Diskussion Frust über Mobilität und Digitalisierung in Elchingen

Hat für Konzepte des Bundes geworben: Staatssekretär Steffen Bilger.
Hat für Konzepte des Bundes geworben: Staatssekretär Steffen Bilger. © Foto: Foto: Thomas Vogel
Elchingen / Thomas Vogel 05.12.2018

Das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium will weitere Diesel-Fahrverbote in Innenstädten vermeiden und setzt dabei auf die Wirkung des jüngst beschlossenen Maßnahmenkatalogs der Bundesregierung. Dies unterstrich Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) am Montag in einer Podiumsveranstaltung von Junger Union und Senioren-Union im Elchinger Vidal-Haus zum Thema „Mobilität und Digitalisierung“.

Wenn dann erst und „so schnell als möglich“ die Grenzwerte wieder eingehalten würden, „dann kann sich auch der Wert von Diesel-Fahrzeugen wieder erholen“, ist die Hoffnung des Abgeordneten aus Ludwigsburg.

Es war nicht wenig Kritik, die ihm nach seinen Ausführungen aus den Reihen der Besucher entgegenschlug. Eine Besucherin nutzte die Gelegenheit, ihren Frust über die Lücken im Mobilnetz loszuwerden, deren Auswirkungen sie als gravierend schilderte: „Wenn sich da nicht bald was tut, wandern Firmen ab.“ Verbesserungen im Mobilnetz lasse die anstehende Versteigerung der 5-G-Frequenzen erwarten, entgegnete Bilger. Dort würde nicht allein die gebotene Summe über den Zuschlag entscheiden, sondern es werde anders als bisher auch „Versorgungsauflagen“ für die Mobilfunkanbieter geben.

Ein Besucher beklagte die „fehlende Effizienz auf der Straße“, wenn nach wie vor „in acht von zehn Autos nur eine Person sitzt“. Es kam der Vorschlag, ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen einzuführen. Dieses lehnte Bilger jedoch ab, weil es eh kaum noch nicht-limitierte Strecken gebe „und intelligente Systeme besser als ein Limit sind“.

Kritik aus dem Publikum wurde mehrfach an den deutschen Automobilherstellern geäußert. Er könne die „Lobby-Politik gegenüber den Autokonzernen“ nicht nachvollziehen, monierte ein Teilnehmer, worauf Bilger die „Verantwortung für die Arbeitsplätze“ anführte und die „Haft für Auto-Manager“ als Beleg, dass die Diesel-Skandale nicht folgenlos seien.

Für ein Elektroauto gebe es eine „Lieferzeit von einem Jahr“, sagte Kreisrat Richard Ambs. Wo bleibe da die Alternative? Staatssekretär Bilger wollte das einst von der Bundesregierung gesteckte Ziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2020 indes noch nicht aufgeben. Auch wenn es bis jetzt lediglich 140 000 seien: „Ende 2020 würde ja auch noch zählen.“

Manuel Schaloske (Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive BW) plädierte für einen „Mix an Technologien“. Bei großen Fahrzeugen und großen Reichweiten sei die „Brennstoffzelle gegenüber der Batterie prädestiniert“. Ludwig Jörissen, kommissarischer Chef des Ulmer ZSW, warb für den Ausbau Ulms zur „Wasserstoffregion“ mitsamt Produktion – Patente gebe es genug, die Voraussetzungen seien vorhanden.

Thomas Kienle, CDU-Fraktionsvorsitzender in Ulm, stellte die Initiativen der Stadt auf den beiden Themenfeldern vor. Wenn Ulm konsequent von fossilen auf erneuerbare Energien umsteigen würde, könnte damit eine jährliche Wertschöpfung von 200 Millionen Euro erzielt werden, so seine Beispielrechnung.

Autonomes Fahren als Zukunft

Kein unlösbares Datenschutz-Problem sieht Kienle – von Diskussionsleiter Eduard Freiheit vom Ingenieursbüro Neue Energien angesprochen – beim Einsammeln von massenhaft „Haus-zu-Haus-Daten“, wie es das autonome Fahren der Zukunft zur Voraussetzung hat. Dieses hat hat nach Ansicht von Thomas Kienle aber noch eine weitere Voraussetzung: „Dass die konventionellen Autos verschwinden. Sonst funktioniert das nicht.“

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