Kennzeichen Fürs eigene Auto muss es eine besondere Nummer sein

Stundenlang anstehen hat sich gelohnt: Nico Klasar posiert mit seiner vor fünf Jahren gesicherten ILL-Nummer auf Golf1.
Stundenlang anstehen hat sich gelohnt: Nico Klasar posiert mit seiner vor fünf Jahren gesicherten ILL-Nummer auf Golf1. © Foto: Matthias Kessler
Landkreis Neu-Ulm / Niko Dirner 10.07.2018

Im Klappstuhl hatte er gewartet. Ab 4 Uhr morgens. Nicht etwa vor einem Apple-Shop auf das neue iPhone. Sondern vor der Zulassungsstelle für ein Teil von etwas anderem, das hierzulande vielen ähnlich heilig ist wie die Apple-Geräte: für ein Auto-Kennzeichen, für ILL-VW 1. „Das musste einfach sein“, erinnert sich Nico Klasar an seine Aktion im Juli vor fünf Jahren. Da war das ILL-Kennzeichen wieder zu haben, das nach der Fusion der Landkreise Neu-Ulm und Illertissen 1974 abgeschafft wurde.

Stolz auf seinen Geburtsort, gibt Versicherungsmakler Klasar als Grund an, warum er, sobald es möglich war, von NU auf ILL umstellte. Und die besondere  Buchstaben-Zahlen-Kombination? „Wenn man die breite Auswahl an recht seltenen Variationen hat, ist das natürlich noch schöner.“

Ebenfalls zu den Frühaufstehern damals zählte Hans-Joachim Betz aus Bellenberg. Er holte sich zwei Nummern für Motorräder: ILL, seine Initialien plus Geburtsjahr oder Geburtstag. „Das ist einfach ein Ausweis meiner Identifikation mit der Region, aus der ich komme“, sagt der Selbstständige. In seiner Kindheit in Bellenberg seien alle Autos mit ILL-Nummern herumgefahren.

Als diese wieder zu haben waren, gab es Schlangen vor der Zulassungsstelle. Am ersten Tag wurden in Neu-Ulm 147 ILL-Schilder und in der Außenstelle Illertissen 59 ausgegeben. Die hohe Nachfrage hielt auch die Tage danach noch an: Nach einer Woche gab es 428 neue Fahrzeuge mit ILL. Im Durchschnitt werden pro Woche rund 170 weniger Kennzeichen ausgegeben. Aktuell sind, was kaum verwundert, in Illertissen mit Abstand die meisten Fahrzeuge mit dem Ortskürzel unterwegs, fast 4500 Stück. Auch der Anteil ist dort mit über 28 Prozent am höchsten.

In Elchingen kaum Interesse

Es folgen die Städte und Gemeinde drumherum: Buch, Unterroth, Altenstadt und Kellmünz mit einem Anteil von über 15 Prozent. Dann in zweiter Reihe Kommunen mit 10 bis 14 Prozent ILL, Bellenberg beispielsweise. Hinter Vöhringen bricht die Nachfrage dann ab: In Senden, Weißenhorn, Roggenburg oder Pfaffenhofen liegt der ILL-Anteil bei unter 3 Prozent. Und im Norden des Landkreises, in Holzheim (11 Mal ILL), Elchingen (16) ist die Nachfrage kaum messbar.

Indes legt ILL insgesamt stetig zu, wenn auch nicht mehr schlagartig. Klasar etwa beließ es nicht beim neuen Blech für seinen 1er-Golf. Er hat inzwischen unter anderem auch ILL-CV2 für einen Citroën 2CV, bekannt als „Ente“. Oder ILL-VS1 für eine Vespa Sport aus den 50ern. „Das Kennzeichen ist ein Unikat, das eben kein zweites Auto in der Variation tragen kann und somit definitiv ein Hingucker“, meint Klasar.

Auch Betz hat ILL-mäßig kräftig nachgelegt. Von seinen etwa zehn Autos, zehn Motorrädern und drei Anhängern hätten etwa ein Drittel das wiedereingeführte Kennzeichen. Warum nicht alle? Nun, erklärt Betz, einige Wagen seien „reine Gebrauchs-Fahrzeuge“, ohne emotionale Bindung. „Da könnte auch eine Ulmer Nummer dran sein.“ Aber an den Autos, die ihm wichtig sind, etwa ein 40 Jahre alter Geländewagen oder eine Stretchlimo, da müsse es einfach die ihm so vertraute Nummer sein.

Alles neu nach dem Nuxit?

Weiter sinken könnte die Zahl der NU-Autos auch wegen einer politischen Entwicklung: Wenn sich die für den Landkreis und das Kennzeichen namensgebende Stadt Neu-Ulm wie geplant selbständig macht, hätte das Folgen für außerhalb zugelassenen Fahrzeuge, meint Betz. „Das war ja 1972 eine Zwangsehe zwischen dem Landkreis Neu-Ulm und dem Landkreis Illertissen“, sagt der Bellenberger lokalpatriotisch, mit dem Nuxit würde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

EHI wird wohl nicht wiederkommen

Erlaubnis Seit Ende 2012 können die Länder beim Bund wieder die alten Kfz-Buchstabenkombinationen beantragen, die einst bei Gebietsreformen weggefallen waren. Die neue Möglichkeit wurde dann auf die Landkreise delegiert, diese sollten ihren Bedarf anmelden. Rund 300 alte Kennzeichen wurden wiederbelebt.

Bedürfnis Nicht so im Alb-Donau-Kreis. Hier gab es, so der Eindruck des Landratsamtes, kein Interesse daran, das EHI-Kennzeichen oder MÜN für Münsingen wieder zuzulassen. Landrat Heinz Seiffert sagte in einem Interview vor seinem Ruhestand im September 2016 auf die Frage, ob es so etwas wie eine Landkreis-Identität gebe: Der Alt-Kreis Ulm, der Teil von Münsingen und der Alt-Kreis Ehingen seien mittlerweile „nahtlos zusammengewachsen“. Ein schönes Zeichen für diesen Zusammenhalt sei aus seiner Sicht, „dass so gut wie niemand die Wiedereinführung der alten EHI-Kennzeichen oder gar MÜN gefordert hat“.

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