecke herhalten muss.