Ein Arabischkurs auf Hallig Hooge? Die ungewöhnliche Ankündigung im „Buddelbreef“, dem Mitteilungsblatt des Eilands, führte im Spätsommer mehr als ein Dutzend Touristen ins dortige „Hallig Hus“, dem Gemeindesaal. Zur großen Überraschung der Kursleiter Gwan Baklaro und Mohamad Mograbi: „Wir dachten, dass niemand kommt, dass es wenig Leute gibt, die es interessiert.“

Für die beiden jungen Männer war es ein weiter Weg bis an die Nordsee: Er führte von Syrien und über Unterfahlheim bis auf die Hallig im nordfriesischen Wattenmeer. Im Mai 2015 kamen die beiden als Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland, fanden zunächst im Asylbewerberheim in Unterfahlheim eine Bleibe. „Dort hatten wir von Anfang an Kontakt mit Leuten vom Helferkreis Nersingen, manche sind jede Woche gekommen“, erinnert sich der 25-jährige Baklaro.

Viel Unterstützung hätten sie unter anderem von Bettina Ostermann erhalten, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert – und die den Weg auf die Hallig eröffnete.

Doch zunächst belegten die beiden Syrer Sprachkurse. „Deutsch ist nicht so leicht zu lernen, es gibt so viele lange Wörter. Aber es geht!“, sagt Mograbi, der beim VfL Bühl Fußball spielt. Seit 2016 macht der 26-Jährige eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. „Wir wussten gar nicht, was das ist, eine Ausbildung. Jetzt wissen wir: Es ist gut, wenn man in Deutschland ein Zertifikat hat.“

Auch Baklaro erhielt nach einem Praktikum eine Ausbildungsstelle, lernt den Beruf des Fachinformatikers. „Ich habe in Syrien Informatik studiert, das musste ich abbrechen, wegen des Kriegs“, erzählt er.

Doch wie fanden die beiden den Weg aus Süddeutschland auf die Hallig Hooge? Alles fing damit an, dass die ehrenamtlich engagierte Bettina Ostermann den beiden Bilder von einer Wattwanderung bei Hooge zeigte. Baklaro und Mograbi seien begeistert von der Vorstellung gewesen, übers Wasser zu gehen. „Da hab ich Ihnen gesagt: Wenn ihr das erste Lehrjahr mit einer zwei vor dem Komma abschließt, nehmen wir euch beim nächsten Mal mit“, erzählt Ostermann, die mit ihrem Mann Georg schon über zwanzig Mal auf der Hallig zu Gast war.

Als im August vergangenen Jahres die Reise an die Nordsee vor der Tür stand, kam die Idee auf, vor Ort einen Arabischkurs anzubieten. „Um in Kontakt zu kommen und um etwas zu tun“, sagt Ostermann. Und die Idee sei gut angekommen. „Die Leute waren wirklich sehr gut, sie konnten nach zwei Stunden schon selbst ihren Namen schreiben“, erinnert sich Baklaro an den Kurs.

Auf der Hallig seien die syrischen Touristen durch den Kurs schnell bekannt gewesen, sagt Ostermann. „Alle haben gesagt: Ach, ihr seid doch die mit dem Arabischkurs.“ Natürlich stand auch eine Wattwanderung auf dem Programm der Hallig-Urlauber.

Meer, Sand und Wind

Und wie war es nun, barfuß übers Wasser zu gehen? „Ganz schön anstrengend, man kann nicht einfach nur geradeaus laufen bei dem Boden“, erinnert sich Baklaro. „So was haben wir noch nie gesehen, Ebbe und Flut. Das Wasser war so weit weg.“ Mit vielen Eindrücken von Meer, Sand und Wind seien sie nach dem Urlaub nach Hause zurückgekehrt, nach Nersingen und Wiblingen, wo sie inzwischen wohnen.

Sie hoffen, hier bleiben zu können, vielleicht nach der Ausbildung von ihren Firmen übernommen zu werden. Und sie wünschen sich vor allem eins: „Es gibt viele Flüchtlinge, die wie wir eine Ausbildung machen und ganz normal leben. Wir sind vor dem Krieg geflohen, wir wollen keine Gewalt. Es wäre schön, wenn die Leute das wüssten.“

Kleine Eilande im Wattenmeer


Hallig Die kleinen, eingedeichten Marschinseln im nordfriesischen Wattenmeer sind nur teilweise bewohnt. Bei Sturmfluten werden die Halligen vom Meer überspült. Dann ragen nur die sogenannten Warften aus dem Wasser, künstliche Erdhügel, auf denen die Häuser der Halligbewohner stehen.